Review

Der beste Trashfilm aller Zeiten:

Es sei gewiss Vorsicht geboten, wenn man sich auf eine Jochen Taubert Produktion einlässt, schliesslich weiss so ziemlich jeder beinharte Horrorfreak mit dem Faible für deutsche Amateurproduktionen, welch absurd miserable Filmchen er innerhalb seiner Schaffensphase abgeliefert hat. Selten wirklich unterhaltsam wurden uns trashige und augenscheinlich freiwillig komische Werke präsentiert, die so dilletantisch und fordernd aufgrund ihres filmischen Unvermögens waren, dass sie zu keinem Zeitpunkt Spass machten, geschweige denn irgendwelchen Qualitäten besaßen. Darsteller aus der Hölle zum Fremdschämen, hanebüchene Handlungen, die keinen stringenten Faden vorzuweisen hatten, Kindergartensplatter mit Zutaten der Nachmittagsessensreste und Computereffekte aus C64 Zeiten.

Doch nun ist Turbo Zombi kein reiner Taubert-Film, sondern eine Co-Produktion mit dem in der Amateurszene relativ unbekannten Christian Witte, der bisher nur mit ulkigen Videos mit seinem GU.Film Medien Verleih Kanal auf YouTube aufgefallen ist. Inwiefern sich das jetzt auf die filmische Qualität und den Unterhaltungswert ausübt, kann man nur schwer beschreiben, denn Herr Taubert hatte mit seiner Stadtlohner Filmgruppe innerhalb 15 Jahren seit Maniac Killer keine wirklichen Fortschritte gemacht.

Das Drehbuch ist, wie von Taubert bekannt eher spärlich vorhanden gewesen und auch diesmal von Taubert geschrieben. Da gibts halt diesen Jockel alias Witte und nen Kumpel, gespielt von Martin Hentschel, einer der wirklichen Größen im Business, der schon so einige Leistungen in TV-Serien und Filmen bekannter Größen vorzuweisen hat, die sich gegen Zombiemassen wehren müssen. Mehr gibt die Story nicht her, aber dass ist insofern nicht schlimm, da man sehr deutlich sehen kann, wessen Szenen welche Handschrift trägt. Diesbezüglich kann man deutlich hervorheben, dass Witte eine Bereicherung für den Film war. Ohne seine hinzugefügten Szenen, die er, so wie ich es erfahren durfte, nachträglich gedreht hatte, wäre der Film wie so oft bei Taubert in eine endlose, zusammengeschusterte Spirale verlaufen, mit chaotischem Situationswechseln gewürzt, deren Handlung absolut banal gewesen wäre und null Sinn ergeben hätte. Durch Wittes Engagement und Wissen hat der Film wenigstens einen relativ erkennbaren und nachzuvollziehenden Ablauf, den man sogar als kompletten Film entlarven kann, selbst wenn er chaotisch, geschmacklos und primitiv ist.

Doch eine Stärke hat der Film gewiss. Er ist übertrieben, gibt sich als kleine, absolut freiwillig komische Hommage an die plumpen Billigreißer der 60er und 70er wie zb. Astro Zombies oder irgendeinen gewöhnlichen Ed Wood Heuler, der sich dazu noch durch einige Kapitel der internationalen Filmgeschichte zitiert. Vorallem die ersten 20 Minuten beweist der Film komödiantisches Potenzial, denn Witte und Hentschel parodieren allzu offensichtlich ein Kleingeisterfreundespaar, das sehr an Ballermann 6 oder Voll Normaal erinnert, währenddessen sie auch noch recht homosexuellen Gesellen begegnen, teilschuldig an der Zombieepedemie, die in ihrer Kluft sehr an den Film "Ey Mann, wo ist mein Auto" erinnern.

Das beweist Ideenreichtum und ist anders als in anderen Taubertfilmen sogar nicht peinlich, sondern wirklich amüsant mitanzusehen. Doch nicht nur Witte und Hentschel werten dieses freiwillige Debakel auf, sondern auch Stefan Svahn (Lost Way of the Zombies), Marc Rohnstock, Mario Zimmerschmitt (beide Infernal Films - Necronos) und Thomas Kercmar können in ihren Rollen abseits überzeugen, bzw. Symphatiepunkte einheimsen, auch wenn letzterer ziemlich lustlos agiert.

In dem Film überwiegen augenscheinlich die komödiantischen Züge des Herrn Witte, der sich mit seiner Albernheit sehr an den Grundzügen von Helge Schneider festmacht. Ob er nun mit einem Ökoshopper durch Zombiemassen rast und dabei jegliche Mimik durchführt die ein menschliches Gesicht hergibt, oder sich mit seiner verstellten hohen Stimme durch affige Dialoge rumpft. Das hat alles Qualitäten, die sich für solche Verhältnisse sehen lassen können, vorallem weil auch diesmal Kameraarbeit, Schnitt und Optik passt. Für diese Seite darf man wohl schon wieder Witte loben. Nur schade, dass es Taubert sich nicht hat nehmen lassen, abermals völlig deplaciert seine schäbige Mucke einzuspielen, die man so schon in 10 seiner Werke hatte ertragen müssen. In dieser Hinsicht könnte er echt mal was tun. Zumindest gabs keinen Herzfilter aus der Windoofmaschine.

Und auch splattertechnisch ist der Film ausreichend, bzw. eine Steigerung zu anderen Taubertwerken. Grösstenteils CGI und nur Blutspritzer aus dem Off ins Gesicht etc. aber eine deutliche Steigerung, zu dem was man sonst so gewohnt ist.

Fazit:

Unterhaltsamer, chaotischer und absolut nicht ernst gemeinter Zombiestreifen, der filmtechnische Steigerung im Gegensatz zu anderen Taubertwerken erkennen lässt und sich recht komödiantisch durch die Schundfilmkultur der 60er zitiert und sogar eine nachvollziehbare Geschichte ohne irre Wechsel abliefert. Durchaus nur für beinharte Trashfans zu empfehlen, die sich selbst nicht so ernst nehmen und über freiwillig doofen Kasperkäse ablachen möchten. Durchaus bester Taubertfilm, auch wenn man den Grossteil des Lobs Christian Witte zusprechen muss. Bitte mehr so bescheuerten Kram. (7/10)

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