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4 - Freak Show

Florida 1953: Die Freakshow der deutschen Immigrantin Elsa Mars, gespielt von Jessica Lange, hat schon bessere Tage gesehen. Während die tourenden Kabinette menschlicher Kuriositäten im ganzen Land aussterben, stemmen sich Mars und ihre Freaks gegen die drohende Pleite. Ihr gelingt mit der Verpflichtung siamesischer Zwillinge, gespielt von Sarah Paulson, zwar ein echter Coup, der publikumswirksamer kaum sein könnte. Bedroht ist die Freakshow aber weiterhin nicht nur vom finanziellen Ruin, sondern auch durch einen Sammler, der es auf die Körper der Freaks abgesehen hat und einen Psychopathen aus reichem Haus, der sich in die siamesischen Zwillinge verliebt.

Nach dem gelungenen Auftakt „Murder House“, der bisher besten Staffel „Asylum“ und dem eher enttäuschenden „Coven“ setzen die Macher von „American Horror Story“ auch bei der vierten Staffel auf Altbewährtes, also auf explizite Gewaltdarstellungen, auf schräge Kameraperspektiven, die mitunter an das expressionistische Kino erinnern und auf die Riege altbekannter Darsteller. Dennoch sind auch bei dieser in sich geschlossenen Staffel wieder alle Uhren auf null gestellt. Nachdem bereits ein Spukhaus, eine Psychiatrie und ein Hexenzirkel im Fokus standen, geht es diesmal um eine Freakshow - ein großartiger Schauplatz für einen Horrorfilm.

Und so lebt diese insgesamt unterhaltsame und vergleichsweise schwarzhumorige Staffel insbesondere von seinem bunten Figurenkarussell. Dabei sind es nicht nur die körperlichen Merkmale der Freaks, die bärtige Frau, der Junge mit den Scherenhänden, die siamesischen Zwillinge, die Frau mit den drei Brüsten oder die Kleinwüchsige, sondern es sind die unterschiedlichen Charaktere, die für Unterhaltung sorgen. Es kommt immer wieder zu Spannungen zwischen den Freaks, vor allem aber auch zu Konflikten zwischen den menschlichen Kuriositäten und der eitlen wie geltungsbedürftigen Leiterin der Show. Die internen Machtkämpfe, die hart geführt werden und einige Opfer fordern, ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Staffel und garantieren bis zum Ende ein ordentliches Spannungsniveau, zumal die Darsteller einmal mehr hervorragende Arbeit leisten. Die eher unverbrauchten Gesichter Sarah Paulson, Evan Peters oder Emma Roberts, die bereits bei vorangegangenen Staffeln mit von der Partie waren, können sich dabei ohne Weiteres mit den ebenfalls stark agierenden Hollywoodstars Angela Bassett oder Kathy Bates messen. Die ausgesprochen präsente, beängstigend kühle, bitter zynische und eiskalt berechnende Jessica Lange spielt sogar noch eine Liga höher.

Dabei haben es auch die Bedrohungen von außen durchaus in sich. Vor allem der von Finn Wittrock unnachahmlich widerwärtig angelegte Schnösel mit psychopathischen Zügen hinterlässt einen bleibenden Eindruck, was aber auch vom skrupellosen Geschäftsmann behauptet werden kann, der von Denis O´Hare verkörpert wird. Was dagegen etwas zu kurz kommt, obwohl es die Serie gerade in der ersten Staffel ausgezeichnet hat, das sind die übernatürlichen oder ganz klassischen Horror-Elemente. Wird der bereits am Anfang eingeführte Horror-Clown recht schnell entsorgt, wirken die Auftritte des zweigesichtigen Edward Mordrake beliebig hinzugedichtet, um mit der düsteren Geschichte des umhergeisternden Freaks für etwas Hokuspokus zu sorgen. Außerdem hätten es drei bis vier Episoden weniger sicherlich auch getan. So tritt die 4. Staffel der Horrorserie etwas zu oft inhaltlich auf der Stelle. Insbesondere die vielen Rückblenden bremsen den Erzählfluss ähnlich stark aus wie die allzu gewollten Anflüge von Emotionalität.

Fazit:
Nach dem vorläufigen Tiefpunkt „Coven“ überzeugt „Freakshow“ mit seinem bunten Figurenkarussell, den inneren Spannungen im menschlichen Kuriositätenkabinett, aber auch mit allerhand morbiden und bedrohlichen Nebenfiguren. Darstellerisch wie inszenatorisch überzeugend wie die vorangegangenen Staffeln wird trotz einiger dramaturgischer Hänger ordentliche Unterhaltung nach altbewährtem Muster geboten.

67 %

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