Die hierzulande wohl bekanntesten Märchenonkels, Jacob und Wilhelm Grimm würden hinsichtlich einiger Verfilmungen ihre eigenen Stoffe kaum wieder erkennen. Zwar weicht auch die Umsetzung von 1973 „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ von der literarischen Vorlage ab, aber im Gegensatz zu vorliegender verströmt sie zumindest märchenhafte Magie.
Aschenputtel (Aylin Tezel) lebt bei ihrer Stiefmutter (Barbara Auer) und deren Tochter (Pheline Roggan) und muss hart arbeiten und wird ständig schikaniert. Als sie im Wald auf einen vermeintlichen Jäger (Florian Bartholomäi) trifft, ahnt sie noch nicht, es mit einem Prinzen zu tun zu haben, der auf Geheiß seines Vaters (Harald Krassnitzer) per Tanzball auf Brautschau gehen soll…
Die fantastischen Elemente bei diesem grimmschen Märchen halten sich doch sehr in Grenzen, denn im Grunde gibt es nur einen magischen Grabbaum, durch den Aschenputtel erst einen Kamm, später das Ballkleid erhält und die helfenden Tauben, die Linsen und Bohnen sortieren. Obgleich solide in Szene gesetzt und ordentlich dressiert, hat es diesbezüglich nicht für ein detailliertes „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“ gereicht.
Die storytechnischen Veränderungen, - Aschenputtel trifft im Wald zweimal auf den Jäger, während sie sich töffelig anstellt, unterstreichen recht sympathisch den Kern der Geschichte, welcher ja eigentlich eine Liebesgeschichte wie „Pretty Woman“ vorwegnimmt.
Auch die Demütigungen von Stiefmutter und Anhang verfehlen nicht ihre Wirkung, sie schießen nie übers Ziel hinaus und bleiben damit kindgerecht. Was aber mehrfach bitter aufstößt, ist die Dialogregie, welche Sätze wie „O.K., lass ma los“, zulässt. Moderne Umgangssprache sollte in einem klassischen Märchen vermieden werden, ansonsten könnte man die Chose gleich „Asch ’n’ Puttel“ nennen.
Was man Regisseur Uwe Janson ebenfalls ein wenig ankreiden kann, ist die schwache Ausschöpfung der eigentlich starken Kulissen. Das Freilichtmuseum in Detmold bietet beileibe mehr als nur zwei, drei Bauernhöfe und auch die Externsteine ein paar Kilometer weiter bestehen nicht nur aus zwei kleinen Gesteinen. Immerhin kommt das Wasserschloss Burg Anholt einigermaßen zur Geltung, die Kostüme und sonstigen Requisiten gehen in Ordnung und die wenigen CGI fallen nicht zu aufdringlich aus.
Auf darstellerischer Ebene holt Aylin Tezel als Titelgebende immerhin noch einiges heraus, denn ihr Lachen strahlt etwas Warmherziges aus, während das neckische Spiel mit dem bis dato unbekanntem Jüngling im Wald sympathisch rüberkommt. Aber auch Barbara Auer gibt eine überzeugend garstige Stiefmutter ab, während Krassnitzer routiniert den gut gelaunten König gibt.
Eine Umsetzung von Aschenputtel benötigt einen vergleichsweise geringen Aufwand, um ein wenig Magie zu erzeugen und da reichen solide Mimen und ein passabler Score allein nicht aus. Werden in einem Moment kleine Sympathien geschürt, sind diese im nächsten durch flapsige Äußerungen wie „nicht wirklich“ oder „joa, okay!“ sogleich zunichte gemacht.
Passable Ansätze, aber der märchenhafte Funke springt nicht über.
4 von 10