Review

Wenn fünf ansehnliche Frauen eher knapp bekleidet durch eine ziemlich verlassene Landschaft latschen, weiß der Horrorfreund ohne Wissen des eigentlichen Inhalts was passieren könnte: Entweder sie steigen in eine Höhle hinab und werden von mutierten Kreaturen verfolgt oder es tauchen raubeinige Typen auf und legen die Damen in Ketten.
Letzteres geschieht dann auch, jedoch ohne die notwendige Beleuchtung, womit sich mindestens die Hälfte des Geschehens in der Dunkelheit verliert.

Es sollte ein spaßiger Ausflug für die fünf jungen Damen um Kate werden, welche beim Einsatz in Afghanistan ihren Freund verlor und seither reichlich neben der Spur ist.
Beim Marsch durch die Natur trifft man auf drei flirtende Kletterer und bereitet sich für das Nachtlager vor, als eine der Freundinnen spurlos verschwindet…

Der Einstieg könnte kaum klassischer ausfallen, denn da rennt eine Frau atemlos durch den Wald, bis sie auf ein Camper-Paar trifft, welches kurz darauf ebenfalls die Flucht ergreift. Von der Bedrohung ist noch nichts zu sehen und insofern weiß man eine halbe Stunde später noch nicht, wer oder was unsere potentiellen Opfer erwartet.
Leider wird die Zeit nicht sonderlich effektiv genutzt, die Figuren werden recht oberflächlich in Szene gesetzt, lediglich Kate erhält ein wenig emotionalen Background.

Als die Hatz dann endlich losgeht, ist mittlerweile die Nacht angebrochen und da hat Debütant Rupert Bryan offenbar vergessen, kleine Scheinwerfer mitzubringen, denn passagenweise fällt es schwer, das Geschehen im Detail zu verfolgen.
Zwar geht das Pacing in Ordnung, doch auch in Sachen expliziter Gewalt hält sich das Treiben bis auf eine abgetrennte Hand, einen Stich in die Brust und einen gebrochenen Unterarm stark zurück. Zwar kommt es zu Ansätzen von Vergewaltigungen, doch da fällt die Wortwahl der Peiniger weitaus deftiger aus, als die eigentliche Tat, wobei das Sujet ohnehin an eine Mischung aus „I spit on your grave“ und „The Last House on the Left“ erinnert, - allerdings ohne deren bedrückende Niedertracht effektiv auf den Punkt zu bringen.

Was letztlich positiv auffällt, sind die teilweise malerischen Landschaften mit kleinen Wasserfällen, einigen Felsen und urigen Waldwegen, welche die Kamera ab und an recht wirkungsvoll einfängt.
Dagegen kommen die ansehnlichen Gesichter der Darstellerinnen leider nicht im Geringsten an, einige wirken recht steif, andere etwas orientierungslos, aber auch die Peiniger können nur bedingt überzeugen.

Auch wenn zum Showdown der eine oder andere Twist hinzukommt und einige Auseinandersetzungen ordentlich Drive einbinden, kann „The Hike“ insgesamt nur leidlich überzeugen. Es mangelt an Innovationen, glaubhaften Mimen und abwechslungsreichen Ableben, zudem verliert man bei den nächtlichen Temposzenen rasch den Überblick.
Der Streifen bietet weder einen ausgefeilten Slasher, noch mutige Exploitation, - er strandet irgendwo dazwischen, nur der frauenfeindliche Unterton bleibt an ihm bis zuletzt haften, was im Zuge des letzten Drittels eine zusätzlich verpasste Chance darstellt.
Knapp
4 von 10

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