Review

Nachdem Jonathan Frakes überaus überzeugend die vorherigen Enterpriseabenteuer "Angriff der Borg" und "Der Aufstand" inszenierte, überlies man Stuart Bird, einem Fan des Universums, den Regiestuhl. Seine Arbeit erweist sich als gut, auch wenn sie nie an Frakes heranreicht, kämpfte dieser aber auch nie mit einem so schlechten Drehbuch.

Ohne Frage ist "Nemesis" zusammen mit "Angriff der Borg" das düsterste Abenteuer der "Next Generation"-Crew und kann mit den Romulanern und vampirähnlichen Remanern Spezies aufweisen, die in dieser Ausführlichkeit in den vorherigen Filmen nicht behandelt oder ganz außer Acht gelassen worden sind. Nach dem einem überraschenden, dem Zuschauer noch unerklärlichen Anschlag auf den romulanischen Senat wird genau das Geboten, was ich in der heutigen Filmwelt schmerzlich vermisse: Ein Wiedershen mit über Jahren liebgewonnen Charakteren inklusive all' ihren Schwächen und Stärken gewürzt mit einer Prise Selbstironie: Picard, Riker, Data, Worf, Geordi... Alle sind sie wieder da und man freut sich mit ihnen ein weiteres Abenteuer mitzuerleben, auch wenn sich schon hier der Gedanke aufdrängt, dass einige davon von Bord gehen werden.

Leider geht es nach diesem in Nostalgie schwelgenden Anfang mit dem Film auch schon bergab, denn schon bei der ersten Actioneinlage, bei der Picard mit einem Buggy über einen Wüstenplaneten rast um Teile eines Androiden ("Before", ein Vorgänger Datas) aufzusammeln, zeigt sich, dass man hier keinen typischen Abenteuer mehr beiwohnt. Das liegt zum einen an der nicht in den Film passenden Buggyjagd, bei der man sich fragt, ob man in der Zukunft kein besseres Fahrzeug zu Stande bringt (Sorry, aber das Shuttle wäre wohl schneller und einfacher gewesen) und dem kindischen Verhalten Picards, der sonst so ruhig und souverän als Captain agiert.

Was nun folgt ist ein schwer zu übersehendes Remake von "Der Zorn des Khan",der was die Leitmotive betrifft so einige Parallelen aufweist, aber nie dessen Klasse erreicht. Denn als die Enterprise zu Friedensgesprächen zum Heimatplaneten der Romulaner (Romulus) fliegt, offenbart sich dort ein Feind ungeahnten Aussehens und Ursprungs, ein junger Klon Picards. Aus dieser Konstellation entwickelt sich fast ein reiner Picardfilm, in dem der Rest der Enterprisebesetzung, kaum noch Platz findet, wenn man mal von Data absieht, dessen Darsteller Brent Spiner sich mit diesem Abenteuer selbst aus der Serie schrieb (aber für eine lukrative Fortsetzung selbstverständlich ein Hintertürchen namens "Before" ließ).

An statt Action, Außenmissionen und Weltraumschlachten entfaltet sich ein dialoglastiges Katz- und Mausspiel zwischen Picard und seinem Klon, der seinen älteres Ich zwischenzeitlich gefangennimmt, aber von Data ausgetrickst wird, was zu einem gewöhnungsbedürftigen Schußwechsel führt, bei dem Picard mal beidhändig randarf. Problematisch erweist sich dabei die Tatsache, dass bei Shinzon (der Picardklon) zum Ende nie klar die ständig wechselnden Motive herausgefiltert werden. Will er einmalig sein, will er weiterleben (der Gute ist krank) oder hat er nur das Old-School-Motiv, die Vernichtung der Erde? Letzteres hätte man im Übrigens am Ende, wenn man sich etwas mehr geduldet hätte,prima einbauen können. Eine Weltraumschlacht gegen ein schier unbezwingbaren und unsichtbaren Gegner, kurz bevor die Erde zerstört wird, wäre was gewesen. Sowas lässt das Trekkiefanherz wohl höher schlagen, als ein Kampf im grünen Nebel.

Um den Film aber nicht vollends schlecht zu machen, muss man ihm ein gutes letztes Drittel zugestehen, in dem mir als Star-Trek-Fan fast alles präsentiert wird, was ich von einem Kinofilm heutiger Zeit erwarte: Eine Weltraumschlacht der "Enterprise" gegen Shinzons mächtiges Schiff "Scimitar", dass locker die doppelte Masse des Föderationsschiffes und die Megatötungsplanetenkillermaschine besitzt. In allerbester Tradition kämpft die einmal mehr unterlegene Enterprise gegen einen stärkeren Gegner, bekommt Hilfe von zwei Warbirds und rammt in einer scheinbar aussichtslosen Situation seinen Gegner. Auf der Brücke fliegen wieder die Schauspieler durch die Gegend, Enterteams beamen sich auf die Enterprise (was detailarme Schußduelle nach sich zieht, die etwas länger und spektakulärer hätten sein dürfen), selbst die Brücke wird nach einem schweren Treffer nur durch ein Kraftfeld zusammengehalten. Die Tricks sehen klasse aus, die Musik reißt wirklich mit und als Zuschauer ist mit baff wie zufrieden.
Dabei bleibt übrigens nie die Selbstironie (kaputter Selbstzerstörungsmodus, zerstörter Bildschirm) auf der Strecke, durch die besonders Picard punkten kann. Der versteht sich mit Data einmal mehr, was zu augenzwinkernden Situationen führt (Blickaustausch nach der harten Buggylandung im Shuttle).

Fazit:
Ingesamt nur mittelmäßiges Abenteuer, dass einen schönen Anfang und eine tolle Weltraumschlacht am Ende bietet. Lieder fiel dem Drehbuchautor dazwischen nicht sonderlich viel ein, denn aus den Feindmotiv Romulaner/Remaner hätte man viel mehr machen müssen. Zu lieblos sind die Dialoge, zu unpassend die neuen Ideen (telepathische Vergewaltigung von Troy) für das sonst so saubere Star Trek Universum.
So bleibt nur ein nettes Wiedersehen mit einer liebgewonnen Crew, die mit diesem kommerziellen Flop wohl leider das letzte Abenteuer im Kino bestritten hat. Das ist in sofern tragisch, weil am Ende trotz des Ausstiegs von Crewmitglieder kein endgültiges Gefühl entsteht, dass es nun Zeit ist. Man bekommt hier nie das Gefühl einem sagenumwobenen Star Trek Abenteuer (merkt man schon in "Der Aufstand") beizuwohnen, bei dem es wirklich um was geht. Daher bitte noch einen 11ten und endgültig letzten Teil, um die Crew in Würde in Rente zu schicken.

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