Bei diesem Streifen fallen bereits zwei Aspekte im Vorfeld auf, denn einerseits will sich Daniel Radcliffe möglichst rasch von seinem Harry Potter Image lösen und andererseits wollen die Hammer Film Productions wieder zurück zu ihren Wurzeln des viktorianisch angehauchten Gruslers. Doch beide Anstrengungen verkommen am Ende zu einer eher halbherzigen Angelegenheit.
England um 1915: Der junge Anwalt Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) muss außerhalb von London einen Nachlass im abgelegenen Eel Marsh House ausfindig machen und stößt bereits bei der Ankunft auf verängstigte Dorfbewohner, die nichts mit der Villa zu tun haben wollen. Es gehen Geschichten um, dass die Frau in Schwarz für den Tod einiger Kinder im Dorf verantwortlich sei und schon bald wird auch Kipps mit einigen übersinnlichen Erscheinungen konfrontiert…
Es ist die zweite Regiearbeit von James Watkins, der mit „Eden Lake“ ein beeindruckendes Debüt hinlegte. Hier konzentriert er sich voll auf die Atmosphäre seines Interieurs, was anfänglich für eine dichte Gruselstimmung sorgt. Der vom Wasser umgebene Anfahrtsweg zum Haus, welches während der Flut nicht verlassen werden kann, die finster und teilweise ängstlich dreinblickenden Dorfbewohner und mittendrin ein bleicher Kipps, der den Tod seiner Frau bei der Geburt seines Sohnes vor vier Jahren noch nicht überwunden hat.
Auch die Einrichtung der Villa offenbart Detailverliebtheit und den Sinn für klassische Gruselelemente, doch leider wirken diese spätestens zur Hälfte der Erzählung vollends erschöpft.
Das liegt zum einen daran, dass Radcliffe lange Zeit mit relativ wenig Ausdruck und einer schwachen Charakterzeichnung durch die Räumlichkeiten latscht und nicht sonderlich viel passiert und zum anderen, dass die simple Geschichte ebenso lange keinen roten Faden aufnimmt und sich zunächst an seiner zugegeben recht stilvollen Ausstattung ergötzt, um erst im letzten Drittel aufzugreifen, was die zahlreichen Hinweise bereits vermuten ließen: Ein ruchloser Rachegeist, der auch Unschuldige heimsucht und selbst bei Versuchen des Einlenkens nicht vom tödlichen Weg abzubringen ist.
Obgleich Watkins versucht, sich der Tradition des klassisch angehauchten Gruselfilms zu nähern, wirkt seine Umsetzung im Gesamtpaket doch ein wenig zu altbacken und vorhersehbar. Hier ein huschender Schatten, dort eine Gestalt beim Blick aus dem Fenster, plötzlicher Krach innerhalb der Stille, ein scheinbar sich von selbst bewegender Schaukelstuhl und einige Fratzen, die gegen Ende auch schrille Schreie ausstoßen, - darin ist nichts Innovatives zu entdecken und auch die Schockmomente verpuffen aufgrund ihres mangelnden Timings und der allgemeinen Erahnbarkeit der Geschichte. Lediglich der Ausgang hebt sich ein wenig vom Einheitsbrei gängiger Geschichten über Rachegeister ab, liefert jedoch gleichermaßen einige Logiklöcher gegenüber Vorausgegangenem.
Stimmen im Nebel, undefinierbare Geräusche aus Nebenzimmern, mechanische Puppen mit Eigenleben und die Vision einer sich erhängenden Frau, - das klingt für Freunde des klassischen, ruhig erzählten Gruselfilms, weitab von Folter und einer Radau-Inszenierung zunächst äußerst angenehm und vertraut, doch in diesem Fall mangelt es der Geschichte an Innovationen, einem in sich vollständig schlüssigen Hintergrund und einer latent packenden Atmosphäre.
Radcliffe kann zwar sein altes Image abwerfen, doch ein ausdrucksstarker Darsteller wird er hierdurch noch nicht und die Hammer Studios versuchen offenbar eher den Geist damaliger Werke einzufangen, als mit kreativen Ideen eine breite Masse an Horrorfans zu erreichen.
Handwerklich ordentlich, phasenweise auch stimmungsvoll, bleibt die kaum spannend umgesetzte Geschichte auf halber Strecke stecken, um überhaupt längerfristig im Gedächtnis des Betrachters zu haften.
Da waren die Erwartungen leider deutlich höher als das tatsächliche Endprodukt,
5,5 von 10