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In den frühen Morgenstunden des 7. Dezember 1941 starten mehr als 350 japanische Kampfflugzeuge einen Überraschungsangriff auf den US-Marinestützpunkt Pearl Harbour. Dies wird die USA dazu veranlassen, ihre neutrale Haltung aufzugeben und als aktive Kriegspartei in den 2. Weltkrieg einzutreten. Kopf und Initiator dieses Angriffs war Isoroku Yamamoto, Admiral und Oberbefehlshaber der kaiserlich japanischen Marine. Mit dem im Jahr 2011 produzierten Der Admiral – Krieg im Pazifik werfen die Japaner einen intensiven Blick auf diese interessante Persönlichkeit sowie die schwierigen politischen und militärischen Herausforderungen, denen Yamamoto sich stellen muss.

In den dreißiger Jahren steckt das industrialisierte Japan in einer schweren Rezession und ein großer Teil der Bevölkerung ist fest davon überzeugt, dass nur ein Expansionskrieg eine Besserung der wirtschaftlichen Lage bringt. Meldungen aus Europa, in denen ein am Boden liegendes Deutschland sich innerhalb weniger Jahre zur dominierenden Großmacht entwickelt hat, beflügeln zusätzlich die japanischen Ambitionen auf eine Vorherrschaft im ostasiatischen Raum. Als sich die japanische Führung 1940 dazu entschließt, dem Dreimächtepakt mit Deutschland und Italien beizutreten, sieht sich Admiral Yamamoto (Shinzaemon Shimada) als überzeugter Kriegsgegner dazu gezwungen, dem gesellschaftlichen und politischen Druck nachzugeben. Gleichwohl ist dem vorausschauenden Admiral bewusst, dass die Amerikaner dabei nicht tatenlos zusehen werden und Japan im Falle eines Krieges mit den USA dem militärischen und wirtschaftlichen Potenzial dieses schlafenden Giganten mittel- bis langfristig unterlegen sein wird. Japan würde infolge eines langen Krieges unweigerlich ausbluten und zugrunde gehen. Für Yamamoto besteht Japans einziger Ausweg darin, die Pazifikflotte der Amerikaner schnell und hart zu treffen und damit die USA möglicherweise zu Friedensverhandlungen und zur Anerkennung der japanischen Oberhoheit über Ostasien bewegen zu können.

“Ein überragendes Kriegsepos” steht da auf dem Cover der Blu-ray zu lesen. Obwohl die Qualitäten des Films nicht von der Hand zu weisen sind, sei hier deutlich gesagt, dass Der Admiral kein Actionspektakel im Stil von Die Schlacht um Midway (1976) ist und sich in Sachen Epik klar Genre-Referenzen wie z.B. Platoon (1986) oder Stalingrad (1993) geschlagen geben muss. Der Admiral ist ein vergleichsweise ruhiger und unspektakulärer Kriegsfilm, der sich irgendwo zwischen Historienfilm und Doku-Drama ansiedeln lässt und in erster Linie eine Aufarbeitung des Themas Pazifikkrieg aus japanischer Perspektive darstellt. Der Film versucht zu erklären, warum einige Dinge so passiert sind, wie sie passiert sind. Also warum beispielsweise die USA in Zusammenhang mit Pearl Harbour von einem heimtückischen Überfall sprechen, obwohl dieses Vorgehen eigentlich gegen den Ehrenkodex der Samurai verstößt. Dass Yamamoto dabei zur zentralen Figur des Films wird, ist verständlich, denn er zog als Oberbefehlshaber der Marine nicht nur die Fäden, sondern war gleichzeitig auch ein Opfer der inneren politischen Zerrissenheit Japans, die sich quer durch Regierung und Militär zog und sich im Krieg als besonders schädlich erweisen sollte. Die Macher des Films legen sehr viel Wert darauf, die auf den ersten Blick etwas zwiespältig erscheinende Gesinnung Yamamotos herauszuarbeiten, denn dieser wird nicht nur als patriotischer und loyaler Soldat, sondern gleichzeitig auch als entschiedener Kriegsgegner und Philanthrop charakterisiert. Das sieht dann an manchen Stellen im Film etwas zu sehr nach Idealisierung und Schönfärberei aus, was aber nicht auf das Konto von Shinzaemon Shimada geht. Dieser spielt den vielschichtigen Yamamoto sehr souverän und liefert wie auch schon in den 13 Assassins eine rundum überzeugende Darstellerleistung ab.

Trotz des eher bedächtigen Erzähltempos kommt in den etwas mehr als 2 Stunden niemals Langeweile auf. Das liegt vor allem daran, dass es dem Film neben der Fokussierung auf den Hauptakteur Yamamoto gelingt, weitere interessante Perspektiven einzuflechten. So spiegelt ein kritischer Zeitungsredakteur das Dilemma der japanischen Medien wieder, die zwischen populistischer Propaganda und objektiver Berichterstattung stehen. Die wenigen Kampfhandlungen des Films werden aus der Sicht eines jungen, draufgängerischen Piloten einer Jagdfliegerstaffel erzählt. Dabei wurden die Actionszenen insgesamt ordentlich inszeniert, lediglich im Hinblick auf die verwendeten CGI-Effekte, die teilweise sehr deutlich als solche zu erkennen sind, erscheinen sie nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Die Zielgruppe des Films dürfte diese kleineren Mängel allerdings wenig stören, denn Der Admiral hebt sich sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch sehr wohltuend vom oberflächlichen Pearl Harbour (2001) ab und stellt zusammen mit Clint Eastwoods Briefe aus Iwo Jima (2006) eine wertvolle Bereicherung des Genres zum Thema Pazifikkrieg dar.

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