Review
von Leimbacher-Mario
Je mehr Künstler du bist, je mehr liebst du diesen Film
Für mich ist "La vie de Boheme" Aki Kaurismäkis bester & berührendster Film. Er hat noch andere wunderschöne Perlen im Repertoire & die Geschichte wurde auch schon unzählige Male für Kino & Bühne adoptiert - aber trotzdem hat mich der Film irgendwie ins Herz getroffen. Da muss also erst ein Finne in den 90ern kommen, um arme aber passionierte Künstler im zeitlosen Schwarz-Weiss-Paris einzufangen... Sachen gibt's!
"La Vie de Boheme" handelt in wunderschönen, ruhigen Bildern von drei Künstlern (Schreiber, Maler, Pianist) in der Stadt der Liebe, welche eben diese suchen, finden, verlieren - und gleichzeitig dauerhaft am Existenzminimum hängen & gegen Pleite & Hungertod kämpfen. Das Leben eines Künstlers halt. Und auch wenn der Film eindrücklich zeigt, dass sich eben nicht nur von Luft & Liebe leben lässt, malt er weder nur schwarz, noch nur weiß. Egal wie kalt es den Dreien ist, egal welche Rückschläge sie ertragen oder wie leer der Magen ist - abschreckend oder Angst einflößend ist anders!
Das ein finnischer Film so viel französischen Charme ausstrahlen kann, ist faszinierend & ein meisterhafter Verdienst des Regisseurs & seines Teams. Das Künstler immer kurz vor knapp doch noch irgendwo Geld her zaubern, ebenso. Und das die Drei am Ende mehr denn je zusammenstehen & alles tun, um den Tod einer Freundin so angenehm wie möglich zu gestalten, rührt einen wirklich & unterstreicht, dass die drei (mehr oder weniger) talentierten Habenichte ihre Herzen am rechten Fleck haben. Gemocht habe ich sie aber auch schon vorher sehr.
Irgendwo zwischen Best Buddies, Penner & Genies, schwankt das Trio durch die pariser Straßen. Handlung gibt es gar nicht so viel & man entwickelt sich kaum weiter, kommt nie endgültig aus der Misere heraus, und trotzdem verbringt man gerne Zeit mit den Jungs. Ich glaube, umso mehr man die wahre Kunst, das freie Leben & die Anti-Reichtum- & -Erfolgs-Haltung verinnerlicht hat, desto mehr liebt man diesen Film. Ist man selbst Künstler, zählt man ihn wahrscheinlich sogar zu seinen Lieblingen. Das bin ich zwar nicht, mein Herz ging aber trotzdem auf. Definitiv eine der besten Umsetzungen des klassischen Stoffes aus dem 1900 Jahrhunderts - und das will was heißen, bei der nahmhaften Konkurrenz!
Fazit: das Leben der Künstler in Paris mal nicht nur romantisch & heiter Sonnenschein... aber im Endeffekt dann gerade durch den Struggle, die Tristesse & die Not so eindringlich & künstlerisch wertvoll.