„Ich wurde freigesprochen!“ - „Nicht von mir!“
Testosteron-Kino bringt auch immer ein wenig Retro mit ins Spiel, denn besonders in den Achtzigern waren diese Ein-Mann-kämpft-gegen-das-Unrecht-und-plättet-alle-Bösewichte-Streifen arg angesagt. Überraschungen sind in solchen Gefilden nicht zu erwarten, doch wenn Steve Austin und Danny Trejo aufeinander treffen, werden schon mal ordentlich die Fäuste geschwungen.
Cop Ryan (Austin) hat seinen Dienst quittiert, nachdem seine Familie von maskierten Killern ausgelöscht wurde. Nun befindet er sich in dem kleinen Städtchen Hope und stößt dabei auf die Rockergang „The Circle“, deren Anführer Drayke (Trejo) einer der mutmaßlichen Killer ist. Ryans Rachefeldzug kann beginnen…
Austin verkörpert erneut den schweigsamen Hünen mit moralischen Prinzipien und in dieser Rolle geht er voll auf. Auch wenn er nicht gerade zu nuancierten Performances neigt, so bringt der ehemalige Wrestler doch eine Menge Präsenz mit, was auch für Danny Trejo gilt, der nach einigen Ausflügen in Gut-Mensch-Gefilde endlich wieder den eiskalten Bösewicht heraushängen lassen kann, woran er sichtlich Freude hat. Zwar bekommt der Held noch einen minimalen Sidekick und ein angepeiltes Love Interest, doch diese beiden Aspekte verlaufen nahezu im Sande und auch die übrigen Rocker sehen zwar größtenteils markant aus, dienen jedoch überwiegend als Prügelopfer.
Über die Motivation des einsamen Rächers erfährt man indes nur angedeutete Hintergründe per Flashbacks, welche mit erschreckend geringer Härte vorgetragen werden, - eine klassische Herangehensweise hätte an der Stelle wahrscheinlich etwas mehr Empathie aufkommen lassen. Die Bösewichte werden hingegen mit allen gängigen Klischees eingeführt: Einer will einen Hund erschießen, - Zack aufs Maul. Ein Rocker schlägt die hübsche Hotelbesitzerin, - Zack, gleich den Arm gebrochen und anschließend aufs Auto geschnallt.
Ein dolles Actionfeuerwerk sollte man zwar nicht erwarten, da lediglich zwei Fahrzeuge in die Luft gehen, doch dafür wird mit einiger Härte gekämpft.
Austin kann bekanntlich gut austeilen, was er etappenweise und auch gerne mal gegen mehrere Angreifer erledigt, während Trejo natürlich für den Finalkampf aufbewahrt wird.
Die schlichte Choreographie geht voll in Ordnung, die Kamera arbeitet sauber und auch wenn die Fights im Gesamtbild eher unspektakulär bleiben, so kommen sie doch recht routiniert und ohne großen Firlefanz daher, - ein wenig altbacken eben.
So läuft die Geschichte gradlinig und weitgehend überraschungsfrei ab: Es wird ein Drogentransport verfolgt, der Sheriff wird einige Male eingeschüchtert, das FBI schaltet sich ein, während Austin ein paar trockene Sprüche in die Runde wirft.
Die Kulisse des kleinen Städtchens geht in Ordnung, die Besetzung ist nahezu optimal, der Erzählfluss schreitet ohne Durchhänger voran, nur der Score fällt leider überhaupt nicht auf.
Final bekommt der Genrefreund einen schlichten Actioner geboten, der in seiner Konstellation naiv und altmodisch erscheint und deshalb wahrscheinlich eher die älteren Zuschauer mit geringem Anspruch bedienen dürfte.
Schlichtes Männerkino ohne jeglichen Tiefgang, aber wenn Austin und Trejo mitwirken, sollte man auch nicht von oscarverdächtigen Drehbüchern ausgehen…
6 von 10