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Der von George A. Romero mit einem recht schmalen Budget realisierte Kultfilm war für das Subgenre eine Neuausrichtung. Waren in der Filmwelt bis zu diesem Zeitpunkt Zombies eher mit dem Thema Voodoo verbunden, legte der von Romero und John Russo geschriebene Horrorstreifen nicht nur einen Grundstein für eine durch den Regisseur weitergeführte Filmreihe, sondern gab den Untoten auch eine neue Note mit auf den Weg. Dabei bleibt die Beschreibung und Präsentation dieser Gesellen hier noch recht vage und wirkt rückblickend wie eine Variation dessen, was sich bis heute auch popkulturell unter dem Begriff „Zombie“ tummelt.

Dabei beginnt es ganz harmlos mit einem Besuch der Geschwister Barbra und Johnny auf dem Friedhof. Doch dauert es nicht lange, bis die beiden von einem sich merkwürdig verhaltenden Herren angegriffen werden, dem Barbra in ein vermeintlich leeres Haus entkommt. Hier trifft sie bald auf Ben, später noch auf andere Schutzsuchende, die sich alle die Frage stellen, was zur Hölle hier eigentlich los ist. Denn draußen versammeln sich mehr und mehr merkwürdige Gestalten.

Romero lässt Hintergründe vage und erst nach und nach erfahren die sich im Haus Verbarrikadierenden aus dem Radio und dem Fernsehen etwas mehr über die Situation. Wohl auch aus Budgetgründen bleibt es oft bei der Beschreibung der Zustände, anstatt dass dies in ausufernden Sequenzen bebildert wird. Effektiv ist das dennoch, wird Romero so doch zum Vorleser einer Böse-Nacht-Geschichte, die ein Szenario im Kopf des Publikums entstehen lässt und so merklich zur Atmosphäre beiträgt. Worldbuilding mit Worten.

Handfestes gibt es so erst einmal nicht zu sehen, was die Ungewissheit verstärkt. Das Skript läuft so nicht Gefahr, das Mysterium zu entzaubern, wenn es auch hier und da mit einer Theorie spekuliert.
Zentral bleiben stets die Figuren und ihr Umgang mit der Situation. Die sich im Haus zusammenfindenden Leute sind unterschiedlich gezeichnet, von abwesend über pragmatisch bis aggressiv reicht die Palette und alle Beteiligten haben ihre Daseinsberechtigung und Motivation. Die Spannungen innerhalb der Gruppe und die Dynamiken zwischen den Gemütern bleiben stets im Mittelpunkt und das Geschehen nah an ihnen dran, was eine gewisse Dringlichkeit aufbaut. Der Cast wirkt unverbraucht und glänzt er auch nicht mit dem nuanciertesten Spiel, so wirkt das meist authentisch und im Szenario betrachtet vollkommen in Ordnung. Gleiches gilt für die Präsentation – bedenkt man die zur Verfügung stehenden Mittel.

Das Schwarzweiß ist atmosphärisch und schonte das Budget zumindest in mancher Hinsicht (Schokoladenblut), die nicht immer gut ausgeleuchteten Sets ebenso. So glänzen die Effekte weniger mit Detail, transportieren aber die angedachte Wirkung. Dennoch ist „Night of the Living Dead“ kein effektlastiger Streifen. Dinge passieren im Off oder bleiben der Vorstellung überlassen, dennoch wird auch mal an Überresten geknabbert und hier und da gibt es einen blutigen Einschuss. Die Effekte sind eben nicht das Verkaufsargument. Das abgelegene Setting unterstreicht die Isolation und von ein paar Außenaufnahmen abgesehen bewegt man sich überwiegend im Haus.
Auch die Untoten bewegen sich, hier sogar etwas flotter und ungewohnt versiert im Umgang mit Gegenständen. So hebt sich dieser Urvater des modernen Zombiefilms auch von dem ab, was sich später als Standard etablieren sollte und sich bis heute in weiteren Variationen ergeht. Das Make-up ist dabei recht harmlos und Grausamkeiten halten sich in Grenzen. Wie auch Tempo und Action, dafür waren die Ressourcen zu knapp.
Die musikalische Untermalung ist semi-gelungen. Man bediente sich aus einer bestehenden Klangbibliothek und diese wirkt nicht immer passend weil überdramatisch und überlagernd, mitunter aber auch gelungen spukig.

„They're coming to get you, Barbra!“

Zu Recht ist George A. Romeros „Night of the Living Dead“ ein Klassiker seines Genres, der das Z-Wort nie in den Mund nimmt. Ein prägender Vertreter für die Untoten-Film-Schublade und auch für sich allein betrachtet, gerade im Hinblick auf die aufgewandten Mittel, ein atmosphärischer, passend besetzter und ebenso inszenierter Grusler. Angenehm humorlos, teils aber auch etwas behäbig und dazu wenig schaurig, aber immerhin konsequent bis zum gelungenen Ende. Pflichtprogramm für Genrefans.

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