Review

Von einem überwältigenden Hass auf die Götter getrieben überzieht der grenzwahnsinnige König Hyperion das antike Griechenland mit dem Terror seiner Gefolgsleute, um so den sagenumwobenen Epirus-Bogen zu finden, mit dem er die im Inneren des Berges Tartarus gefangenen Titanen aus ihrem Gefängnis befreien könnte. Gottvater Zeus, der genau das zu verhindern sucht, sich jedoch nicht in die Belange der Menschen einmischen darf, erwählt den mutigen Bauer Theseus, der das Volk gegen Hyperion und seine Armeen anführen soll. Da Hyperion bereits Theseus‘ Mutter Aethra auf dem Gewissen hat, ist dieser nur allzu gerne bereit, gegen den Tyrannen ins Feld zu ziehen. Zuvor gilt es allerdings, das jungfräuliche Orakel Phaedra, deren Visionen das Versteck des Epirus-Bogens preisgeben könnten, vor Hyperions Zugriff zu beschützen... Dem überstilisierten Schlachten-Epos "300" sowie dem modern aufgebauschten Remake des ’81er-Harryhausen-Trashs "Kampf der Titanen", beide inhaltlich ebenso dürftig wie erfolgreich an der Kinokasse, ist es sicherlich zu verdanken, dass Hollywood die Lunte gerochen und die althergebrachten Sandalen- und Fantasy-Stoffe wieder für sich entdeckt hat. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass "Krieg der Götter" wirklich haargenau in der Manier der beiden genannten Filme daherkommt (und übrigens wie schon das "Kampf der Titanen"-Remake für seinen Kino-Einsatz ebenfalls nachträglich in die dritte Dimension konvertiert wurde)... und demzufolge die griechische Mythologie einer satten Radikal-Kur unterzieht und ganz schön verfälscht auf die Leinwand bringt. Doch jetzt mal ehrlich, hat wirklich irgendjemand etwas anderes erwartet? Unter der Regie von Tarsem Singh, der die Sache wiederum so angegangen ist wie schon sein Serienkiller-Psychothriller-Konglomerat "The Cell" und es sich deshalb erneut nicht hat nehmen lassen, eine bestenfalls als zweckdienlich zu bezeichnende Handlung in eine wirklich berauschende Optik zu kleiden, ist aus "Krieg der Götter" folglich keine authentische Verfilmung der Geschichte von Theseus geworden (obwohl es hier natürlich auch eine Minotaurus-Episode gibt), sondern etwas ganz anderes: nämlich ein Hochglanz-Splatterfilm, der sich in wuchtigen Blut-Einlagen, gewalttätigen Schlacht-Szenen und kruden Sadismen ergeht. Da werden Köpfe zerschmettert und Körper in ihre Einzelteile zerlegt, es gibt Verstümmelungen, Enthauptungen und ein wenig Folter ist auch noch drin. Die ganz nonchalant präsentierten Brutalitäten (FSK 16...? Na, danke auch...) erinnern mithin an jene Gewalt-Exzesse, mit denen Paul Verhoeven in "RoboCop - Das Gesetz in der Zukunft" und "Die Totale Erinnerung - Total Recall" ein US-Publikum geschockt hat... und machen "Krieg der Götter" somit ganz überraschend zu einem heißen Tipp für alle Gore-Bauern, der sich folglich auch nicht über die dünne Storyline (die ist in der Tat zum gähnen), sondern schlicht und ergreifend über die schiere Wucht seiner Bilder definiert. Was die visuelle Gestaltung anbelangt, konnte sich Tarsem Singh dank Green-Screen-Hintergründen und eines wahren Bombardements superber CGI-Effekte auch so richtig austoben und die Schlachtplatte formal weit über jenes B-Movie-Niveau hieven, das ihr im Grunde genommen wohl eher zustünde. Vom Inhalt geht es in "Krieg der Götter" nämlich nicht viel anders zu, als in einem x-beliebigen, alten Sandalen-Streifen... aber das hat einen ja schon damals bei Mario Bavas "Vampire gegen Herakles", der mit einer - für die Verhältnisse seiner Zeit - ähnlich pompösen Optik daherkam, nicht wirklich gestört. Von dem althergebrachten Götterbild muss man sich übrigens verabschieden, wenn Zeus & Co nicht mehr mit Toga und Rauschebart auftreten, sondern stattdessen im Sinne des grassierenden Jugendwahns die durchtrainierten Bauchmuskeln zur Schau stellen... was irgendwie schon ein wenig befremdlich rüberkommt. Sämtliche Darsteller scheinen dabei, ganz passend zum angestrebten erhabenen visuellen Flair, vornehmlich nach ihrer Fotogenität ausgewählt worden zu sein. Überraschenderweise füllen Männlein (allesamt fit wie Turnschuhe) wie Weiblein (tatsächlich überirdisch schön: Freida Pinto und Isabel Lucas) ihre schauspielerisch wenig fordernden Parts allein mit ihrer Attraktivität und der reinen Physis dennoch mehr als gut aus. Ein echtes darstellerisches Highlight gibt es dann aber doch, denn über allem und jedem thront nämlich zu jeder Zeit ein seit seinem "The Wrestler"-Comeback wieder mächtig in seiner Popularität erstarkter Mickey Rourke, der sich endgültig von seinem 80er Jahre-Stecher-Image verabschiedet hat und in "Krieg der Götter" mit seiner kaputt-operierten und zudem auch Make Up-technisch mit Narben verzierten Dreckfresse und einer Steroid-gepushten, sichtlich massiveren Statur eine der besten Bösewicht-Performances der letzten Zeit hinlegt (nicht overacted, sondern gebührend ernsthaft und wirklich Furcht einflößend)... und so mit schierer Präsenz wirklich gnadenlos jede einzelne Szene an sich reißt. Kurzum, "Krieg der Götter" ist in der Tat als "bildgewaltig" zu bezeichnen und somit definitiv sehenswert... und dankenswerterweise auch nicht gänzlich so mit stupidem Pathos verkleistert, wie es der unerträgliche "300" noch gewesen ist. Dem Resümee von Kritiker-Papst Roger Ebert, der da über Tarsem Singhs Film geurteilt hat "Without doubt the best-looking awful movie you will ever see" ist prinzipiell nichts hinzuzufügen. Und schon allein wegen Rourke muss ein Blick ganz einfach drin sein.

8/10

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