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Der Streifen läuft noch keine zehn Sekunden, schon wird der erste Kopf vom Rest des Körpers gehebelt und es soll beileibe nicht der letzte sein. So könnte man schnell zu der Vermutung gelangen, dass Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Emanuele De Santi den italienischen Splatterfilm reanimieren will, aber warten wir erstmal ab, ob diesem teils fulminanten Gewaltfeuerwerk noch weitere Produktionen folgen.

Angesiedelt ist die Geschichte in der fiktiven Stadt Heaven Valley, deren Name im völligen Kontrast zur Stimmung im Ort steht: Korruption und Gewalt sind an der Tagesordnung und als Adams Freundin Emily ihre Schulden nicht bezahlen kann, wird sie vom Untergrundboss Danny bei lebendigem Leibe angezündet. Adam schwört tödliche Rache all denjenigen, die mit der Tat zu tun haben oder sich ihm in den Weg stellen…

Man nehme die Grundlagen von „The Crow“, verpasse dem Ambiente einen Stil zwischen Comic und experimenteller Optik, angereichert mit übertriebenem Splatter in Richtung „Story of Ricky“ und schon kann ein Amateurfilmer mit einigen Ambitionen weit kommen.
Die Geschichte benötigt leider eine Weile um Fahrt aufzunehmen und leistet sich zwischendurch ein paar unnötige Hänger, doch sobald der muskelbepackte Adam mit seinem Dämon in der rechten Schulter (den muss er wohl zwischenzeitlich hinauf beschworen haben) erscheint, ist grundlegend was los.

Adams Rachefeldzug erhält leider recht magere Hintergründe, denn ein kleiner Flashback gibt minimalen Aufschluss über ein halbwegs glückliches Paar und auch der Bösewicht mit Maske bekommt lediglich ein Kindheitstrauma angeheftet, welches ebenfalls mit Rückblicken verdeutlicht wird. Dennoch sind die jeweiligen Beweggründe nachvollziehbar, zumal, Freundin verbrennen, das gehört sich schließlich nicht.

Das Hauptaugenmerk liegt natürlich bei den Gewalteinlagen und da darf man sich in der Ungeschnittenen auf derbe Momente freuen, was durch den übertrieben Stil nie bitter aufstößt, sondern oftmals eher zum Schmunzeln animiert. Es gibt zahlreiche gebrochene Arme und Beine, viele zertrümmerte Schädel, zerfetzte Körper durch eine Explosion, ein Hackebeil im Gesicht und zum Finale zahlreiche Körper, die bis zur Unkenntlichkeit vermöbelt werden.
Einige der Effekte sind handgemacht, die Mehrzahl stammt jedoch aus dem Computer, was allerdings keinesfalls negativ zu bewerten ist, da fast alle Szenen sehr sorgfältig ausgearbeitet sind und für einen Independentstreifen ein sehr hohes Niveau aufweisen.

Phasenweise gibt sich De Santi mit seinem Debüt ein wenig überambitioniert, integriert zu viele visuelle Spielereien und übertreibt es etwas zu sehr mit dem latent eingesetzten Blaufilter. Demgegenüber vermag der Score durchweg zu überzeugen, Kamera und Schnitt arbeiten auf einem grundsoliden Niveau und auch darstellerisch sind keine Totalausfälle zu vermelden. Hinzu kommen ein auffallend detailverliebtes Make-up und natürlich die wesentliche Zutat in Form wuchtiger Gewaltszenen.
Trotz einiger Durchhänger und einer flachen Story ein gelungener Erstling auf hohem Niveau, allerdings nur Splatterfreunden zu empfehlen, welche das Ding definitiv und ausschließlich in der Originalversion mit englischen Untertiteln sichten sollten.
6,5 von 10

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