"Ach, da habe ich also meine Vorliebe für Trash her!" So könnte man den Beginn meiner Hobbylaufbahn als Filmschrottie in kurzen und knappen Worten beschreiben. Aber mal ehrlich: das Bewusstsein um die Trashigkeit von "Mighty Morphin Power Rangers" hatte ich damals 5 - jährig, als ich die Serie tapfer entgegen elterlicher Verbotsandrohungen und damit verbundener Beschämung ("Das ist doch Mist!") mit großem Genuss geschaut und alterstypisch heilig ernst genommen habe definitiv noch nicht. Wohl aber eine gewisse Begeisterung, war das ganze doch eine Kante härter als das, was Mutter und Vater sonst so augenrollend hinnahmen. Da konnten die lahmarschigen "Hero Turtles", die meine Schwester so liebte und die meine nervtötend alternativen Eltern gerade so noch tolerierten nichts gegen aufbieten (ich hasse sie übrigens bis heute - die Turtles, nicht meine Schwester).
Das Konzept ist so simpel - dreist wie genial: ein Haufen US - amerikanischer Producer kaufte die Rechte an einer japanischen Superheldenshow, kastrierte den ganzen lästigen Handlungswirrwarr aus den Folgen und flickte die Kampfszenen mit eigenem, US - und europaverträglicheren No Brainer - Plots zu einer fast komplett neuen Show zusammen. Deren Handlung folgt einer Gruppe von Teenies, allesamt von Bald - Dreißigern gespielt, die im realen Leben wahrscheinlich nie miteinander abhängen, geschweige denn gemeinsam gegen das Bööööse kämpfen würden. Da das Skript es aber so vorsieht werden ein selbstverliebtes Sportass, ein aufgekratzter Hip Hop - Head, das nervtötende Modepüppchen, der obligatorische Nerd und die Klischeeasiatin von einem in einer Glasröhre hausenden Zauberer und seinem Blechbüchsenroboter für den Kampf gegen eine Hexe, die Nina Hagen in punkto modischer Abgründe mit Leichtigkeit aussticht, zwangsrekrutiert. Warum die eine Gefahr darstellt erschließt sich dabei dem gesunden Menschenverstand nicht: ihr Zauberrepertoire ist nicht größer als das des durchschnittlichen Hogwartsabbrechers, ihr im Hintergrund agierender Schurkenkader denkbar inkompetent und ihre Armee an Knetmännchen instabil wie Schnecken auf Salzstein. Und überhaupt, wie ernst kann man eigentlich eine Hexe nehmen, die Rita heißt!?
Da der magische Erlenmeyerkolbenmann aber im Laufe der letzten paar Jahrtausende, die er auf der Erde Wacht geschoben hat, verbaselte, eine geeignete Armee zusammen zu casten muss also die Dorfjugend des Küstenkaffs "Angel Grove" herhalten und die selbstverständlich durchgehend fitten und attraktiven Hangarounds der örtlichen Saftbar (KEIN SCHEISS!) Woche um Woche lästige Knetscheißer und das jeweilige Riesengummimonster der Folge nur in Spandex und Motorradhelm zu Kautschukklump kloppen. Und da traf in den Neunzigern die Scheiße so richtig auf den Ventilator: rappende Kürbislaternen, Schildkröten mit Rückenampel, verfressene Riesenschweine und immer wieder die dummbatzigen Schulmobber, die die Fresse im Vorbeigehen voll kriegen. Naja, nicht wirklich, da die Fünf außerhalb der actionreichen Monsterkloppe gottverdammte Gutmenschen sind, die wirklich jeden Bullshit verzeihen, weil man ja alles mit guten Worten regeln kann. Versucht das mal bei Rita, ihr naiven Trottel.
Später näherte man sich dann eher unfreiwillig dem Original aus Japan an, in der Thema und Cast jede Staffel wechselten. Davon ab, dass man den Cast mit Jason David Frank um einen langhaarigen Schönling, dessen einziger nennenswerter Persönlichkeitszug "KARATE!" ist erweiterte rotierten Teile der Besetzung weiter und wurden ausgetauscht, wenn sie die ihnen zustehende Gehaltserhöhung zu laut einforderten. Ein Glück, dass die kultisch verehrten ersten vier Staffeln der Serie für lau auf Youtube liegen, da finanziert man den Ausflug zurück ins Kinderfernsehen dann "nur" mit Klickzahlen und Werbeeinnahmen. Fühlt sich zwar immer noch schmutzig an, aber dann doch nicht so dreckig, als würde man Geld für eine physische Ausgabe der Serie verheizen.
Weiß der Teufel, wie ich das damals toll finden konnte, unterfordert der Quatsch hier doch tatsächlich sogar einen überzuckerten Vierjährigen im Halbschlaf mental. Aber: ich hatte auch nicht wirklich eine Wahl. Mangels Receiver war RTL mein Go to - Sender, wenn ich mal die Schnauze voll von pädagogisch wertvollem Scheiß hatte, den meine Eltern mir als einzige akzeptable Unterhaltung verkauften. Zum Glück erwies sich die eigentliche Funktion der Serie als Taschengeldmagnet für geldgeile Multis bei mir dann aber doch als wirkungslos, wahrscheinlich ob der Spießereien meiner Eltern. Aber rückblickend wundert es mich wiederum auch nicht. Scheinbar war ich schon immer trashaffin und begriff das erst 12 Jahre später. Mittlerweile kann ich mir die ein oder andere Folge mit mehr oder minder warmen Erinnerungen, aber vor allem herzhaften Lachkrämpfen geben. Einer der Vorteile, wenn man einstige Kindheitsheiligtümer nicht mehr ernst nimmt. ;-)