Meine Erwartungen waren immens: griechische Mythologie, "300"-Stil, ein Regisseur, dem ein Ruf als brillanter Visualist vorauseilt, dazu der nur mittelprächtige "Kampf der Titanen", der die Hoffnung auf einen wirklich gelungenen Genre-Vertreter zusätzlich schürte - ich WOLLTE diesen Film lieben ...
Kurzum; meine Erwartungen wurden zu einem grossen Teil erfüllt, doch lieben kann ich den Film nicht (jedenfalls nicht nach einmal Sehen..)
Dafür dauert es zu lange, bis er in Fahrt kommt. Hat er zu viel inhaltlichen Leerlauf. Und einfach zu wenig zu bieten, was man, auch abseits von Action/Bildgewalt, als "grosses Kino" bezeichnen könnte ... schade!
Doch zum Positiven: Visuell ist das, wie vom Regisseur zu erwarten war, tatsächlich sehr gelungen - ein verfilmtes Renaissance-Bild, ein ausufernder Metzel-Reigen, ein opulentes Schlachtengemälde, in das man eintauchen und lange verweilen kann (3D ist aber überflüssig..)
Alleine die Einleitung, in der man die gefangenen Titanen(-Barbaren) auf engem Raum an den Zähnen (!) Reih an Reih angekettet sieht und das Bild danach in die Totale einer riesigen Höhle mit massiven Atlas-Figuren übergeht, liess mein Herz vor Freude hüpfen ... und gerade durch diese optischen Qualitäten halte ich hier auch das (Über-)Thema "Götter" und "Titanen" für angemessen umgesetzt (in "Kampf der Titanen" kamen Titelgebende ja nicht einmal vor..) Im Übrigen haben das aus der Theseus-Sage bekannte Labyrinth und der Minotaurus zwar auch ihren Auftritt, aber nicht als Höhepunkt, sondern zwischendurch und eher halbherzig abgehandelt ...
Zudem macht der Film abermals richtig, was schon bei "300" funktioniert hat: ästhetisch und überbordend inszenierte Action mit viel Zeitlupe (die Verwandtschaft der beiden Filme wird hier besonders deutlich..) und, vor allem, er legt in Sachen Brutalität (wenn auch stilistisch überhöht, wodurch "konsumierbarer") und Kitsch/Trash im Vergleich zum durchschnittlichen Hollywood-Output noch eine Schippe drauf, sodass sich auch beim abgestumpften Zuschauer noch eine besondere, diffuse Mischung aus Nervenkitzel und Vorfreude durch den Film ziehen sollte, die er (ich) bei den meisten Streifen eben nicht (mehr) hat ... und lässt man sich darauf ein, so wirkt dann etwa auch der Helm von Rourke's Hyperion, mit dem er aussieht wie ein Osterhase, absolut stimmig, weil es einfach in diese verrückte Welt passt ..!
Rourke ist mittlerweile in einem (Spät-)Stadium seiner Karriere angelangt, in der er durch blosse (Körpermasse-)Präsenz und etwas Genuschel solche Rollen im Schlaf spielt und dabei immer charismatisch wirkt. So kann der noch ein paar Jahre locker absahnen, der Glückliche ...
Hauptdarsteller Cavill dagegen hat zwar ein angemessen windschnittiges Heroen-Profil und sagt seine (Pathos-)Texte ohne Einladung zur Fremdscham auf, kommt aber auch nicht wie der nächste Superstar rüber, als der er vor allem durch seine Hauptrolle im kommenden "Superman"-Reboot gesehen wird.
Fazit: Leider, leider auch nicht das erhoffte Meisterwerk, dafür inhaltlich einfach zu schwach, doch dafür mit denselben Qualitäten wie "300": visuell beeindruckend, actionreich, brutal, trashig - und für Fans der griechischen Mythologie auf jeden Fall ein Muss!