Und weiter mit Found Footage und paranormalen Erscheinungen, weil es im Allgemeinen wenig Budget verschlingt und mit vergleichsweise simplen Mitteln zu realisieren ist.
Erstaunlicherweise ziehen die Spanier in diesem Falle nach, obgleich sie mit Genrefilmen wie "REC" binnen kurzer Zeit amerikanische Neuverfilmungen zutage förderten, lautet der Inhalt nunmehr: "Paranormal Activity" trifft auf "Der Exorzist".
Die Familie White, Vater Alan (Kai Lennox), Teeny-Tochter Caitlin (Gia Mantegna) und der vierjährige Benny ziehen nach dem Tod der Frau/Mutter ins titelgebende Apartment, wo sich soeben ein dreiköpfiges Team von Parapsychologen unter der Leitung von Dr. Helzer (Michael O'Keefe) eingefunden hat. Doch kaum haben die Spezialisten ihre Apparaturen und Kameras aufgestellt, geht der Spuk auch schon los...
Natürlich fühlt man sich unweigerlich an "Paranormal Activity" erinnert, als die Überwachungskameras in sämtlichen Räumen positioniert werden und zwei Crewmitglieder mit Handkameras alles mitfilmen, was in der Wohnung vor sich geht.
Während einiger Szenen ist das Bildmaterial zwar reichlich unscharf und arg verpixelt, doch immerhin gibt es nur selten ruckartige Schwenks, wodurch dem Zuschauer Kopfschmerzen infolge unruhiger Optik erspart bleiben.
Was bei den Figuren sogleich auffällt, ist die tiefe Kluft zwischen Vater und Tochter. Letztgenannte kapselt sich völlig ab, ist zwar in prekären Situationen sogleich für ihren jüngeren Bruder da, doch offenbar gibt Caitlin ihrem Dad die Schuld am Tod ihrer Mutter.
Indes kümmert sich das Team der Parapsychologen rührend um den kleinen Benny und erklärt ihm teilweise kindgerecht einige Spezialgeräte, was zufolge hat, dass auch ein eher unbedarfter Betrachter einen kleinen Einblick in technische Abläufe erhält. Allerdings muss man nicht unbedingt verstehen, was eine phantasmogenetische Erscheinung ist, zumal es die Wissenschaftler selbst nicht so ganz schlüssig zu erläutern wissen.
Das übersinnliche Treiben lässt derweil nicht lange auf sich warten, denn nach weniger als zehn Minuten ist ein erstes Pochen zu vernehmen, es folgen umgedrehte Bilder, wie durch Geisterhand bewegte Teekessel und Bewegungen im Schlafzimmer der Kinder.
Später wird noch ein Medium hinzu gerufen und spätestens ab da wird es teilweise ordentlich creepy. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang eine Definition für einen Poltergeist, da Dr. Helzer scheinbar Übersinnliches immer mit rationalen Argumenten zu erklären versucht.
Was vergleichsweise harmlos beginnt, - ein Telefon klingelt und niemand ist dran, die Türklingel schrillt und keiner ist an der Wohnungstür, steigert sich Schritt für Schritt zu einem kleinen Inferno Richtung Finale. Leider fällt dieses ein wenig zu kurz aus und auch die Nachträge wirken ein wenig konstruiert, doch demgegenüber gibt es einen entscheidenden Dialog zwischen Dr. Helzer und Alan White, der ziemlich genaue Bilder im Kopf des Zuschauers entstehen lässt, obgleich man währenddessen lediglich die Gesichter der Gesprächsteilnehmer sieht.
Natürlich erinnert eine Szene mit einer rücklings über dem Bett schwebenden Person an Friedkins Klassiker und der sehr spärlich eingesetzte Score ist eher unnütz, da es beim gefundenen Filmmaterial eigentlich gar keinen geben dürfte, doch auf atmosphärischer Ebene punkten relativ viele Momente, während sämtliche Mimen recht authentisch performen.
Die wenigen Effekte überzeugen ebenfalls durch die Bank, lediglich der Showdown hätte ein wenig ausladender ausfallen dürfen, zumal sich die Pointe angenehm von den üblichen Möglichkeiten abhebt.
Schade, dass die obligatorische Schlusseinstellung in den letzten Sekunden die vorherigen Erklärungen ad absurdum führt, denn ansonsten sitzen die wenigen Schockmomente genauso wie die vorgetragenen Hintergründe der Geschichte.
Wer also die Reihe um "Paranormal Activity" mag, sollte dem Langfilmdebüt des Spaniers Carles Torrens definitiv eine Chance geben, denn die gerade einmal 79 Minuten gestalten sich kurzweilig und gleichermaßen spannend.
7 von 10