Review

Nein, die Bewertung bezieht sich nicht auf die um 24 Minuten (!) geschnittene deutsche Fremdschäm-Fassung, sondern auf den ungeschnittenen UK-Import. Das heißt: Anstatt 60 Minuten Laufzeit gab es für mich 84 Minuten volle Pulle in die Fresse. Dazu sollte man eventuell noch erwähnen, dass der Publisher I-ON eine geschnittene Fassung bei der FSK eingereicht hat, die sogar eine FSK16 bekam - die DVD wird nur aufgrund diverser Trailer mit dem roten Flatschen verkauft, was heute ja Gang und Gäbe ist, geschnittene Fassungen mit Trailern auf den Erwachsenen-Modus zu tunen. Also wieder einmal Kundenverarsche vom Allerfeinsten. 
 Aber trotz der Uncut-Edition kann ich mich den Lobhudeleien in keinster Weise anschließen.

Der Film spielt in der fiktiven Stadt Heaven Valley, in der jeder und alles böse ist. Neben Verbrechersyndikaten und bürgerlichem Abschaum gibt es auch noch korrupte Polizisten.
 Als seine geliebte Freundin (Valeria Sannino) von dem Gangsterboss Denny Richards (Christian Riva) ermordet wird, schließt Adam Chaplin (Emanuele De Santi) ein Pakt mit dem Teufel und hat fortan zerstörerische Kräfte, mit denen er alles aus dem Weg räumt...

 
So weit so gut - obwohl ich mir bewusst war, dass "Adam Chaplin" eine Low Budget Indepentent-Produktion ist und daher dem Amateur-Status gleichkommt, funktioniert der "Film" als solcher nicht. Er ist grottenschlecht, gepaart mit einer diletantischen Umsetzung der Story, die sehr seltsam voran kommt, wenn man das überhaupt so nennen kann. So reiht sich ein kruder Dialog an den anderen, die immer wieder durch ultrabrutalen Splatter unterbrochen werden. Da freut sich natürlich auch mein Gore-Herz und macht sieben Sprünge in die Luft. Aber mir persönlich bringt es nichts, wenn ich mich vor lauter Langeweile durchkämpfen muss und immer wieder auf die Uhr geschaut habe. So was ist natürlich tödlich für eine Bewertung.

Zu Gute halten muss man Adam Chaplin-Darsteller Emanuele De Santi, dass er nicht nur der Hauptdarsteller ist, sondern auch für die Regie und das Drehbuch veranwortlich war. In seinen Pausen kreirte er dann noch mal so nebenbei, den wirklich guten und abwechslungsreichen Soundtrack, der stark an die Gruppe Goblin erinnert - wenn er mal nicht in der Muckibude war. Denn einen gestählten Körper bringt das Multitalent auch noch mit.
Für sein Erstlingswerk hat De Santi wirklich eine Bombe erschaffen, die sich vom Können her auf einer Schiene mit Ittenbach´s ersten Werken bewegt (junger Bub macht derbe Filme mit sehr guten Effekten), auch wenn sich die Effekte zwischen den beiden stark unterscheiden. Während Ittenbach mehr Wert auf das Detail gelegt hat, gibt es in "Adam Chaplin" hektoliterweise Blut, zermatschte Köpfe, jedoch ohne dabei in die unlustige, banale Japan-Schiene zu verfallen. Vorallem die "Tausend Schläge pro Sekunde in die Fresse"-Szenen haben auch mir ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.
Nun, während man von Itte weiß, dass es niemals was mit Filme Drehen wird, kann man sich den Namen Emanuele De Santi schon mal rot auf dem Kalender anstreichen. Von mir auch auf den Arm tätowieren. Denn von dem Mann dürfen wir mit Sicherheit in Zukunft (als Regisseur) noch einiges erwarten.

Ob "Adam Chaplin" nun der bloodiest movie ever ist, wie er selbst wirbt und auch deswegen sehr viel Aufmerksamkeit im Vorfeld erlangte, sei mal dahin gestellt. Vom Schmerz-Faktor her waren "Chrome Skull - Laid to Rest" oder auch diverse Teile der "Saw"-Reihe (um jetzt mal zwei bekannte Beispiele zu nennen) deutlich intensiver am eigenen Körper zu spüren.

Nichtsdestotrotz sollten alle Filmliebhaber der Independent- und Amateur-Szene sich dieses Teil unbedingt ansehen. 

Als Amateur-Film würde ich ihm defintiv 9/10 Punkten vergeben. (Ich fahre dann doch eher auf die Schiene "Violent Shit 3" oder "Bagman - Operation Massenmord" ab, die gewollt oder ungewollt deutlich lustiger sind).
Als  Film kann ich ihm leider nur 2 Punkte vergeben, dank sau geiler FX und einem guten Soundtrack.

2/10

 


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