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Besprochen wird hier natürlich die UNCUT Version, nicht die um ca. fast 24 Minuten kastrierte. Die inhaltliche Story von ADAM CHAPLIN soll im Hintergrund stehen…nur so viel: In Faust’scher Tradition wird aus Rache eine Pakt mit einem (optisch sehr gut gelungenen) Dämon geschmiedet und der Rest ist Blut und Zerstörung pur. Es werden Erinnerungen wach an Splatter-Trash-Alltime-Granaten wie STORY OF RICKY, Olaf Ittenbach oder Andreas Schnaas Filme im deutschen Sprachraum usw., an ersteren insbesondere, wenn man die diversen brachialen Körperverletzungen bei den Kämpfen berücksichtigt.

Ob es wirklich das "most bloody movie ever" ist sollen die Statistiker unter den Gorehounds klären. Wie sind da die Regeln, geht es um Blut in Litern, brutalstes Vorgehen, schlimmste Verletzungen oder wie? Egal, ADAM CHAPLIN würde in allen Independent-Splatter Kategorien GANZ vorne liegen. Es geht dem italienischen Regisseur Emanuele de Santi, der auch selbst die Rolle des Adam Chaplin spielt, nur um reine Zerstörung, äußerste Brutalität, das extreme Experiment was möglich ist mit Körpern und alle bisher erfahrenen filmischen Grenzen zu überschreiten.

Da werden auch historische Erinnerungen an den längst verstorbenen Landsmann Lucio Fulci wach. Leider wirkt ja extrem übersteigerte Brutalität meist eher komödiantisch, der Mensch schützt sich selbst damit. Zum Teil schafft de Santi aber diese Art von Grenzüberschreitung tatsächlich und manches wird auch dem erfahrenen Splatterfan den Mund offen stehen lassen. Gut gelungen ist der Mix aus Splatter, Horror, Action und Superheldenheldenfilm mit einem Schuss Computerspieloptik. Und de Santi schafft es durch Kameraführung, Beleuchtung und Schnitt auch in einigen Szenen wirklich eine beklemmende Atmosphäre meist in Blautöne getaucht zu erzeugen (Beispiel enge Gasse mit Messergangster).

Es gibt eine Reihe von gelungenen Figuren wie ein „Arzt“ mit einer genialen Maske der auch den Schlusskampf mit unserem italienischen Helden bestreiten darf und den schon genannten Dämon selbst. In den Schlussminuten wird noch mal alles gezeigt und zerstört und als gelungener Abschluss einer wahrhaftigen Splatterorgie zelebriert. Hier passt das oft missbrauchte Wort einmal. Auch die Musik ist bei weitem nicht die zu erwartende Deathmetal Mucke oder ähnliches. Sehr subtil hält sich die Musik oft mit feinen Klängen im Hintergrund, die eher an Goblin bei Dario Argento Filmen erinnern. Im Abspann wird klar, dass erneut de Santi auch diverse Songs komponiert hat, ein richtiges Multitalent also.

Für mich ist die besondere Note von ADAM CHAPLIN die kaum zu steigernde Brutalität bei den Kämpfen Mann gegen Mann. Hier wird der menschliche Körper auf nicht steigerbare Art in seine Einzelteile zerlegt und zertrümmert. Schon in den ersten 60 Sekunden gibt es einen passenden Vorgeschmack darauf. Faust-oder-Fuß-auf-Kopf-bis-nicht-mehr-viel-vom-Kopf-da-ist-Technik will ich das man möglichst anschaulich für Interessierte nennen. Und oft bleibt auch den stakkato-artigen Angriffen mit Zeitraffer nur eine blutige, gerade noch als menschlich zu identifizierende Haut- und Fleischmasse übrig. Ein zerfetzter menschlicher Torso ist nicht genug, nein, dieser muss noch weiter zerstört werden bis nur noch unidentifizierbare Fleischstücke am Boden liegen.

Trotz des stark beschränkten Budgets bleibt wirklich kein Auge trocken und es wird gerockt was das Zeug hält. Die handgemachten FX sind top, und sicherlich nur aus Budget- und Umsetzungsgründen werden dann vor allem im Finale auch CGI-Blut und –Gedärm eingesetzt. Allerdings sind auch die CGI’s für einen Independentfilm brauchbar und brauchen sich nicht zu verstecken. Aber keine Sorge, es gibt auch dann noch genug handgehacktes. Man muss Regisseur de Santi zumindest aus genre-interner Sicht Respekt zollen für seine an das Äußerste gehende Respektlosigkeit.

Für Independent- und Splatterfans ist ADAM CHAPLIN sicherlich ein Highlight des Jahres. Zu Recht ! Wie gesagt, bitte nur uncut genießen, ansonsten fehlen Euch mal fast schlappe 24 Minuten. So viel nur dazu!

7/10 Menschen am Spieß....äh,....Punkten in allgemeiner Wertung
10/10 Menschen am Spieß....äh,...Punkten in einer Independent-Splatter Wertung

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