Review

Die Wiedergeburt eines Monsters 

Zu "Night of the Living Dead" eine würdige Kritik zu schreiben, fällt mir ähnlich wie bei "Shining" oder "Der Exorzist" schwer. Zu groß seine Bedeutung, zu gut als Meisterwerk, zu viel/alles wurde schon gesagt. Trotzdem versuche ich mal meine ganz persönliche Beziehung zu ihm zu beschreiben, ohne dabei in gewohnte Lobeshymnen zu verfallen, was schwer genug wird. Kurz gesagt, ist dieser erste neuzeitliche Zombiefilm, mir vielleicht der sympathischste Film überhaupt & ich kann ihn fast mitsprechen, auf deutsch & englisch, so oft habe ich ihn gesehen. Und er wird einfach nicht schlechter, ganz im Gegenteil. 

Extrem früh bin ich mit ihm das erste Mal in Kontakt gekommen, da ich natürlich neugierig wurde, als meine Eltern immer von ihrem einschneidenden Kinobesuch eines anscheinend beeindruckenden Zombie-Films erzählten, der in einem Kaufhaus spielt. Und wenn man dann als junger Teenager nachforscht & sich die berühmte Romero-Trilogie importiert, über den Namen des Vaters selbstverständlich, fängt man genau hier an. Und anders als bei meinen Eltern, machte auf mich dieser schwarz-weise Albtraum noch ein Stück mehr Eindruck, als der ebenfalls wegweisende Nachfolger "Dawn of the Dead". Altmodische Wahl für einen Mitzwanziger, ich mag's wohl klassisch. Die morbide Atmosphäre & Verschmelzung von modernem, harten Horror & Retro-Grusel blieb bei mir hängen. 

Trotz etwas holziger Darsteller, trotz (oder gerade wegen) unübersehbarem Indie-Ursprung, trotz simpler Story & für heutige Verhältnisse geringem Gore-Anteil - so schnell kann man dem Zombiefilm verfallen. Seitdem ging ich mit diesem ausgeleierten aber wortwörtlich nicht totzukriegenden Subgenre durch dick & dünn, durch Blockbusterenttäuschungen, durch Serienstaffeln & Indieperlen. Das es wohl nicht nur mir so ging mit dieser spielverändernden Nacht, zeigt dessen Aufnahme zu den bedeutendsten Filmen aller Zeiten, seine unzähligen Wiederholungen & Anspielungen über die Jahrzehnte. Die Untoten frassen sich ihren Weg in den Mainstream, sind fester Bestandteil der Popkultur & im Jahr 2016 ist noch immer kein Ende in Sicht - fast wie bei einer echten Zombieapokalypse ;)

Romeros Debüt war seiner Zeit enorm voraus & ist mittlerweile zeitlos, thront über allem was folgte. Mit einfachen Mitteln, aber was Geschlechterrollen, Gewalt & Hautfarben betrifft, mit riesigem Mut & dicken Eiern. Das von Zombies umlagerte Landhaus ist ikonisch & absolut klaustrophobisch, das Ende eines der deprimierendsten, das die Welt je gesehen hat. Enorme Spannung zieht der Film vor allem aus den Konflikten innerhalb der Gruppe & den verschiedenen, kollidierenden Charaktern - vom Held über die langsam verrückt Werdende bis zum feigen Egoisten. Charakterschablonen & Konflikte, die man heute kaum noch sehen kann, wirkten hier frisch, waren neu & einfach packend. In keinem Film wurde die Idee der Ausweglosigkeit & der dich angreifenden Geliebten so eindringlich vermittelt. Man kann noch lange loben - z.B. die stimmungsvolle Musik oder den Einfluss der Twilight Zone nennen - kann aber auch einfach sagen: diese Zombies sind unsterblich & Danke George A. Romero!

Fazit: die Geburt der heutigen Zombies & wichtiges Kulturgut. Romero machte sich hiermit über Nacht unsterblich & schuf einen der wichtigsten & besten Horrorfilme aller Zeiten. Hat nichts von seiner Wirkung verloren & gehört zur Halloween-Grundaustattung. Für immer in meine Horror-Top-5!

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