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Sogar für einen Independentfilm ist ein geschätztes Budget von 70.000 Dollar geradezu lachhaft, denn damit lässt sich selbst im Bereich des Slashers wenig realisieren. Anderweitig ist es erstaunlich, wie der gerade einmal 22jährige Autor und Regisseur Eric England an soviel Kohle gerät, um seinen zweiten Langfilm zu verwirklichen, der zwar die groben Mechanismen des Genres erkannt hat, Feinheiten und Innovationen jedoch komplett vermissen lässt.

Die Twens James, Will, Kyle, Brooke und Jenna machen sich auf zum titelgebenden Ort Madison County, um dem Autor David ein Interview zu entlocken, in dessen Buch es um den angeblichen Serienkiller Damien geht. Bei ihrer Ankunft geben sich die Einwohner jedoch völlig verschlossen und das Haus des Autors scheint komplett verlassen. Die Gruppe beschließt auf eigene Faust zu ermitteln und sticht dabei in ein Wespennest…

Mal wieder vertuschen amerikanische Inzucht-Landeier dunkle Geheimnisse ihres Heimatortes und es fehlt nur noch der Satz: „Gehen sie, bevor es zu spät ist!“.
Für das spätere Mitfiebern sind die Figurenzeichnungen jedoch recht flach ausgefallen: Es gibt ein geheimes Liebespaar und einen eifersüchtigen Bruder, sowie eine Beziehung in spe, doch keinen hervorstechenden Sympathieträger, dem man einen knallharten Überlebenskampf zutraut. Indes bestätigen die Dörfler nach kurzer Zeit einige Klischees, indem unzählige Fliegen im örtlichen Diner herumschwirren, jeder Redneck bei der kleinsten Meinungsverschiedenheit das Messer zückt und eine ältere Trulli hinter der Theke auch mehr weiß als sie anfangs zugibt.

Und während der Score mit einer ungewöhnlichen Mischung aus ruhigen Streichern und typischem Hillbilly-Banjo Akzente setzen kann, dümpelt das Treiben beinahe eine Dreiviertelstunde vor sich hin, bis endlich der erste Mord zu verzeichnen ist.
Daraufhin geht es mit den Ableben recht schnell, denn der Killer mit der ungewöhnlich großen Schweinemaske, dessen Gesicht offenbar heftig entstellt ist, schreitet ohne Umwege, wenn auch recht phantasielos zur Tat.

Mal landet ein Messer im Bauch, es gibt einen Pflock im Mundraum, Axthiebe auf den Rücken und einen Bruch im Unterschenkelbereich, aber nichts, was Splatterfreunde übermäßig entzücken dürfte, obgleich die Ausarbeitung der Effekte in Ordnung ist.
Leider folgt der Handlungsverlauf einigen Klischees, so dass flüchtende Opfer gleich mehrfach falsche Prioritäten setzen, eine Gegenwehr stets halbherzig ausgeführt wird und ein Ablenkungsmanöver im Wald aufgrund schlechter Peilung nur schief laufen kann.

Selbst der Showdown liefert lediglich allseits bekannte Abläufe, bietet keinerlei Überraschungen und finalisiert mit dem obligatorischen, schwarzhumorigen Abschlussgag.
Dennoch sollte man den Streifen in Relation sehen, denn für einen 22jährigen hinter der Kamera mit vergleichsweise mickrigem Budget ist das Ergebnis zumindest handwerklich grundsolide ausgefallen und auch darstellerisch ist nicht wirklich etwas anzukreiden.

Dem Streifen fehlen schlichtweg Innovationen und ein wenig Drive, etwas mehr Härte und Mut zu dreckigen Konfrontationen, um in der Riege denkwürdiger Backwood-Slasher mitzumischen. So bleibt „Madison County“ ein farbloses Genrewerk, welches allenfalls äußerst eingefleischten Fans zusagen könnte, die keinen Beitrag auslassen.
4,5 von 10

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