Helsinskis Finest
Vierzehn rebellische Männer - (fast) alle heißen Frank, sind eine Band und kaum einen von ihnen würde man als helle Kerze auf der Torte bezeichnen - denen die Gesellschaft und das Hinterland Finnlands aber mal sowas von gegen den Strich geht, machen sich zusammen auf in einen sagenumwobenen Stadtteil Helsinkis, um endlich auf ihre Kosten zu kommen und ihre Bestimmung zu finden…
Orgiastische Hänger
Cool ist hier noch weit untertrieben. Kaurismäkis „Rockroadtrip“ ist kälter und witziger als die finnischen Sittenwächter erlauben! Viel von Kaurismäkis späterem, lakonischem Stil ist schon am Start. Nur irgendwie noch deutlich irrsinniger, zielloser, jünger, sprunghafter und wilder. Und ich mag diese Kombi! Jeder Frank ist ein Original. Die Filmzitate sprießen förmlich aus dem Boden und den Wodkagläsern. Helsinki wirkt bis heute frisch - und damit meine ich nicht nur das Wetter! Der Humor ist klar, deutlich und doch unberechenbar. Ein paar echt coole Songs und Cover obendrauf. Eine klassische und sehr lässige, schwarz-weiße Bildsprache. Alles zwischen Satire, Gangsterkino unf melancholischem Gedicht. Ungestüm, ungeschickt, ungeschliffen - aber genau deswegen noch sympathischer und intuitiver als man meint. Irgendwo im Niemandsland zwischen dem späten Melville und dem frühen Tarantino. Nichtsnutze, Vollversager, Kumpel, Taugenichtse - und doch irgendwie Vorbilder in Sachen „Sich durch's Leben schlagen und an seinen Traum glauben“. Episodisch, quirlig, planlos, anders, speziell, eistrocken. Sehr gut. Zumindest wenn man drauf steht und das deinen Humor trifft. Geht nirgendwo hin, bleibt aber auch nie lange an einem Ort. Werbung für Helsinki. Aber noch viel mehr für die Gelassenheit und Coolness der Finnen. Die spinnen. Und gewinnen.
Fazit: Kaurismäkis Frühwerk strotzt nur so vor Energie, Humor und Franks! Völlig irre, fast schon kirre. Lustig. Wunderschön unrund. Ich könnte Kaurismäkis Filme immer wieder sehen, rund um die Uhr laufen lassen, ewig Neues aus ihnen ziehen und meistens Spaß mit ihnen haben. Das heißt was. Er mausert sich langsam aber sicher in die Top 15 meiner Lieblingsregisseure. Noch ist er aber nicht ganz da - ich habe aber auch noch nicht alle seiner Werke gesehen…