Schade, dass man in Videotheken nicht wirklich Filme vorm Ausleihen anspielen kann und sich meist nur auf den Trailer und ein paar Websplitter verlassen zu müssen. Wenn möglich, würde ich dann dem interessierten Seher einfach die ersten 3 Minuten von CRAWL - HOME KILLING HOME empfehlen zu sehen, weil er dann von der im Film insgesamt präsentierten Dynamik einen repräsentativen Eindruck bekommt. Spannungskurven oder Action gibt es nämlich so gut wie gar nicht. CRAWL versucht mit Biegen und Brechen Kult zu sein und scheitert kläglich. Man versucht die sehr langsame Kameraarbeit und Intensität der großen beworbenen Vorbilder wie NO COUNTRY FOR OLD MEN zu kopieren und im interessanten Bereich zwischen Home Invasion Thriller und Horror zu punkten.
Erreicht wird aber damit nur gähnende Langeweile. Man sollte sich nicht von dem extrem gut geschnittenen Trailer verlocken lassen. Die wirre Story kürze ich radikal mal auf ein lapidares Sätzchen wie "Irrer Killer nimmt junge Frau in ihrem eigenen Haus als Geisel", denn hier sich lange mit dem Inhalt zu beschäftigen ist reine Zeitverschwendung. Grundsätzlich ist das darstellerische Niveau ok bis gut und es gibt ein paar erfrischend schräge Charaktere zu bewundern. Auch die handwerklichen Leistungen der 2-3 Blutszenen sind auf hohem Niveau, aber das reicht nicht für eine Bewertung über der Schmerzgrenze. Lediglich die letzten 5 Minuten sind erträglich und wecken sicher den einen oder anderen Seher noch mal aus dem entspannten Schlaf auf.
Der bewusst ein- und aufgesetzte Minimalismus und das Schielen nach einem Kultfaktor ist hier kräftig nach hinten losgegangen. Der immer mal wieder grässlich in der immer gleichen Weise anschwellende Soundtrack täuscht Spannungshöhepunkte oder Actionspitzen vor, die eigentlich kommen müssten, aber völlig außen vor bleiben, so dass man sich fast in einer Parodie des Genre namens "Horror Interruptus - Der unvollendete Horror" vermutet. Es wirkt oft so, als hätte man den Soundspezialisten nachträglich gesagt, sie sollten ein eher ruhiges Drama ein wenig audio-mäßig aufpeppen. Gerne hätte ich mich von einem die gewohnten Szenarios überschreitenden Thriller einfangen lassen, aber der australische Regie-Debütant Paul China übertreibt es ein wenig mit der gewollten Zähigkeit.
Kein Wunder, dass der Film uncut erscheint in Deutschland. Es gibt nichts Signifikantes zu schneiden. Ein paar gröbere Unfallverletzungen, die handwerklich feist und gut gelungen sind, haben keinen fixen Bezug zu dem Rest des Geschehens. Härte alleine wäre auch nicht relevant für die Beurteilung. CRAWL ist einfach zu durchschaubar in seiner kalkulierten Art und Weise "anders" sein zu wollen. Dazu trägt auch die gewollte TV-Optik durch die verwendete RED Kamera, die eine Farbgebung konträr zu den Inhalten erzeugt. Das Festival des Gähnens CRAWL ist ein durchdachter Blender, der sich in der Befriedigung von Altherren-old-school-TorturePorn Phantasien eher Respekt erwirbt, als in dem was er als verwertbare Genrekost für die Allgemeinheit liefert.
2,5/10 Punkten