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"Wir sind eine Einheit. Und die hält immer zusammen."

Eine Einheit aus neun Soldaten zu denen unter anderem Ponce (Juan Pablo Barragan), Cortez (Alejandro Aguilar) und der kommandierende Teniente (Mauricio Navas) gehören, hat den Auftrag, einen abgelegenen Armee-Stützpunkt im hügeligen kolumbianischen Hinterland zu sondieren. Nachdem die Funkverbindung dorthin unterbrochen wurde, ist Unklar, ob sich technische Gründe dahinter verbergen oder Untergrundkämpfer den Posten eingenommen haben. Die Einheit pirscht vorsichtig vor, findet vor Ort Blutspuren und die Überreste der getöteten Kameraden. In einem Raum entdecken sie eine Frau, die in die Wände des Stützpunktes eingemauert wurde. Amulette und weitere okkulte Symbole ignorierend, befreien sie die Frau, die nur unverständliche Laute von sich gibt. Als sie einen der Soldaten tötet, flüchtet und sich Hinweise auf eine Hexe verdichten, macht sich unter den verbleibenden Personen der Einheit Paranoia breit.

Mit langem Vorgeplänkel hält sich "The Squad" nicht auf. Schnörkellos geht es sofort in die Reihen des Erkundungszuges, wo verhärmte, konzentriert und verbissen dreinblickende Soldaten mit Sympathie, Interesse oder Skepsis betrachtet werden können. Erste Dialoge dienen dann auch nicht einer Charakterisierung von Einzelpersonen, sondern bestehen eher aus gepressten oder gebrüllten Befehlen, die die Hackordnung und Gruppendynamik der Einheit andeutet. Nur langsam schälen sich Namen, Gesichter und Beziehungen unter den Männern heraus, letzlich bleibt jeder aber nur ein Gesicht unter vielen.

"The Squad" hält inhaltlich als auch inszenatorisch vieles in der Schwebe. Die Geschichte lässt einiges offen, hangelt von einer Situation zur nächsten und lässt dazwischen sehr viel unausgefüllten Raum. Dadurch entstehen enorme erzählerische Längen. Selbst die Momente die wirklich Spannung erzeugen sind somit in ihrer Wirkung abgeschwächt. Von den sehr generischen Charakteren bleibt keiner hängen, ein Ableben dieser wird somit kaum wahrgenommen.
Die wenigen Schreckeffekte wecken zwar wieder auf, sind aber dennoch vorhersehbar. Dramaturgisch gelingen "The Squad" nur die Einzelszenen, die zusammen gesehen kein Bild ergeben.

Einfach und offensichtlich ist "The Squad" nicht. Macht man den Fehler ein unterhaltsames Stück Horror der schnellen und harten Sorte zu erwarten, wird man schnell frustriert sein. Weder mit blutigen Schockmomenten noch plakativen Actionszenen hält sich der Film auf und verwendet stattdessen viel Zeit darauf, die bedrückende Stimmung der Ungewissheit, verbunden mit einem Gefühl völliger Desorientierung herauf zu beschwören.
Die Angst und Paranoia wird dem Publikum vor allem durch eine bedrohlich minimalistisch gehaltene Soundcollage sowie farblich entsättigten Bildern vermittelt. Weniger durch den Zerfall der Protagonisten oder die ständige, unbekannte Gefahr. Vor allem durch letzteres stellt sich "The Squad" ein Bein. Denn weder hat die unbekannte Komponente einen tieferen Sinn, noch wird sie aufgelöst.

Die Darsteller sind sichtbar bemüht, schaffen es jedoch nicht, ihren eindimensionalen Charakteren etwas mitzugeben.

Regiedebütant Jaime Osorio Marquez hat sich bei "The Squad" an einer Art Kammerspiel-Horror versucht. Die begrenzte Zahl der Figuren und der abgeschlossene Schauplatz verringern zwar die Möglichkeiten, sich in verzweigten Handlungsteilen zu verlieren, aber die Anforderungen an die Inszenierungskunst steigen. Die Atmosphäre ist zwar sehr dicht, jedoch sorgen Schwächen auf allen Ebenen der Erzählung dafür, dass die Zerfallserscheinungen innerhalb der Truppe einen abstrakten Charakter bekommen und nicht greifbar werden. In Kombination mit einer unsichtbaren Bedrohung, der nie wirklich eine Bedeutung zugeschrieben wird, ergibt sich viel Leerlauf, was die Spannung zum erliegen bringt. Sehr schade, denn das psychologisch angehauchte Horrordrama hat viel Potential.

3 / 10

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