Jackie Chan als Rechtsanwalt? Nett...
Aber ja doch, das ist wirklich nett. Es passt nicht immer, und zu Beginn wirkt es doch auch recht merkwürdig, aber Chan selbst ist glücklicherweise diesmal nicht unbedingt das zentrale Moment des Films. Unter Sammo Hung werden ein letztes Mal die drei “Superfreunde” in einem Projekt vereint: Er, der Regisseur selbst, Jackie Chan und Yuen Biao. Und wenn man ehrlich sein will: Ohne dieses Dreigespann und dessen Erfahrung miteinander und Eingespieltheit untereinander wäre die erste knappe Stunde des Eineinhalbstünders ein ganz schön zäher Brocken.
Das Szenario hebt sich bereits atmosphärisch vom Frühwerk aller Beteiligten ab, zieht man etwa Hungs “Winners & Sinners” als Vergleich heran. Die Thematik versucht sich in ihrer Ausrichtung als ernsthaft und fast dramatisch, obwohl das Resultat die komödiantischen Wurzeln freilich nie ganz verbergen kann und dies auch gar nicht will. Dennoch versprühen alleine die Sets und Kostüme ein gewisses Maß an Seriösität und Ernsthaftigkeit, die sich vom reinen Look her dem Heroic Bloodshed-Genre annähert.
Handlungstechnisch ist man davon jedoch weit entfernt. Die Story vom Schlage eines “Regenmachers” oder “Zivilprozess” betrachtet sich selbst im Gegensatz zu den US-Pendants nicht als Kern des Films, sondern als Vorwand für Action und einen Hauch Comedy, sogar gewürzt mit einer Prise Romantik.
Leben kann die Handlung daher auch nur durch die Interaktion zwischen Sammo Hung, Yuen Biao und Jackie Chan, und so läuft über kurz oder lang alles darauf hinaus, dass die drei Hauptdarsteller sich unter der Prämisse, ein gemeinsames Ziel zu erreichen, immer wieder in die Haare kriegen. Jeder ermittelt auf seine Weise in einem anderen Bereich gegen die mutmaßlichen Betrüger, und so kreuzen sich die Wege untereinander immer wieder. Einer behindert den anderen durch zufällige Begegnungen an Ermittlungsorten, und jeder droht, die Tarnung des anderen unabsichtlich aufzudecken.
Es ist nur folgerichtig, dass die ein oder andere Situation Assoziationen zu Momenten aus diversen Szenen bekannter Filme und Filmschaffender weckt. So erinnert die Dreier-Prügelei nachts vor dem Haus stark an die drei Stooges, nur dass es statt Pieksern in die Augen und Kneifern in die Nase nun Schläge ins Gesicht und Tritte in den Magen gibt. Dabei ist dieser Dreier-Kampf ein perfektes Beispiel dafür, was an “Action Hunter” im Wesentlichen so gelungen ist: Sofern gewollt, handelt es sich hier um eine höchst gelungene Hommage an einen Filmklassiker, es stellt die ausgezeichnete Interaktion zwischen den drei Hauptdarstellern unter Beweis und es ist, was die Martial Arts-Choreografie betrifft, eine große Herausforderung, die einwandfrei erfüllt wird.
Ähnlich verhält es sich mit den Frauengeschichten, die später leider etwas außer Kontrolle geraten. Zunächst jedoch ist der ein oder andere Gedanke an eine Situation aus “The Killer” nicht zu verleugnen. Hier wie da gibt es in einer Szene nämlich eine Frau mit zwei Männern in einer Wohnung, wobei einer der Männer versucht, die Frau nicht merken zu lassen, dass der andere da ist. Ausgeführt diesmal von Jackie Chan (übrigens ist sein Anwalt als geiler Hengst geschrieben, der alle Frauen im Büro anmacht) als Heimlichtuer und Sammo Hung als heimliches Geheimnis, das verborgen werden muss - und als dann auch noch Biao hinzukommt, ist alles verloren.
Bezeichnend ist aber auch, dass, sobald sich die drei Chaoten voneinander trennen, das Konzept plötzlich nicht mehr funktioniert. Als jeder versucht, seine Herzensdame isoliert von seinen Kumpanen rumzukriegen, bewegt man sich so weit weg vom eigentlichen Plot, dass dieser vollkommen in Vergessenheit gerät. Zumindest Sammo Hung mag seine Szenen noch ganz witzig gestaltet haben (mit Lautsprecher durch die belebten Straßen zu latschen und seine Angebetete zum Essen einzuladen, das hat schon was), aber letzten Endes führen diese Exkurse zu nichts. Denkt man sich also einfach mal die Aktivitäten der drei Ermittler weg, so entpuppt sich “Action Hunter” als speziell zu Beginn ziemlich ermüdendes Filmchen ohne Substanz.
Umgekehrt lässt sich daraus auch eine der größten Stärken ziehen. Sammo Hung schafft es, seinen Streifen von Minute zu Minute interessanter werden zu lassen; die Spannungskurve steigt unentwegt. In Anbetracht der Tatsache, dass die Aufmerksamkeitskurve des Zuschauers mit zunehmender Dauer zu fallen droht, ist das ein aller Ehren wertes Kunststück. Konträr zur Zuschauerhaltung wird damit die Intensität unter dem Strich auf einer Höhe gehalten, und als Zuschauer kann man sich an dem Gefühl festhalten, dass der etwas müde Beginn mit jeder verstreichenden Filmminute eine Steigerung erfährt.
Und am Ende exponiert diese Steigerung in einer der besten Kampfchoreografien, die je in einem Film mit Beteiligung von Jackie Chan zu sehen waren, zudem auch noch absolut genial eingefangen von einem Sammo Hung, der hier sein ganzes Können zeigt. Die Szenerie, mal wieder ein Industriegelände, ist in ihrer Vorhersehbarkeit dabei ignorierbar - wichtig ist es, was Chan, Hung, Biao und ihre Gegenspieler Wah Yuen und Benny Urquidez daraus machen.
Einfach alles machen sie daraus.
Benny Urquidez erwies sich schon in “Powerman” als physisch enorm präsenter, markanter und charakteristischer Endgegner, der einem Film einen Abgang mit Pauken und Trompeten bescheren konnte. Hier wiederholt er diese Leistung - unglaublich widerwärtig und unsympathisch wird er zum ultimativen Hassobjekt, bei dem jeder durch Jackie Chan verursachte Schaden automatisch zu Jubelstürmen im Publikum führt. Freilich macht er dies nicht ganz so einfach. Ziemlich bullig in seiner Figur, überrascht er mit ultimativer Körperbeherrschung und stellt einen würdigen Konkurrenten für Jackie dar, der sich schon merklich anstrengen muss, um sich auf das Niveau seines Gegners zu katapultieren. Kamera und Schnitt fangen dieses vom Niveau her ausgesprochen hochwertige Event perfekt ein, schmücken es mit Zeitlupen in genau den richtigen Momenten, optimalen Perspektiven und hin und wieder mit Wiederholungen besonderer Leckerbissen. Die Umgebung geht derweil in dem Kampf der Giganten zu Bruch, und man erlebt einen äußerst harten, gnadenlosen Endkampf, in dessen Verlauf sich Jackies spitzbübische, buddyhafte Art als perfekte Basis für eine Identifikation herausstellt, während Urquidez die rasende Wut und unmenschliche Entschlossenheit darstellt.
Nebenher zeigt Yuen Biao fast noch mehr als Jackie Chan seine Fähigkeiten, obwohl er per se keinen speziellen Gegner zugeteilt bekommt und damit noch eher wenig zu tun hat. Dennoch ist die Konsequenz, mit der er seine Martial Arts vorträgt, bemerkenswert.
Wah Yuen überzeugt derweil, obwohl auch er einige Einlagen zu bieten hat, eher durch seine schauspielerisch erarbeitete Präsenz denn durch Körperakrobatik. Wie er da im Nadelstreifenanzug steht und genüsslich seine fette Zigarre mit den Mundwinkeln umspielt und einfach zusieht, wie sich Jackie und Benny verkloppen, das hat schon eine enorme Aura der Überzeichnung an sich und verfehlt seine Wirkung nicht. Dass er letztendlich allerdings vorwiegend gegen den pummeligen Sammo Hung antritt (dem wir seine Fähigkeiten natürlich nicht abstreiten wollen), der auch noch durch eine Art Virus stark geschwächt ist, das ist irgendwo Verschwendung, denn von der Art seines Auftretens her hätte man ihn als ultimativen Endgegner zugeordnet. Diesen Part übernimmt nun Benny Urquidez, eigentlich nur ein “Handlanger”, der zusätzlich erst in diesen letzten Minuten des Finales auftaucht.
Dennoch zeigt sich das Finale als unumstrittener Filmhöhepunkt und dokumentiert damit den Filmverlauf: Es beginnt sehr mäßig und steigert sich dann stetig bis ins Ultimative. Wer ungeduldig ist, könnte einiges verpassen; vielleicht ist dies auch einer der Gründe, weshalb “Action Hunter” seinerzeit gefloppt ist. Alleine die Performance des Dreigespanns Hung/Chan/Biao ist aber schon die Zeit wert, und eines der besten Martial Arts-Finals überhaupt lässt alle Längen und Defizite der Handlung vergessen.
6.5/10