Harte Zeiten für freischaffende Künstler. Ein erfolgloser, nicht verstandener Schriftsteller namens Marcel, ein illegal eingereister albanischer Maler namens Rodolfo und ein "Avantgarde"-Komponist namens Schaunard leben gemeinsam in Paris das freie Künstlerleben, wie man es aus unzähligen Klischees alter Tage kennt. Geplagt von Geldproblemen, ständig dabei, den letzten Groschen für fleischliche Genüsse zu opfern, schlagen sie sich durch das harte moderne Stadtleben. Schließlich bietet sich die Chance auf das große Geld und die Anerkennung, als Marcel als Chefredakteur einer Modezeitschrift angeheuert wird und einen gewaltigen Vorschuss bezahlt bekommt. Die drei Freunde können das Geld jedoch nicht lange bei sich halten, zumal die mitlerweile anwesende weibliche Gesellschaft und die "Lust zu Leben" einiges an Kosten verursachen. Zwischendrin wird Rodolfo eine Zeit aus dem Land verwiesen, während einer seiner Porträtierten beschließt, seine Bilder zu sammeln.
Schnell stehen die drei Künstler wieder auf der Straße, die Zeitung ist abgesetzt.
Insgesamt kann man sagen, dass dieser Film wirklich eher Kaurismäki-untypisch ist. In vielen(!), hochtragenden Dialogen faseln die Möchtegernkünstler über ihre Umstände, ihre Gefühle und die Kunst. Die Wortwahl erinnert dabei an klassische Dramen im Adelsmilieu, oder an alte Filme dieser Art. Das macht irgendwie auch den Großteil des Witzes im Film aus. Denn ihre ausschweifenden Dia- sowie Monologe passen überhaupt nicht in ihr Pennerleben im modernen, versifften Paris. Ihre kreative Begabung lässt freilich zu wünschen übrig, aber sie sind überzeugt von ihrem Talent und interessieren sich somit nicht für solch profane Dinge wie Rechnungen bezahlen oder Arbeit. Denn ein Künstler strebt nach höheren Idealen, wie sie wissen.
Das verleiht "Das Leben der Boheme" somit eine gewisse, seichte Melancholie und schlägt auch eine Verbindung zu den anderen Kaurismäki-Filmen, die im Prinzip im selben sozialen Bereich spielen (bloß eben in Finnland, und nicht in Paris, der Stadt der Künstler und der ungezwungenen Liebe). Der filmische Stil bleibt hier ebenso schlicht und zäh, wie sonst auch immer: Schwarz-Weiß, starre Kamera, lange Gesichteraufnahmen, etc. Die Charaktere, wunderbar gespielt, wachsen einem auch wieder ans Herz als hoffnungslos optimistische, sympatische Taugenichtse.
Am Ende des Filmes verfällt Kaurismäki dann aber doch in seine altbekannte tragische Melancholie, als die Geliebte von Rodolfo im Sterben liegt, und die Künstler dann auf Einmal all ihr Hab und Gut verkaufen und sogar arbeiten, damit sie die letzten Tage in einem Privatzimmer des Krankenhauses verbringen kann. Der Kontrast zum Rest des Filmes ist meiner Meinung etwas zu heftig, dennoch nicht völlig fehl am Platze. So ist der Film im Endeffekt eher französisch statt finnisch und beweist wieder einmal, was für ein toller Geschichtenerzähler Kaurismäki doch ist. 8/10.