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Wenn Einer eine Reise tut.
Nicht nur der westliche Bewohner kommt bei einem Ausritt in die große weite Welt in ein Land der Fremde und gleichzeitig voller ihn überwältigender (Schönheiten und) Schwierigkeiten, auch der gemeine Hongkong - Chinese trifft dabei vermehrt auf fremde Kulturen und fremde Sitten, die das auch schon gefährliche heimische Terrain gleich in ganz anderes Licht erstrahlen lassen. Ob man nun nach Russland ging [ Train Robbers, Dragon from Russia ], nach Amerika [ Guns of Dragons, Gates of Hell ] oder in eines der anliegenden asiatischen Regionen, überall wartete nur Gefahr und Unheil auf den eigentlich die beschauliche Ruhe und sein Glück Suchenden; quasi die Fatal Vacation. In Honeymoon in Jakarta soll es nicht unterschiedlich und doch so vieles anders und ein Fall absoluter Sparmaßnahmen und des direkten Gegen- und Widerstückes, also der Antithese zu dem dasselbe erzählenden, aber mit Sex und Gewalt geradezu um sich werfenden Hero Dream sein:

Zwar im gleichen Juweliergeschäft tätig, sich aber ansonsten uneins in vielen Dingen reist das Ehepaar Leung, bestehend aus Fa [ Cheung Kwok-keung ] und Kat [ Chan Wing-chi ] aufgrund eines hohen Preisnachlasses seiner Firma in die Hauptstadt der Republik Indonesien. Schon von Beginn nervt allerdings nervt sie die Hitze, die ihrer Meinung nach spärliche Unterkunft und das geizige Verhalten ihres Mannes. Nach einigen Shopping- und Esstouren besänftigt, treten durch einen von der Polizei gestörten Diamantendeal zwischen Brother Dragon und Brother Rat allerdings ganz andere Probleme in der südostasiatischen Idylle auf. Auf der Flucht der Gangster vor dem langen Arm des Gesetzes landet der mit 900.000 USD dotierte "Star of Indonesia" ausgerechnet in dem Einkaufsbeutel der gerade einmal wieder streitenden und gegenseitig die Scheidung verlangenden Leungs; so daß ein bald härtere Maßnahmen ergreifender Handlanger [ verschnupft: Bruce Maang Lung ] in Auftrag gesetzt wird, die verlorene Beute wiederzubeschaffen.

Im Grunde ist dies ein Zwei-Personen-Stück im fortwährenden zeitlichen Aufschub, statisch, sehr wiederkauend dialoglastig, noch spät und dann sporadisch ergänzt mit einem Einfall des umtriebigen Dritten, der das ewig zersauselte Ehepaar dann im Love Battlefield Motiv doch wieder enger zusammenschweißt. Im Übrigen stellt der Urlaub der Pauschaltouristen aus Cheung Chau kein honeymoon im eigentlichen Sinne, sondern nur die ganz gewöhnliche geographische Auszeit im schon etwas schwierigen Jahr der Ehe dar; ging es zuvor nach Macau auf die Flitterwochen und stand nach dem Wunsch der Frau auch lieber Japan oder Europa auf dem Plan. Für diese Sorte Ferienzeit war stellvertretend für die Produktion und die Zweit-Inszenierung von Tony Mau Kin-tak kein Geld dar, müssen die beiden Sommerfrischler, das gesellige Drehteam des als Assistent Director über anhaltend stattliche credits Verfügenden Mau und ihre wenigen Zuschauer mit dem 2000 Meilen entfernten Indonesien vorlieb nehmen. Nach dem Buchen der Holzklasse der (mittlerweile Bankrott gegangenen) Sempati Air from HKG to JKT ist die Finanzierung sowieso fast weg, beläuft sich der gesamte Rest des Filmes auf den Besuch naheliegender Sehenswürdigkeiten, vielen Einkäufen bevorzugt von einheimischen Knabberkram und dem gewissen Vorführen gerade der lokalen Männer; was die vielbeschworene Gastfreundschaft in dieser grimassierenden Bloßstellung schon ein wenig ad absurdum führt.

Denn besetzt mit Cheung Kwok-keung, der zuvor mal so etwas wie eine Karriere und zumindest auch das Potential dazu hatte, sowie mit Sexsternchen Chan Wing-Chi, die trotz strenger Zugehörigkeit zum Cat III (Nude) roles Genre dafür gesehen nicht die schlechteste Filmography vorweisen konnte, darf vor allem Sie hier mit den vorhandenen Reizen trotz vorherrschender Zugeknöpftheit nicht geizen. Das sparsame Dekollete, ein wenig Bein sowie Leibesübungen im seidigen Neglige ist allerdings auch schon zuviel des Guten für den indonesischen Mann, der anscheinend zuvor noch keine oder eben keine attraktive Frau gesehen hat. Aufhänger für allerlei Scherzchen, in denen Sie mit den körpereigenen Angeboten kokettiert, während bei Ihm vor Eifersucht der Kamm schwillt; ein Prozedere der humoristischen Dürftigkeit, dass den Film bzw. diese handlungsannullierende Reiseexkursion im direct to video Format schnell von der vielleicht noch die Überbleibsel rettenden Komödie in die anstrengende Klamaukerei zu entnervenden Standard-MIDI-Files vom letzten Kindergeburtstag abrutschen lässt.

Denn diese Ausfahrt erst in das Erholungsresort mit immerhin schmeichelnder Kulisse von Palmen, Strand und Meer, dann die umliegenden Vergnügungs- und Einkaufzentren und dann in die Kriminalität und Diamantenhatz ist weder ernst zu nehmen noch ernst gemeint, sondern schon komplett unter Ulk zu verbuchen. Ein überaus billiges, dafür aber durch andauerndes verbales Einerlei, einer absoluten kreativen Dürftigkeit schon bis zum Nullpunkt und noch weiter hinein in das Extrem sowie das Gezanke und Gekeife sind im Grunde einem Lust- und Possenspiel zuzuordnen. The Odd Couple, mit dem Geschlechterkampf als Hintergrund, und dem Verbrecher, der vor dem Ablauf des ersten Drittels sowieso nicht und dann auch erst unregelmäßig als Art Jack in the Box ordnungsstörender Aggression auftaucht, nur als Gimmick. Als nutzloser Zusatz der Freizeitindustrie, der nicht der eventuellen Action, sondern der Wiedergewinnung der Ausgangsordnung des nunmehr gemeinsam um die Beute kämpfenden und so wieder Zusammenhalt beweisenden Paares gilt. Denn physische Auseinandersetzungen finden trotz Option in der Geschichte und Potential in der Besetzung nicht statt, ist jeglicher Aufruhr nach dem bloßen Zücken und Zeigen der Waffen, etwas Gelaufe und ein bisschen Geschubse durch die Verkehrs- und Fußgängerzonen schon wieder vorbei und erledigt.

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