Review

Direct-To-Video-Güteklasse A

„American Dragons“ gab es lange Zeit in Deutschland soweit ich weiß nicht legal zu sehen bzw. nur als Import, und selbst dann meist in miserabler Bildquali. Nun kann man sich diesen recht düster-dreckigen NYC-Actioner mit einigen bekannten Asia-Gesichtern hochaufgelöst in voller Pracht auf MGM+ anschauen - und wird als Fan solcher 90s-Videotheken-Auswüchse (nur bekam „American Dragons“ nichtmal eine Videokassette damals hierzulande spendiert!) sicher für knapp 90 schön ungeschliffene Minuten gut unterhalten. Nicht zu viel Action, Schauplätze oder Budget erwarten - dann klappt's auch mit Michael Biehn als Nachbar! Erzählt wird von einem toughen New Yorker Polizist, der zur Untersuchung an einem Yakuzamord einen koreanischen Ermittler eingeflogen und zur Seite gestellt bekommt, mit dem er sich erstmal arrangieren und eingrooven muss, um den gewalttätigen Fall samt verschwiegener Gangster zu lösen…

Black Rains kleiner Bruder?

Ein bisschen Ridley Scott, ein bisschen Abel Ferrara, ein bisschen Scorsese, ein bisschen Buddy-Cop-Comedy, dann aber doch meist sehr ernst, überstilisiert und rau. „American Dragons“ ist feinstes, abgefucktes NYC-Polizeikino für die heimische Flimmerkiste, hinter dem heutige, drölfzehnmal so teure Actionfilme aus dem Kino aber mal ganz brav auf die Knie gehen können! Yakuza, der Dreck des Big Apple, Biehn endlich mal wieder mit einer gelungenen Hauptrolle. Starke Kontraste, blutige Gewaltausbrüche, Culture Clash. Eine Bowlingbahn wird zur Schlachtplatte. Schöne Farbpaletten, tolle Bildmotive. Ein Score, der unter die Haut geht irgendwo zwischen Vangelis und Tangerine Dream. Das klingt klasse, die Laufzeit ist positiv begrenzt, die Zeit wird aber top für Figurenzeichnungen und -entwicklungen genutzt. Man fiebert mit dem ungleichen Duo durchaus mit. Der Mittelteil ist etwas dialoglastig und spannungsarm. Aber das Finale entschädigt. Das erwartet man nicht unbedingt von einer fast vergessenen Perle aus den MGM-Tresoren, an die lange Zeit hierzulande gar keiner dran kam, selbst wenn er gewollt hätte. „American Dragons“ kann sich endlich sehen lassen! Und der Cliffhanger am Ende ist unter diesen Umständen megagemein…

„Rush Hour“-Gegenentwurf

Fazit: solider, straighter und nahezu blödeleiloser (!) Buddy-Actioner mit dem man an einem lauwarmen Sommerfreitagabend '99 in seiner Stammvideothek genauso wenig falsch gemacht hätte wie heutzutage als Streaming-Kleinod! Besonders der geniale Score spielt weit über seiner eigentlichen Liga. 

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