Review

Dieser Film gehört im Genre der Mondo-Filme zur Unterklasse der reinen Erotik-Mondos. Eine Spezies die nicht allzuviele Liebhaber haben dürfte.“Mondo erotico” spielt also in der gleichen, nicht sehr anspruchsvollen Liga wie “Das ist Amerika” oder “Shocking Asia” (die ich beide um einiges besser finde, nebenbei bemerkt). Aber es ist wohl klar, daß jemand der solche Filme prinzipiell öde findet, nicht viel zur Bewertung des Films beitragen kann, genausowenig wie ein Western-Muffel (also ich) jetzt hergehen wird und alle Western mit der minimalen Punkteanzahl zu bewerten. Außerdem gilt es beim Betrachten zwei weitere Gesichtspunkte zu berücksichtigen: manches was uns heute ein Gähnen hervorruft, konnte in den Siebziger Jahren noch als Attraktion gelten. Und umgekehrt können uns Filme aus dieser Zeit natürlich über diese Zeit belehren und unterhalten.
Dieser Film konzentriert sich auf Aufnahmen aus Nachtklubs und ähnlichen Etablissments der ersten Blütezeit der modernen Sexindustrie. Das Material stammt offensichtlich größtenteils (oder vollständig) aus dem Archiv. Ein paar Szenen sind aus anderen Filmen bekannt. Ob es sich um Dokumentaraufnahmen oder gestellte Szenen handelt, spielt hingegen für mich keine Rolle. Was ist schon groß der Unterschied zwischen einem “echten” und einem “gespielten” Striptease ? Eben! Von den Szenen sind einige erotisch durchaus anregend, leider aber viele auch völlig überflüßig, z.B. das Nacktrollschuhlaufen oder das Herumspielen mit einem Hund auf der Bühne, ohne daß es zu irgendeiner als sexuell zu bezeichnenden Handlung käme. Der “Sexualkundeunterricht” durch eine Unten-ohne-Lehrerin über den Gebrauch von Sexpuppen und Dildos ist völliger Trash mit einem gewissen Unterhaltugnswert. Die Szene mit der Wahl des “Miss Busens” kennen wir aus “Das Schiff der gefangenen Frauen”, wo sie im übrigen keinerlei Verbindung zum Rest des Films hat.Ganz gut gefällt mir z.B. das Nacktwrestling einer Dame mit einem “Supermännchen” (!). Solche Szenen finde ich lustig, andere finden das vielleicht nicht. Es ist übrigens zu bemerken, daß es sich zumindest zweimal um echten Sex, also Hardcore handelt, wenn dieser auch nicht sehr deutlich zu sehen ist. (Ich habe vermutlich die ungeschnittene italienische Fassung auf einer amerikanischen Bootleg-DVD.)
Da es sich fast nur um Archivaufnahmen handelt, kann die Inszenierung der Szenen nicht wirklich beurteilt werden, sie haben das typische Nachtklub-Embiente Mitte der Siebzigerjahre. Recyclet wird auch Musik aus anderen D´Amato-Streifen, so die einprägsame Titelmelodie von “Im Foltergarten der Sinnlichkeit”.
Durch die Szenen führt Laura Gemser, die sich einigemale aus- und umzieht, oder nackt moderiert. Sie ist natürlich bezaubernd wie immer - und für extreme Gemser-Fans (wie mich) ist der Film insofern bemerkenswert als er wohl den längsten Text aus ihrem Mund enthält, da - anders als zumeist behauptet - sie nicht nur zwischen den Szenen auftritt, sondern diese auch durchgängig kommentiert. Ob dieser Kommentar irgendwie ironisch, witzig oder geistvoll ist, kann ich nicht beurteilen, da meine Italienischkenntnisse dazu nicht ausreichen (immerhin kann ich feststellen daß oftmals das Gesehene nur nochmals beschrieben wird). Aber ein solcher Kommentar kann viel ausmachen und zwischen Fadesse und guter Unterhaltung den Ausschlag geben. Daran seien alle erinnert die vielleicht die deutsche - vermutlich as usual unerträgliche - Synchro kennen. Aber D´Amato hätte sich sicher mehr bemühen können, und die Kommentatorin wenigstens inmitten des Nachtlebens zeigen können, wie sie die Orte des Vergnügens betritt, oder ähnliches. (Andererseits wenn ich an seine Schwierigkeiten mit Nachtszenen denke...)
Das Hauptproblem des Films, wie der meisten Mondo-Filme ist die Länge. Dreißig (besser: fünfzehn) Minuten Vorprogramm sind das längste was ich ihm zubilligen würde. In solchen Happen läßt er sich durchaus als Dokument der - und über die - Siebziger-Sexwelle zum Ansehen rechtfertigen. Mehr als drei Punkte wage ich aber nicht zu vergeben.

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