Review

(Amateur-)Splatterfilme aus Italien dürften bei deutschen Horrorfans ein ziemliches Nischenprodukt sein. Strömten während der 70er und 80er Jahre noch massenweise Filme (hauptsächlich mit Zombiesthematik) aus dem sonnigen Süden zu uns, ist das Angebot heutzutage eher ausgedünnt. Bis vor ein paar Jährchen, da erreichte die Splattergemeinde die Independentproduktion, die auf den Namen "Adam Chaplin" hört. Nicht nur dass ein regelrechtes Multitalent hinter diesem Projekt steckt (Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller und Soundtrack stemmt insgesamt eine Person !!), auch das blutige Treiben darin ließ die Gemeinde aufhorchen und man hörte schnell positive Resonanzen. Zu Recht ?

Die Story und auch der folgende Plot sind simpel gestrickt: In irgendeiner Stadt stecken Polizei und Unterweltgesocks weitestgehend unter einer Decke, hauptsächlich durch den Einfluss des Danny Richards, der sein entstelltes Gesicht hinter einer Maske verbirgt. Die Freundin unseres Helden hatte sich unglücklicherweise Geld von ihm geliehen und ist (warum auch immer) säumig geworden. Da Richards in der Hinsicht keinen Spaß versteht, zündet er sie kurzhand bei lebendigem Leib an. Held Adam ist davon sichtlich gezeichnet und schwört Rache. Weil der Alleingang gegen eine derartige Übermacht jedoch von wenig Erfolg gekrönt ist, schließt er kurzerhand einen Pakt mit einem Dämon. Dieser verleiht ihm im Austausch gegen Adams Seele übermächtige Kräfte und macht es sich fortan in Adams rechter Schulter gemütlich. Adam selber zieht anschließend aus, um Richards und seine Lakaien direkt in die Hölle zu schicken.

Wie man sieht, zeichnet sich die Handlung nicht unbedingt durch Kreativität aus. Aufgrund des mehr als geringen Budgets ist dies aber verschmerzlich, denn aus den verfügbaren Mitteln wurde eine Menge herausgeholt und im No-Budget Bereich hat man schon deutlich schlechteres gesehen. Am auffallendsten dürften natürlich die extremen und recht übertriebenen SFX darstellen, von denen ein paar handgemacht sind und für den Rest eine spezielle Computertechnik zum Einsatz kommt. Durch diesen massiven Bluteinsatz, den man auch aus japanischen Genrekollegen kennt (wobei dort oftmals jedoch ein "Fontäneneffekt" zu sehen ist, während die SFX bei Adam Chaplin schwallartig gezeichnet sind), mischt sich einiges an Komik unter. Hervorzuheben sind auch Szenen, in denen der Held seine Fäuste wie ein Maschinengewehr auf seine Kontrahenten eindreschen lässt - ein mörderischer Bass unterstreicht die dazugehörigen Soundeffekte. Allerdings sind einige Computereffekte dann doch sehr leicht als eher simpler Trick zu entlarven. Zudem ist das Bild durch einen starken Blauton gekennzeichnet, wodurch einige Szenen recht dunkel geraten sind.

Bei den Darstellern können nur der Held und dessen Gegenspieler überzeugen. Im Falle von Adam hat man sich wohl vom Computerspiel "The Darkness" inspirieren lassen, sowohl die äußerliche Ähnlichkeit, als auch der Dämon als ständiger innerer Begleiter sind nicht von der Hand zu weisen. Bösewicht Danny Richards könnte hingegen schon fast als zweiter Jigsaw durchgehen. Alt und von einem frühen Unfall gezeichnet, vegetiert er in einem kleinen Versteck vor sich hin, und wird nur durch ein neuartiges Medikament am Leben gehalten. In der deutschen Vertonung ist er auch sehr passend synchronisiert, was man beim Rest der Besetzung eher weniger sagen kann. Die dritte Figur, die noch halbwegs überzeugen kann, ist ein zufällig auftretender Geselle mit seltsamer Gesichtsbemalung.

Die Handlung ist wie gesagt dünn, kommt dafür aber ohne langgezogenes Drumherum aus. Ruhige Momente wechseln sich mit geladenen Actionszenen ab, welche wie gehabt nicht mit graphischer Gewalt geizen. Fans dieses Genres werden hier sehr gut bedient und können daher ruhig einen Blick riskieren. Jedoch kommt für genanntes Klientel nur ein Import in Frage. Mit knapp 24 Fehlminuten in der deutschen Auswertung zählt Adam Chaplin zu den Kandidaten, die hierzulande um das gesamte Aufgebot ihrer Schauwerte beraubt worden. Besonders der geniale Showdown wurde hier mit einem rigorosen Excessive-Cut getilt. Uncut-Fassungen sind problemlos erhältlich und daher dringend anzuraten. Sonst wird der Splatterspaß schnell zur Einschlaftablette.

Details
Ähnliche Filme