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Flatternde Mode im Wind. Spontan bildet sie Silhouetten und verflüchtigt sich wieder; zurück bleibt nur die Leuchtkraft ihrer Farben. Ganz unverbindlich schmiegt sie sich dabei an die Körper der vorführenden Models, die wie Bronzestatuen vor dem Publikum posieren und keine Miene verziehen. „Was ist Eleganz anderes, als das zu vergessen, was man trägt?“, soll Yves Saint Laurent einst gesagt haben, jener Modemacher, dessen Signatur gut sichtbar auf das bunte Tuch gestickt ist, das Pam Grier zu einem ihrer vielen Outfits um den Hals trägt.

Verglichen mit den kompromisslosen Hardboiled-Krimis „Coffy“ (1973) und „Foxy Brown“ (1974), durch die Grier zum Star wurde, umweht „Friday Foster“ eine schwerelose Anmut, obschon im Kontrast dazu wieder eine Welt gezeigt wird, in der man hart sein muss, um zu überleben. Die Modefotografin, die dem Film in guter Blaxploitation-Tradition ihren griffigen Namen leiht, stammt ursprünglich aus dem Comicstrip einer amerikanischen Tageszeitung. Innerhalb dieses Formats, das sich traditionell eher um Charaktere wie „Blondie“ (seit 1930) oder „Dick Tracy“ (seit 1931) dreht, gehörte sie zu den ersten afroamerikanischen Titelfiguren überhaupt. Die Eroberung besetzter Domänen ist Mitte der 70er aber eben auch eines der zentralen Anliegen des schwarzen Kinos. Es ging vielleicht weniger den Produzierenden, dafür aber umso mehr den Darstellenden um den Traum von gesellschaftlicher Verschiebung hin zu mehr Gleichberechtigung. Bei aller Leichtigkeit: Das Gewicht dieses Traums ist als Flimmern deutlich in der Atmosphäre spürbar, als Friday Foster der Statik des Zeitungspanels entsteigt und in die fließende Bewegung des filmischen Mediums eintaucht.

Grundsätzlich folgt diese Comicadaption weniger den Schemata moderner Actionfilme nach New-Hollywood-Art, wie so viele der vorherigen AIP-Produktionen, sondern fühlt sich eher in Tradition alter Private-Eye-Geschichten mit Wurzeln zu den Noirs der 30er und 40er Jahre aufgehoben, vielleicht sogar in Mystery-Thrillern und Low-Key-Kriminalfilmen, bei denen die Opfer mit ihrem letzten Atemzug einen rätselhaften Hinweis aushauchen. Eine Besonderheit ist die Hauptfigur selbst, nicht gerade eine Schnüfflerin Holmes’scher Prägung, zeigt sie sich doch von eher naivem, oder je nach Sichtweise vielleicht auch spontanem Gemüt. Selbst in unmittelbarer Gefahr neigt sie zu unbedarftem Verhalten, wodurch sie gleich zu Beginn der Handlung bereits in eine heftige Schießerei an einem Flughafen verwickelt wird. Dass Regisseur Arthur Marks im Laufe dieser ersten großen Actionsequenz eine Montage erzeugt, in der die rauchenden Knarren der Schergen mit dem Fotoapparat der knipsenden Investigativjournalistin verschnitten werden, ist ein niedliches kleines Detail, das aber eine durchaus mächtige Intension in sich birgt, denn es zeigt auf, dass hier eine Frau am Werk ist, die lieber ihre eigenen Waffen wählt als dem Weg allen Wassers zu folgen.

Obwohl längst Vollprofi in ihrem Sujet, durchschnittlich immerhin mit rund drei Filmproduktionen pro Jahr beschäftigt, finden sich in Griers Spiel immer wieder Momente, in denen sie kurz aus ihrer Rolle zu fallen scheint, als hätte man auf einmal nicht mehr die Titelfigur vor sich, sondern nur noch die heitere Schauspielerin Pam, die einst aus North Carolina auszog, um den Rest des Landes als Actionheldin im Sturm zu erobern. Man mag darin schauspielerische Defizite erkennen, wenn man will, tatsächlich wird der Film gerade durch diese Momente aber erst lebendig. Man könnte sagen, es ist Grier selbst, die dem ansonsten recht steif nach etablierten Schemata aufgebauten Streifen um den Hals flattert wie das eingangs erwähnte bunte Tuch. Die zu Promo-Zwecken verwendete Tagline „Wham! Bam! Here Comes Pam!“ verdankt ihren Punch nicht lediglich einem schlichten Haufenreim, sondern der Authentizität ihres Ausdrucks auf der Leinwand. Sie hält die Handlung wie ein Wirbelwind am Leben, wenn diese zu ersticken droht.

Auch wenn die Hauptdarstellerin von der ersten Minute an der eigentliche Clou in „Friday Foster“ ist, wird auch sonst nicht gerade mit klangvollen Namen gegeizt. Fast unbemerkt schleicht sich bei der einführenden Flughafenschießerei zum Beispiel Carl Weathers in die Handlung. Weathers war damals allenfalls als Footballspieler bekannt, hier steht er noch am Anfang seiner Schauspielkarriere und spielt ein Jahr vor seinem Durchbruch als Sylvester Stallones Gegner Apollo Creed in „Rocky“ (1976) eine seiner ersten Rollen überhaupt. Der spätere „Action Jackson“ hinterlässt bereits mächtig Eindruck als wortkarger „Killer in Disguise“, der in Schlüsselmomenten erscheint und dann wieder verschwindet, fast ein wenig wie Yul Brynner in „Westworld“ (1973). Yaphet Kotto beweist an der Seite der Hauptdarstellerin einmal mehr seine Vielseitigkeit und zeigt auf, dass er nicht nur Pimps, Supervillains oder verbitterte Cops, sondern auch kumpelhafte Sidekicks mit vielen Facetten ausstatten kann. Seinen Privatdetektiv, der den nicht minder titelwürdigen Namen Colt Hawkins trägt, reichert er mit einer Art ironischem Fatalismus an, was als Bindemittel für eine solide Chemie zwischen ihm und Grier sorgt. Es ist schon beeindruckend, wie es ihm gelingt, derart charismatisch zu spielen, ohne seiner Kollegin ungewollt die Butter vom Brot zu nehmen. Viele der Nebendarsteller vermögen es darüber hinaus, auch isolierte Szenen zum Spektakel geraten zu lassen; Sängerin/Schauspielerin Eartha Kitt etwa, die in der „Batman“-TV-Serie etwa Catwoman verkörperte, bringt reichlich Glamour in das Fashion-Ambiente. Godfrey Cambridge vermag den Film in seinen zwei kleinen, dafür hochgradig karikaturistischen Auftritten zum Cartoon geraten zu lassen, während Scatman Crothers als notgeiler Reverend die Regeln des guten Geschmacks über den Haufen wirft. Auch Thalmus Rasulala, Ted Lange, Paul Benjamin oder Julius Harris sind bekannte Gesichter im Geschäft und sorgen dafür, dass an jeder Ecke der Kenn-ich-doch-Detektor anspringt.

Obwohl der Aufbau des Plots relativ formelhaft bleibt, kommt das Produktionsteam immer wieder mit netten Set Pieces um die Ecke, die als Knotenpunkte für die Wendepunkte im Drehbuch fungieren, auch wenn die Auswahl, darunter Clubs, Modeschauen und Hochhausdächer, recht konventionell bleibt. Impulse bleiben aber nie lange aus, und wenn doch, scheut sich die Hauptdarstellerin auch nicht, zur Auflockerung die Nudity-Klausel im Vertrag zu erfüllen. Welche Szenen jedoch in Kalifornien gedreht wurden und welche vermutlich reines Stock Footage aus der US-Hauptstadt sind, die hier mit Monument, Weißem Haus und allen Schikanen als Schauplatz posiert, ist ungleich einfacher zu durchschauen als bei vielen artverwandten Filmen jener Phase, die auch gerne mal mitten in Problemvierteln amerikanischer Großstädte entstanden. Dieser Streifen gibt sich da tendenziell internationaler, „bondiger“, ohne natürlich die ganz großen Geschütze auffahren zu können.

Letztlich stammt aber gerade daher auch die Leichtigkeit, die im Vergleich mit Filmen wie „Coffy“ oder „Foxy Brown“ zur Geltung kommt, deren Motoren einzig auf Rache und Vergeltung optimiert waren. Diesmal findet der eigentliche Kampf eher auf politischer Ebene statt, er involviert Verschwörungen, Attentate und unvorhergesehene Abläufe der Ereignisse. Fridays unkomplizierte Denkweise erweist sich gerade gegen Ende oftmals als hilfreich, um die verschachtelte Rassenthematik auf ihren einfachsten Nenner zu bringen und die Fakten auf eine Weise beim Namen zu nennen, wie es sonst wohl nur ein Kind könnte. Die Szenen um Fridays kleinen Bruder wirken nicht ohne Grund wie Fremdkörper, stehen sie doch für eine Zukunft, die zum Zeitpunkt der Handlung noch geschrieben werden muss.

Anhand solcher Aspekte spürt man letztlich auch, dass „Friday Foster“ bereits zur einsetzenden Spätphase der Blaxploitation-Bewegung gehört. Es ist kein ausschließlich reaktionärer Film mehr, sondern einer, der ungewöhnlich klassische Genre-Elemente verwendet, um mit ihnen die komplexeren Betrachtungsweisen der New-Hollywood-Bewegung aufzugreifen, die das etablierte System hinterfragte und dabei unterschiedliche Perspektiven anwandte. Das produzierende Studio wird einfach einen weiteren billigen Streifen mit Pam Grier für den schnellen Dollar darin gesehen haben, denn was sonst sollte die Verfilmung einer Bildergeschichte aus der Tageszeitung auch sein. Drehbuch und Machart mögen ihnen auch Recht geben; aber manchmal entwickeln Filme einen gewissen Wert darüber hinaus.

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