Mit äußerst geringen Mitteln schuf Romero hier einen Klassiker im Horrorgenre und ein Denkmal im Zombiefilm. Dabei startet der Film ohne große Einführungen ziemlich rasant mit der ersten unerklärlichen Attacke eines lebenden Untoten. Mit damals ungeheuerer Geschwindigkeit bietet der Film dann erst einmal keine Atempausen, bis sich Barbara in das Haus rettet, wo sie auch Ben und später mit ihm andere Leute, die sich im Keller verschanzt haben, antrifft. Zum Schutz vor der tartareischen Übermacht, die das Haus umzingelt, verbarrikadieren sich die Menschen im schützenden Gebäude, wodurch die eigentliche Handlung einen recht simplen Eindruck vermittelt.
Doch das schadet wenig, denn zu viele Fragen quälen zu diesem Zeitpunkt noch den Zuschauer. Wie soll man der Zombieschar entkommen? Was ist überhaupt Ursache des Ganzen? Letzteres lässt Romero geschickt ungewiss, denn wirklich plausibel und glaubwürdig erscheint die Erklärung durch kosmische Strahlung nicht. Der Regisseur will damit aber auch überhaupt keine seriöse Aufklärung bieten, sondern lässt den Zuschauer weiter rätseln. Die Tatsache, dass draußen vor dem Haus eine auf den ersten Blick unzählbare Masse an Zombies wartet, ruft eine bedrückende Atmosphäre hervor. Ein Entkommen der schier ausweglosen Situation scheint unmöglich, was Fluchtversuche nur bestätigen. Die visuelle Überzahl der Untoten macht einem Angst und erzeugt enorm viel Spannung, wobei der Film schließlich in einem puren Terrorshowdown mündet. Die kühlen, tristen schwarz-weiß-Bilder intensivieren zudem zu jedem Zeitpunkt die Angstgefühle im atmosphärischen Haus. Blut verliert anhand der Farblosigkeit daher zwar seine Wirkung, aber ein Splatterfest steht hier sowieso keineswegs im Mittelpunkt.
Der böse Schluss ist in den letzten Minuten mit dem sarkastischen Zombie-Sportschießen allerdings schon etwas vorauszusehen, doch seine Perfidie verliert aufgrund der Gefühlskälte samt der photographischen Entsorgung nicht an Wirkung. Doch das Ende ist lange nicht das einzige Zeugnis, dass Romero nicht einfach ohne Sinn und Verstand handelte, denn schon mitten im Film involviert er die unterschiedlichsten menschlichen Charaktereigenschaften in ein und die selbe Situation, wodurch Konflikte zwischen superioren Personen kaum vermeidbar sind. Schauspielerisch sind dies von den unbekannten Darstellern ziemlich beeindruckende Leistungen, auch wenn beispielsweise die Darstellung des apathischen Verhaltens der inferioren unter Schock stehenden Barbara vielleicht nicht all zu viel abverlangt.
Die Inszenierung ist Romero gemessen an dem amateurhaftem Budget geradezu virtuos gelungen. Er versteht es, in den richtigen Momenten hektisch zu inszenieren, was ihm durch das Spiel mit der Kamera gerade zu Beginn hervorragend gelingt. Die musikalische Unterstützung schmückt dann alles konform mit den zusehenden Bildern aus, sodass die erzeugte Spannung nur noch eine logische Konsequenz ist. Was George A. Romero hier im Jahre 1968 mit seinen bescheidenen Mitteln geschaffen hat, ist schon wahrlich ein kleines Wunder der Filmgeschichte. Auch wenn "Die Nacht der lebenden Toten" schon sichtlich Staub angesetzt hat, so sollte kein Freund des Horrors sich dieses Werk entgehen lassen. (8+/10 Punkten)