Achtung Spoiler!
George A. Romeros erster Untotenfilm ist der Grundstein und auch gleichzeitig der Höhepunkt des Subgenres Zombiefilm. Kein anderer Beitrag, selbst Romeros eigene Werke, konnte die gleiche expressionistische Grundstimmung des Filmes wieder einfangen. Murnaugleich schleicht der Tod mit der Apocalypse im Schlepptau durch jede einzelne Szene des Filmes. Ob dies so von den Machern wirklich gewollt war steht in den Sternen. Erfahrungsgemäß sind solche Höchstleistungen eines eher mittelmäßigen Regisseurs dann aber meist doch dem niedrigem Budget geschuldet, das von den Machern Kreativität verlangt. Das Pittsburger Team um Romero drehte vorher Werbefilme, doch wollte man auch mal richtig Kohle machen und so entschied man sich dafür einen Horrorstreifen zu drehen. Mangels Kohle für Monsterkostüme erfand man die erst später so genannten Zombies, ließ unrealisierbare Storyelemente als Nachrichten aus dem Radio ertönen und verfrachtete ca. 90% der Szenen in ein Farmhaus auf der grünen Wiese. Ja selbst, das SW Filmmaterial, das einen nicht unbeträchtlichen Anteil an der dichten Atmosphäre des Ergebnisses trägt, ist der knappen Kasse der Filmmacher zu verdanken. Auch wenn George im Nachhinein hier und da etwas anderes behauptete. Macht aber alles nichts, im Gegenteil. So entstand mehr oder weniger zufällig eine der auch heute noch schockierensten Horror/Scifi Geschichten mit unterschwelligem Tiefgang, die sich, vielleicht auch ungewollt, Themen anderer Klassiker bedient und sie zu etwas Eigenständigem verspinnt. Parallelen zu Hitchkocks "Vögel" sind genauso schwer zu übersehen, wie Anleihen bei Don Siegels "Die Dämonischen" und nicht zuletzt sei an dieser Stelle "Last Man on Earth" mit Vincent Price genannt. Das dies alles so gut funktioniert ist vor allem dem, für eine Independent Produktion, gutem Cast zu verdanken. Romero bewies hier ein glückliches Händchen, indem er die Rollen nicht nach Hautfarbe sondern nach Talent verteilte. Angesichts der damaligen Rassenunruhen in den Staaten eine von nicht Wenigen mißverstandene Tatsache. Aber Romero bricht noch mit weiteren Konventionen des Horrorgenres und insbesondere des amerikanischen Films, was im Nachhinein für Interpretationsspielraum sorgen sollte. Die Tatsache, daß er dem Konflikt innerhalb der Gruppe im Laufe der Filmhandlung mehr Aufmerksamkeit schenkt als den vor dem Haus wartenden Zombies wird den gemeinen Zuschauer vielleicht nicht so sehr ins Auge fallen und ist meines Erachtens eher dem schon erwähntem niedrigem Budget zu verdanken. Und so wirkt der Hauptkonflikt ob man Schutz im Keller oder in den oberen Stockwerk des Hauses suchen sollte reichlich konstruiert. Doch weiß Romero fehlende teure Action und Kampfszenen durch schockierende Elemente auszugleichen, wenn nicht sogar überflüssig erscheinen zu lassen. Alleine das Element des Kannibalismus, wenn man bei Untoten denn von Kannibalismus sprechen kann, schockt auch heute noch und sorgt für Diskussionsstoff. Es gibt im Film Unmengen an fantastischen Kameraeinstellungen, Beleuchtungseffekten und dramaturgischen Höhepunkten. Etwa als Ben Cooper erschießt da er merkt, daß Cooper eine Gefahr für sein eigenes Leben darstellt. Ich kann mich bis dahin an keinen amerikanischen Film erinnern, der seine Protagonisten so kompromislos agieren ließ. Und Romero geht noch weiter, visuell schockt er sein Publikum mit verstümmelten Zombies, die die im Truck verbrannten Leichen des jungen Liebepaares verspeisen. Alles ansich schon undenkbar für das amerikanische Unterhaltungskino, doch Romero setzt noch einen drauf. Romero läßt Coopers kranke Tochter, ein eigentlich klassisches dramaturgisches Element, nicht überleben. Romero läßt sie zum Zombie mutieren, ihren Vater fressen und die Mutter in einer an Hitchkoks Psycho erinnernden Szene ermorden. Damit konnte 1968 noch kein Kinogänger rechnen. Ein einzigartiger Tabubruch zum klassischen Horrorfilm. Diese von Romero an den Tag gelegte Konsequenz zieht er bis zum Schluss seiner Apokalypse durch. Scheinbar läßt er dem Publikum sein Happy End. Bürgerwehren ziehen bei Tag durch die Stadt und das Umland und erledigen die bei Nacht noch so bedrohlichen Untoten ziemlich unspektakulär per Kopfschuß. Die Rettung für den einzigen Überlebenden unser kleinen Gruppe mit der wir die Nacht durchlebt haben, naht. Doch Ben wird, als er sich am Fenster des Hauses zeigt mit einem Untoten verwechselt und erschossen.
Mit Night of The Living Dead schuf sich Romero ein Denkmal bevor seine Filmkarriere überhaupt begann. Auch sein Dawn of The Dead, der zwar das gleiche Thema noch einmal ausgereifter aufgreift, kann an keiner Stelle diese einmalige Ausdruckskraft des Erstlingswerk erreichen. Night of The Living Dead ist für den Genrefan ein absolutes "Must have seen".
9/10 Punkte