Charlize Theron spielt eine Ghostwriterin, die an einer Jugendbuchreihe schreibt und in ihre Heimatstadt zurückkehrt, um ihren Ex-Freund, gespielt von Patrick Wilson, zurückzugewinnen, da sie mit ihrem bisherigen Lebensstil, bestehend aus diversen One-Night-Stands, nicht mehr zufrieden ist. Dass dieser mittlerweile verheiratet und gerade Vater geworden ist, stört sie dabei kaum.
Mit der Satire “Thank You for Smoking“ sowie den beiden Tragikomödien “Juno“ und “Up in the Air“ hat Jason Reitman bereits mehrfach unter Beweis stellen können, dass er perfekt zwischen Tragik und Komik, zwischen Witz und Tiefgang balancieren kann, damit dürfte “Young Adult“ der perfekte Stoff für das Regietalent gewesen sein, zumal das Drehbuch von der “Juno“-Autorin Diablo Cody stammt.
Und das merkt man dem Film auch an. Er zeichnet das Portrait einer jungen Frau, die nie so recht über ihre Highschool-Zeit hinweggekommen ist, in der sie beliebt war, alles und jeden haben konnte. Sie schreibt oberflächliche Jugendbücher und versucht ihren Ex zurückzugewinnen, weil sie wohl der Vergangenheit nachtrauert. Dass sie seine Ehe zerstören könnte, stört ist dabei nicht. Ob dies aus purem Egoismus geschieht, weil es ihr vollkommen egal ist, oder ob sie tatsächlich glaubt, ihr Ex sei mit seiner derzeitigen Situation unzufrieden, wie sie es mehrfach erzählt, um sich zu rechtfertigen, bleibt fraglich. Immer wieder trifft sie ehemalige Mitschüler, die sich an sie erinnern, da sie auf der Schule ein bekanntes Gesicht war, an die sie sich jedoch nicht mehr erinnert, weil sich die Welt auch damals nur um sie gedreht hat, weil sie ihr egal sind.
Die Geschichte erzählt Reitman dabei, anders als bei “Up in the Air“ und “Thank You for Smoking“, mitunter sehr langsam und dramaturgisch etwas umständlich, sodass das Geschehen nicht so recht an Fahrt aufnimmt. Dies ist ein vermeidbarer Fehler, weil die Story eigentlich gut ist und immer wieder gelungene Wendungen sowie ein gutes Finale aufzuweisen hat. Es wäre letztlich mehr drin gewesen, hätte Reitman den Unterhaltungswert nicht stellenweise aus den Augen verloren.
Denn auch ansonsten stimmt eigentlich alles. Die Stimmung ist von einer gewissen Bitterkeit geprägt, die sich durch den gesamten Film zieht. Obwohl die Hauptfigur nicht gerade als sympathisch zu charakterisieren ist, weiß ihr Schicksal daher dennoch zu fesseln, zumal zum Ende hin auch für Verständnis und Mitleid geworben wird. Dass der Film nicht allzu depressiv ausfällt, verhindert Reitman mit dem einen oder anderen Gag, dadurch wird die Stimmung immer wieder gekonnt gelockert und für ein wenig Kurzweil gesorgt, auch wenn der Humor eher zynischer Natur ist. Auch ansonsten gibt es inszenatorisch wenig zu bemängeln, die Wahl der Filmmusik zeugt ebenfalls von einem sicheren Händchen.
Übers Mittelmaß hinaus hievt den Film aber letztlich einzig und allein Charlize Theron, die hier ähnlich wie in “Monster“ und “Kaltes Land“ ganz groß aufspielt. Sie spielt vollkommen natürlich, wenn Reitman sie bei alltäglichen Handlungen beobachtet, beim Umziehen, beim Schminken oder auch, wenn sie mal wieder neben einem fremden Mann aufwacht. Sie spielt ihre Figur zynisch und bitter, bringt die Gags beiläufig ein und entwickelt sich zunehmend zum Highlight des Films. Gerade in den Szenen, in denen sich unter all ihren Zynismus Trauer und Schwermut mischen, schafft sie es, doch eine Bindung zum Zuschauer herzustellen und dies ist in diesem Fall nicht einfach. Auch wenn der restliche Cast, in dem vor allem Patrick Wilson, Patton Oswalt und Elizabeth Reaser tragende Rollen spielen, auch lobend zu erwähnen ist, ist dies ganz allein Therons Film.
Fazit:
“Young Adult“ ist das bittere Portrait einer unglücklichen Zynikerin, die nie so recht über die Highschool hinweggekommen ist. Die tiefgründige Story wird dabei leider ein wenig zäh und umständlich erzählt, was auch die beiläufig eingestreuten Gags nicht ganz kompensieren können. Dies gelingt allein Charlize Theron. Die Oscar-Preisträgerin spielt großartig und schafft es trotz ihrer zutiefst zynischen, egoistischen und rücksichtlosen Figur, eine Bindung zum Zuschauer herzustellen.
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