Ohne zu viel über die Story zu verraten, lässt sich schon zu Beginn konstatieren, dass die größte Überraschung, die "Ghost Rider: Spirit of Vengeance" zu bieten hat, die Entstehung des Films selbst ist. Knapp fünf Jahre nach dem ersten Versuch, den schwer zugänglichen Helden in der allgemeinen Hollywood-Comic-Verfilmungswut zu vermarkten, kommt tatsächlich so etwas wie ein Sequel in die Kinos. Das nach einer so langen Spanne kaum von einer echten Fortsetzung gesprochen werden kann, ist dann schon weniger überraschend, denn außer der Hauptfigur und seinem Darsteller Nicholas Cage ist nichts mehr von der Entstehungsgeschichte der finsteren Figur übrig geblieben.
Der neue "Ghost Rider" versetzt deshalb konsequent seine Handlung nach Osteuropa, denn hier kann man noch dem Klischee einer weiten, kargen Landschaft frönen, in der es zwar von Schwerverbrechern mit finsteren Gesichtern nur so wimmelt, Gesetzeshüter aber nur spärlich vorhanden sind. Während sich inmitten der Steppe und Felsen alte Burgen, Klöster und antike Tempelanlagen verbergen und die neueste Waffentechnik zur selbstverständlichen Ausstattung gehört, beleidigt kein Grün das Auge - eine gesunde Flora und Fauna scheint an diesem Ort nicht zu existieren. Denn in dieser Welt aus nächtlicher Dunkelheit, Stahl und Feuer herrscht der Teufel, der diesmal in der Gestalt von Ciarán Hinds ausgerechnet gegen sein eigenes Geschöpf antritt, den "Ghost Rider".
Nun lässt sich aus dem Kampf zwischen Gut und Böse bekanntlich einiges machen, aber diesen Kampf verliert der Film schon in seiner Hauptfigur, in der sich beides vereinigen soll. In einer kurzen animierten Rückblende erwähnt der Film nochmal die Vorgeschichte, in der Johnny Blaze (Nicholas Cage) seine Seele an den Teufel verkaufte, was ihn dazu verdammt hat, situationsbedingt als Ghost Rider sein Dasein zu fristen. Wie es ihn samt Motorrad aus der beschaulichen amerikanischen Provinz ins wilde Osteuropa verschlagen hat, wirkt nicht ganz schlüssig - vielleicht suchte er nur einen Ort, der seinem inneren Empfinden äußerlich entspricht.
Doch diese Gefühlszerrissenheit kann Cage nur mit wilden Grimassen transportieren, die die ständige Gefahr verdeutlichen soll, die angeblich von ihm auch in bürgerlicher Gestalt ausgeht - überzeugend ist das angesichts seines Hundeblicks allerdings nicht. Dagegen ist die Mimik des Schädels in seiner Ghost Rider Gestalt deutlich prägnanter. Auch die Anleihen an "Terminator 2" gelingen nur halbherzig - wieder muss eine zwiespältige, bedrohliche Figur einem halbwüchsigen Jungen beistehen, die von einem überlegenen Feind bedroht wird. Fergus Riordan spielt den Danny in einer ähnlichen Mischung aus selbstbewusster Respektlosigkeit vor dem gruseligen Zeitgenossen, während seine Mutter Nadja (Violante Placido) auch mit vollem Einsatz um ihren Jungen kämpft, allerdings ohne dabei jemals optische Einbussen zu erfahren.
Die kurzen Szenen, in denen Cage dem Jungen die Frage beantwortet, wie man als "Ghost Rider" pinkelt und in denen er Kunststücke auf dem Motorrad veranstaltet, sollen der Story auch etwas Humor verleihen, aber dieser blitzt nur in seltenen Momenten auf, wenn etwa beispielhaft Personen ins Bild gerückt werden, in deren Gestalt der Teufel auf der Erde wandelt. Trotzdem bleibt der Humor die einzige Möglichkeit, sich dem Film zu nähern, denn einer kritischen Auseinandersetzung, hinsichtlich der im dramatischen Aufbau vorhersehbaren Story und der Differenzierung von Charakteren, hielte "Ghost Rider 2" nicht stand.
Wer davor die Augen schließen kann und sich an der feurigen Action des überzeugend animierten Gerippes auf seinem coolen Motorrad erfreuen kann, dass seine Ketten hier dreidimensional rasseln lassen darf - eine eher dem Geschäft als der Optik zuträgliche Maßnahme - wird aber auf seine Kosten kommen (4/10).