Staffel 5
Hotel
Check In & Die Out
"Hotel" genießt die fragwürdige Ehre, als bisher schwächste Staffel der Anthologieserie "American Horror Story" zu gelten. Doch diesem Bashing schließe ich mich nur sehr widerwillig bis gar nicht an. Denn auf mich wirken die 12 Folgen im Hotel Cortez voller Geister, Mörder und Mysterien, sehr unterhaltsam, stylisch und besonders. Über Lady Gaga wurde viel zu viel gelästert, ich fand genug Substanz hinter der prunkvollen Kulisse und dem coolen Soundtrack und Staffel 5 der beliebten Gruselserie steckte ein paar der bekannten Schauspieler in ihre bisher mit Abstand besten Rollen, sodass ich dieser Staffel insgesamt ein glasklares gut bis sehr gut attestieren muss. Auf ähnlichem Niveau wie bisher alle Staffeln, wieder andere Nuancen setzend und mit gefühlt mehr Eiern, Gore und Hommagen - Ferien, wie man sie sich als Horrorhead nur wünschen kann. Das Hotel Cortez kriegt von mir seine 4 Sterne. Mich stören die Blut- und Spermaflecken im Teppich wenig. Ein Fest für die Sinne.
"Hotel" ist audiovisuell die mit Abstand prachtvollste und explizitste Staffel der Serie. Als ob der große Gatsby zu viel mit Stephen King abgehangen hätte, als ob die Lost Boys mit zu viel Lady Gaga und Drake konfrontiert wurden. Schöne Menschen, harte Morde, noch hübscheres Hotel. Dagegen wirken die Hexenschule oder das Horrorhaus aus vorangegangen Staffel fast blass und langweilig. "Hotel" ist extrovertiert, mutig und bietet genug Gesprächsstoff um sich über die kommenden Jahre hartnäckige Fans und vielleicht sogar Kultstatus zu erkämpfen. Niemals war ein Soundtrack in der Serie so prägnant und voller Coolness, niemals war ein Set so genial retro und futuristisch zugleich. Ich mag sogar die Gaga als Vampirfürstin - niemand wäre der passendere emotionslose Vamp als sie momentan. Und eine Pause von Jessica Lange tut uns allen gut. Hinzu kommt der höchste Goregehalt der Serie bisher und Charakter wie James March oder Liz Taylor, die ihre Darsteller auf ein ganz neues Level heben und klare Highlights sind. Nicht nur der Staffel sondern der Serie. Da verkraftet man das manchmal aufkommende Musikvideofeeling. Eine Staffel zwischen MTV und Stanley Kubrick.
Fazit: Artdeco goes Grusel, Gatsby goes Shining - "Hotel" ist die optisch hübscheste AHS Staffel und hat eine Menge Kultpotenzial. Kann man als Style over Substance auffassen, kann man einfach genießen. (8/10)