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Aus dem Nichts tauchen überall in Amerika Untote auf, die Menschen angreifen und durch ihre Bisse infizieren, sodass diese kurz nach ihrem Tod ebenfalls als Zombies wiederkehren. Eine verstörte Frau, die soeben ihren Bruder durch eine Zombieattacke verloren hat, ein junges Pärchen, eine Familie mit Kind und ein mutiger Afroamerikaner verschanzen sich in einem Haus, um den lebenden Leichen zu entgehen.

"Die Nacht der lebenden Toten", seiner Zeit für gerade einmal 150.000 Dollar abgedreht, von den Kritikern eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen, avancierte relativ schnell zum Kult, verschaffte George A. Romero einen großen Namen, revolutionierte das Horrorgenre, indem es den Zombiefilm der Stummfilmzeit wiederbelebte und wird heute sogar als einer der besten Filme aller Zeiten genannt. Und es ist wirklich beachtlich, was George A. Romero mit seinen bescheidenen Mitteln praktisch eigenhändig (Romero inszenierte den Film, übernahm aber auch Schnitt und Kamera, schrieb darüber hinaus das Drehbuch) aus dem Boden gestampft hat, aber "Die Nacht der lebenden Toten" hat dann doch mittlerweile einige seiner Reize eingebüßt, zumal er bereits zu seinem Erscheinen mit verhältnismäßig einfachen -um nicht zu sagen primitiven- filmischen Mitteln umgesetzt wurde.

So ist "Die Nacht der lebenden Toten" visuell nicht sonderlich beeindruckend, die angedeuteten Splatter-Szenen sind wirklich schlecht gemacht, die Zombies wirken wenig furchteinflössend, auch wenn darin eine gewisse Absicht von Romero gelegen haben mag, vielmehr könnten die Bilder, die es zu sehen gibt, genauso gut aus den 40ern stammen, während auch die Musik höchst unauffällig bleibt.

Aber hieran krankt Romeros Kultfilm noch nicht einmal unweigerlich. Vielmehr haben die schwarz-weißen Bilder einen gewissen düsteren Charme und erlauben dann doch den Aufbau einer mitunter gespannten Atmosphäre, die "Die Nacht der lebenden Toten" doch zumindest unterhaltsam gestaltet, während auch die Personenkonstellation der Charaktere im Haus und deren Dialoge gut konzipiert sind, sodass der Zombiefilm inhaltlich durchaus zu überzeugen weiß. Längen gibt es auch keine, da Romero seine Geschichte gradlinig erzählt, nur das Wichtigste über die Geschehnisse in der Außenwelt etwa über Radio und Fernsehen zusammenfasst und sich nicht einmal mit der Ursache dafür beschäftigt, weswegen die Toten plötzlich wieder leben. So ist der Horrorfilm stringent geführt und durchweg unterhaltsam, hält am Ende sogar noch eine böse Überraschung bereit.

Einzig und allein die Darsteller sind ein Ärgernis, so wundert es kaum, dass sich keiner von ihnen trotz des Kultstatus von Romeros Werk später einen Namen machen konnte. So ist Duane Jones in der Hauptrolle zwar solide, hat aber bei Weitem nicht das Charisma und das darstellerische Potential, um in der Heldenrolle nicht hoffnungslos durchzufallen, während Judith O`Dea den Bogen mit ihrem nervigen Over-Acting durchweg überspannt. Und auch die restlichen Darsteller bewegen sich irgendwo zwischen Schultheater und schlechter Soap.

Wäre noch zu sagen, dass es in "Die Nacht der lebenden Toten" wenig zu interpretieren gibt, denn die Gesellschaftskritik entfaltete Romero erst in den Folgeteilen die unter Anderem deswegen den Vorgänger übertreffen, genauso, wie das Snyder-Remake. Als Analyse des menschlichen Verhaltens in Gefahrensituationen kann Romeros Film allerhöchstens verstanden werden, oder aber als das, was er ist: Ein unterhaltsamer, stringent geführter Horrorfilm und ein Stück(chen) Filmgeschichte.

Fazit:
Während die budget- und altersbedingten audiovisuellen Schwächen durchaus zu verkraften sind und "Die Nacht der lebenden Toten" einen gewissen nostalgischen Charme und eine düstere Wirkung verleihen, sind es vor allem die Darsteller, die dem ansonsten stringent geführten und durchweg unterhaltsamen Horror-Kultfilm ein wenig die Fahrt nehmen. Gehört sicherlich zum cineastischen Pflichtprogramm, ist aber auch nicht mehr so richtig fesselnd und schockierend.

62%

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