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In den Vereinigten Staaten und Kanada ist Thanksgiving nicht mit unserem Erntedankfest zu vergleichen, denn dort ist es ein bedeutungsvolles Familienfest, bei dem Generationen zusammenkommen, gemeinsam den Truthahn verspeisen und sich für bestimmte Dinge des vergangenen Jahres bedanken. Wenn es in der Familie jedoch nicht rund läuft und dann auch noch Problemfälle aufeinander treffen, kann es schon mal zu blutigen Auseinandersetzungen kommen, wie uns Regisseur Stefan Ruzowitzky mit seinem Winter-Thriller zu veranschaulichen versucht.

Das kriminelle Geschwisterpaar Addison (Eric Bana) und Liza (Olivia Wilde) befindet sich nach einem Überfall auf der Flucht und will sich nach Kanada absetzen, als sich ihr Fluchtwagen überschlägt. Getrennt kämpfen sie sich im Schneesturm gen Norden und während Addisons Weg ein blutiger ist, lernt Liza den ehemaligen Boxer Jay (Charlie Hunnam) kennen…

Ruzowitzky verzettelt sich leider gnadenlos mit seinem unausgegorenen Genremix, der zwar primär den Fokus auf das Genre des Thrillers richtet, nebenher jedoch auch Drama und Romanze unterzubringen versucht, was aufgrund der viel zu oberflächlich gezeichneten Figuren kaum funktionieren will.

Über das leicht inzestuös wirkende Geschwisterpaar erfahren wir erst zum Ende hin ein wenig Background, während Boxer Jay offenbar aus seinen Fehlern gelernt hat und nun zu Thanksgiving, frisch aus dem Knast entlassen, seine Eltern (Sissy Spacek und Kris Kristofferson) besuchen möchte. Dabei gabelt er die mittlerweile halb erfrorene Liza auf, welche während einer Sturmnacht das zweisame nackte Vergnügen im Bett vorziehen und sich prompt ineinander verlieben. Dass am Ende alle Fäden sämtlicher parallel ablaufender Handlungsstränge zusammenlaufen, ist von Vornherein absehbar.

Was bei alledem punktet, sind die verschneiten Landschaften mit Schneesturm, Fahrten mit dem Schneemobil und einer einsam gelegenen Waldhütte, in der Addison für eine Weile verharrt. Dabei liefert die Kamera variable Perspektiven und baut recht gekonnt ein paar Supertotale ein, um die Einsamkeit der Protagonisten innerhalb der Eiseskälte zu transportieren. Der Score von Marco Beltrami hält sich angenehm zurück und unterstützt eher die Stille, welche über dem Treiben liegt.

Leider, so muss man spätestens im Mittelteil der Erzählung sagen, denn die vielen Ruhepausen mit zum Teil grenzdebilen Dialogen zeugen nicht gerade von einem inspirierten Drehbuch, zumal manche Situationen schlichtweg konstruiert wirken und das Verhalten einiger Protagonisten in Sachen Dummheit (besonders die ortsansässigen Polizisten) kaum zu unterbieten ist. Die Liaison zwischen Liza und Jay verläuft kaum plausibel, ebenso irrational ist Addisons Verhalten, gleich jeden abzumurksen, der ihm über den Weg läuft, von Polizistin Hanna (Kate Mara), die es ihrem Vater und Polizeichef Recht machen will ganz zu schweigen.

Diese Mankos können zumindest darstellerisch ein wenig kaschiert werden. Eric Bana überzeugt als kaltblütiger Killer und hat seinen stärksten Part im finalen Akt, Sissy Spacek erhält zwar nicht viel Screentime, doch auch sie läuft zum Finale zur Hochform auf. Kristofferson und Wilde bleiben demgegenüber eher unauffällig, während Kate Mara und Charlie Hunnam immerhin okay performen.

„Cold Blood“ wird phasenweise zu zäh vorgetragen, rückt merkwürdige Schwerpunkte in den Vordergrund und läuft am Ende doch recht vorhersehbar ab, obgleich der Showdown ein wenig die Richtung Home Invasion einschlägt und mit ein paar spannenden Einlagen punktet.
Die deutlichste Schwäche liegt jedoch bei den zu oberflächlich gezeichneten Figuren und den zahlreichen irrationalen Verhaltensweisen, aus denen das Drehbuch ein ziemliches Kuddelmuddel fabriziert, wogegen die äußerst rar gesäte Action kaum ankommen kann.
Tolle Kulisse, überzeugende Mimen, doch der Rest wirkt reichlich uninspiriert.
4,5 von 10

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