Review

Es darf mal wieder ein wenig Home Invasion sein, ähnlich angelegt wie "Blood Simple", mit einigen Figuren, deren Schicksal irgendwie miteinander verknüpft ist. Allerdings hätte es Autor und Regisseur Paul China kaum langsamer angehen können, denn weniger Bewegung gab es in diesem Subgenre wahrscheinlich noch nie zuvor.

Der schmierige Barbesitzer Slim beauftragt einen namenlosen Kroaten (George Shevtsov), seinen ehemaligen Kumpel umzulegen. Doch auf dem Heimweg löst eine Unachtsamkeit eine Kette von Ereignissen aus, welche auch Kellnerin Marilyn (Georgina Haig) involviert, denn diese wird von dem Fremden in ihrem eigenen Haus überwältigt...

Chinas Debüt sollte offenbar so etwas wie eine Hommage an die Coen Brüder werden, denn die Kamera ist sichtlich bemüht, ein paar ungewöhnliche Perspektiven einzubinden, während die kurzen aber heftigen Gewaltszenen ebenfalls an Werke der Vorbilder erinnern.
Die Erzählung hingegen leidet unter extremer Schwerfälligkeit, was eventuell auf den Titel (to crawl - kriechen) zurückzuführen ist, vielleicht auch auf den viel zu alten Killer, der sich grundlegend in aller Seelenruhe fortbewegt.

Die wenigen Figuren leiden zudem an klischeebeladenen Charakterisierungen, wie etwa Slim, der seine Kellnerin erpresst und ihr nach der Schicht den Pöter versohlt und sich regelmäßig die Nase zuzieht, während Kellnerin Marilyn nahezu gar keinen Background erhält, außer dass sie offenbar zu den Gutmenschen gehört, die sich erst wehren, wenn es beinahe schon zu spät ist.

Solange die junge Frau lediglich Geräusche an Tür oder Fenster wahrnimmt, ist die Atmosphäre sogar einigermaßen intensiv und schürt Suspense, doch mit Eindringen des Fremden verpufft all dies, da eben nicht genug Bewegung in die Sache kommt und darüber hinaus kaum gesprochen wird. So hält sich das Mitfiebern in Grenzen, zumal spätestens zur Mitte der Erzählung abzusehen ist, in welche Richtung sie sich entwickeln dürfte.

Positiv ist das gekonnte Make-up zu erwähnen und auch die handgemachten Gewaltszenen machen einiges her, denn diverse Einschüsse, ein zerfetztes Gesicht und eine Axt im Schulterblatt sehen durchaus überzeugend aus.
Was auf Dauer eher nervt, ist der spärlich eingesetzte Score, welcher vornehmlich aus Streichern besteht und arg an "Psycho" erinnert.

Den beiden Hauptdarstellern ist bei alledem kein Vorwurf zu machen, denn Shevtsov geht als gelassener Bösewicht voll in seiner Rolle auf, während Georgina Haig besonders im letzten Drittel punkten kann, welches bereits nach 75 Minuten den Abspann einläutet.

Doch auch der unpointierte Showdown fügt sich der Belanglosigkeit des Geschehens, welches unkreativ vor sich hin dümpelt. Der Sache mangelt es an Tempo und überraschenden Wendungen, an spannenden Konfrontationen ohnehin und lediglich das solide Handwerk und die passablen Mimen retten ein wenig.
Home Invasion im Schneckentempo, - die wenigen gelungenen Gewaltszenen reißen es da letztlich auch nicht mehr raus.
Knapp
4 von 10

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