Detlef Buck hat sich mit seinem Film "Rubbeldiekatz" gleich auf zwei Vorbilder eingelassen, die gewisse Risiken in sich bergen. Da ist zum Einen der unvermeidliche Vergleich zu "Tootsie", denn wie einst Dustin Hoffman verkleidet sich hier Matthias Schweighöfer als Frau, um an eine Filmrolle heranzukommen. Da hier eine Frau brünhildischen Ausmaßes gesucht wird, gelingt die Verwandlung ähnlich überzeugend wie bei Hoffman, der eine Mittvierzigerin mimte, aber sonst merkt man dem Film an, das er versucht, weitere Parallelen zu vermeiden.
So hat Axel Honk (Matthias Schweighöfer) schon Kontakt und Sex mit Sarah Voss (Alexandra Maria Lara), bevor er ihr als Frau am Set wieder begegnet, wo diese die Hauptrolle im Film spielt. Zwar liegt auch in "Rubbeldiekatz" der entscheidende Kniff darin, das mit zunehmender Dauer der Druck wächst, gegenüber der angebeteten Frau, mit der sich Axel als Frau befreundet hat, zu gestehen, dass er in Wirklichkeit ein Mann ist, der sich in sie verliebt hat, aber anders als in "Tootsie", in dem die Handlung in ein realistischeres Umfeld eingebettet war, das auch tragische Momente zuließ, orientiert sich Buck stärker am zweiten Vorbild - der romantischen Komödie.
Wer von Buck hier eine Abweichung erwartet hätte, wird enttäuscht, denn der Film verläuft in seiner Rahmenhandlung ganz nach dem Gesetz der Serie, aber man spürt, dass das Buck jederzeit bewusst ist. Beinahe zitierend wird hier jede Wendung bis zum unweigerlichen Ende ausgespielt, wie sie klischeehafter nicht hätte ablaufen können, aber Buck hat begriffen, worauf es in einer solchen Komödie tatsächlich ankommt - auf die Nebenfiguren und die Nebenhandlung. Dahinter verbirgt sich auch der wesentliche Schwachpunkt des Films, denn während Schweighöfer in seiner Frauenrolle über genügend Raum verfügt, auch einmal über die Stränge zu schlagen, bleibt die Hauptdarstellerin Alexandra Maria Lara im Korsett der typischen Frauenfigur einer solchen Konstellation stecken. Enttäuschung und Glücksgefühle wechseln sich ab, bevor sie nach angemessen langem Schmollzustand wieder angekrochen kommt.
Doch was Buck bei der Figur der Sarah Voss an individuellen und witzigen Ideen vermissen lässt, beschert er der übrigen Handlung reichlich. Vor allem die drei Brüder Honk (darunter natürlich auch Buck selbst) und ihr Freund Jan (Denis Moschito) sind für einige respektlose Momente gut, die auch über kritisches Potential verfügen. Es ist weniger die eher typische Kritik am amerikanischen Filmbusiness, die die Handlung im Filmstudio Potsdam-Babelsberg bestimmt, als die Diskrepanz zwischen der Gegenwart und der sehr überzeugend gestalteten Nazi-Optik. Im Rahmen einer Komödie und ohne irgendein politisches Motiv heraushängen zu lassen, gelingt es Buck ganz nebenbei, die Lächerlichkeit hinter den Insignien einer Diktatur zu verdeutlichen und damit deren Unmenschlichkeit. Lässiger ist das einem deutschen Film selten gelungen.
Natürlich zündet in "Rubbeldiekatz" nicht jeder Gag, ist einiges auch vorhersehbar, aber das ändert nichts daran, das Detlef Buck hier ein sympathisches Panoptikum auf dem Rücken einer typischen RomCom entwickelt, unterhaltend, ohne in übertriebene Albernheiten zu verfallen, und das in seinen besten Momenten ganz hintergründig zu sezieren vermag (7,5/10).