Review

3 - Coven

Taissa Farmiga spielt die junge Zoe, deren Freund beim ersten Sex mit ihr unter mysteriösen Umständen verstirbt. Sie erfährt, dass der Todesfall nicht zufällig geschah, sondern, dass es sich bei ihr um eine Hexe mit speziellen Talenten handelt, die ihrem Freund nun offenbar zum Verhängnis geworden sind. Sie wird nach New Orleans auf eine Hexen-Schule geschickt, wo sie zusammen mit einer übernatürlich begabten Hollywood-Schauspielerin, einem Medium und einer menschlichen Voodoo-Puppe unterrichtet wird. Allzu harmonisch geht es dort jedoch nicht zur Sache. Es kommt zum Konflikt mit einem anderen Hexen-Zirkel, der von einer mächtigen, afroamerikanischen Hexe, gespielt von Angela Bassett, geleitet wird, aber auch zu inneren Unruhen, weil eine Nachfolgerin für die egozentrische oberste Hexe, gespielt von Jessica Lange, gesucht wird.

Hatte die erste Staffel „Murder House“ zunächst durch eine aus der anfänglichen Ungewissheit resultierenden Spannung und durch die dichte Atmosphäre überzeugen und dank der mitunter klaustrophobischen Atmosphäre im Geisterhaus diese auch dann halten können, wenn der Plot immer konfuser wurde, gelang es dem Team um die Serienschöpfer Ryan Murphy und Brad Falchuk mit der zweiten Staffel „Asylum“, das Niveau noch einmal steigern. Die düstere Psychiatrie, in der suspekte Geistliche und sadistische Nazi-Ärzte die wehrlosen Insassen malträtierten, bot mehr Figuren und Schauplätze als die erste Staffel, erweiterte gewissermaßen den Kosmos und überzeugte durchweg mit einer düsteren Atmosphäre, mit verstörenden Wendungen und auch mit rabenschwarzem Humor. Da fiel das permanente Verwursten klassischer Horror-Klischees kaum ins Gewicht. Bei „Coven“, der dritten Staffel, stellt sich dagegen vielmehr die Frage, wo hier eigentlich genau der Horror sein soll.

Dabei ist die inszenatorische und darstellerische Arbeit gewohnt gelungen. Es gibt einen Vorspann aus mehr oder weniger mysteriösen Bildern zu sehen, die optisch an altes Archivmaterial erinnern, unterlegt von der üblichen Geräuschkulisse. Die Kameraperspektiven sind oft schräg, auf Boden- oder Deckenniveau, was anfangs etwas befremdlich wirkt und an das expressionistische Kino erinnert, der düsteren Atmosphäre und dem ständigen Gefühl einer beklemmenden Ungewissheit aber stets zuträglich sind. Dazu gibt es viele bekannte Gesichter zu sehen, die ihre Rollen ausnahmslos gelungen ausfüllen, darunter Stammdarsteller der Serie wie Sarah Paulson, Taissa Farmiga, Denis O`Hare oder Evan Peters sowie natürlich die großartige Jessica Lange, die als durchtriebene und skrupellose Anführerin brilliert. Dazu fügen sich auch die neuen Gesichter gelungen ein, wobei es die Serienschöpfer erneut geschafft haben, einige darstellerische Unikate zu gewinnen, die an Charisma kaum zu übertreffen sind. Dazu zählen die stark aufspielende Frances Conroy, die präsente Gabourey Sidibe, der düster-charismatische Danny Huston und die alles übertreffende Kathy Bates, die als resolute und rassistische Südstaaten-Dame einen großen Anteil am meist noch erträglichen Unterhaltungswert hat.

Leider harkt es bei der Story. Brach das Unheil in Form von Geistern und Spuk oder der willkürlichen Gefangennahme in einer Anstalt in den vorherigen Staffeln noch über normale, wehrlose Menschen herein, stehen hier fast ausschließlich die Hexen im Vordergrund, die sich auch in eher ausweglosen Situationen dank ihrer magischen Kräfte stets zu helfen wissen. Darüber hinaus sind einige Protagonisten quasi unsterblich und wenn denn mal jemand stirbt, heißt das noch lange nicht, dass er wirklich tot ist oder vollständig von der Bildfläche verschwindet. Dadurch büßt „Coven“ durchweg an Spannung ein, wenngleich zumindest die Sequenzen aus dem New Orleans des frühen 19. Jahrhunderts überzeugen, in dem Delphine LaLaurie auf ihrem Anwesen ein regelrechtes Terror-Regime führte. Die Bezüge zur realen LaLaurie sind aber, genau wie die zu den Hexenprozessen von Salem, allzu vage gehalten, als dass man der Serie wirklich interessante historische Facetten abgewinnen könnte. Wenn dann Mitte der Staffel auch der Kleinkrieg gegen den verfeindeten Hexenzirkel sowie die inneren Spannungen um die Nachfolgefrage der Obersten zu erlahmen beginnen und auch die Identifikation mit den Figuren zunehmend schwindet, wird das Ganze immer langatmiger, das Geschehen zudem allzu verworren. Wie schon bei den ersten Staffeln werfen die Macher dabei insgesamt mehr Fragen und Probleme auf, als sie am Ende schließlich befriedigend auflösen können, doch der fade Abgang dieser Staffel ist dennoch beispiellos.


Fazit:

„Coven“ ist der vorläufige Tiefpunkt einer ansonsten überzeugenden Horror-Serie, was weniger dem gewohnt hohen darstellerischen oder inszenatorischen Niveau, sondern vielmehr der lahmen Story geschuldet ist. Vor allem in der zweiten Hälfte der Staffel sehnt sich „Coven“ zunehmend seinem faden Abgang entgegen.


40 %

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