John Carpenter jongliert in einer Leichenhalle mit abgetrennten Köpfen und macht dabei einen auf „Crypt Keeper“… - Soviel zur Rahmenhandlung unseres feuchtfröhlichen B-Episodenhorrorfilms, aus einer Zeit, als Teenies im Horror-Genre noch nix zu Suchen hatten, und man CGI noch für einen neuartigen Päckchenzustelldienst hielt.
So, nun zu den einzelnen Geschichten.
Story 1 handelt vom ersten Arbeitstag, oder besser von der ersten Nachtschicht, einer jungen Studentin an einer abgelegenen Tankstelle. Im Radio wird aber bereits vor einem entsprungenen Psycho-Killer gewarnt…
Die erste Geschichte ist ein düsteres, atmosphärisch sehr dichtes Katz- & Maus-Spiel, das die unverwechselbare Handschrift von Slasher-König John Carpenter ziert.
Die einsame, verlassene Tankstelle…, die zierliche Studentin in ihrem winzigen Kabuff – dem einzigen Licht umgeben von einem Meer aus undurchdringbarer Dunkelheit… - Brrrr, da lief’s mir damals in den 90ern, als ich den Streifen zum ersten mal im Free-TV gekuckt hab, echt eiskalt den Rücken runter.
Heute hat „The Gas Station“ – so der Titel der Geschichte - diesen Effekt zwar eindeutig nicht mehr auf mich, aber dennoch handelt es sich hierbei um ein durch und durch gelungenes, gut spannendes Killerfilmchen, das mit einen „Wer ist der Mörder?“-Ratespiel anfängt und in den typischen Wegrenn- und Verfolgungsarien zum Showdown kommt.
6 – 7 Punkte würd’ ich mal sagen…
Story 2: „Hair“.
Der Mittvierziger Richard, der unter seinem immer lichter werdenden Haaren, kurzum seiner beginnenden Glatze sehr zu leiden hat, sucht einen Fernseh-Doktor auf, der verspricht, dieses Problem über Nacht beheben zu können. Und siehe da: Als Richard am nächsten Morgen erwacht, hat er nicht nur keine Glatze mehr, nein, an Stelle seiner Bowlingkugel ziert nun eine Brustbein lange Hengstmähne sein Haupt.
Was Richard und der Zuschauer aber wohl nicht ahnen, weil man auf einen dermaßen hirnverbrühten Schwachsinn einfach nie und nimmer kommen würde: seine neue Haarpracht besteht aus lauter kleinen Alienwürmer, die seinen Schädel als Nährboden missbrauchen und Schritt für Schritt Richard ganzen Körper bewuchern…
Hirnkotze bis zum Gehtnichtmehr, oder!? Damals fand ich dieses heitere Sci-Fi-Horrorgeschichtchen sooooooo mies, das alles zu spät war, und eindeutig die schlechteste Episode im Bunde.
Heute aber find ich die Story - diese hirnverbrannte Idee mit ihrer unernsten, zum Schmunzeln einladenden Umsetzung – sooooooo dämlich, dass sie irgendwie schon wieder verdammt gut is’.
Entweder absichtlicht so albern oder aber einfach ein nach Strich und Faden verkorkster Versuch einer übersinnlichen Schauerstory. Wegen einiger, eindeutig als humoristisch zu identifizierender Szenen (siehe die in Zeitlupe wallenden, im Wind wehenden Mähnen von Mann und Tier…) tipp’ ich aber eher auf ersteres.
Klare 9 Punkte, kein Thema.
In Geschichte Nr. 3 verliert der talentierte Baseball-Spieler Brent (Mark Hamill) ein Auge bei einem Verkehrsunfall, worauf hin ihm Roger Corman und Ex-Bohnenstange Twiggy das Auge eines zum Tode verurteilten Frauenmörders einsetzen. Zunächst ist die Freude groß, doch dann schleichen sich höllische Halluzinationen und böse Flashbacks von Leichenteilen im Müllschlucker und im Garten verbuddelten Damen in seinen Alltag ein…
„The Eye“, inszeniert von Tobe Hooper, glänzt mit zwei-drei blutigen Szenen und einem Mark Hamill in der Rolle seines Lebens (Vergesst Luke Wen-auch-immer!), sonst gibt’s hier ehrlich gesagt nix sehenswertes.
Die Schocks zünden nicht, Spannung kommt auch nur minder auf und der Handlungsverlauf ist vorhersehbar.
Dennoch ganz nett und daher 5 bis 6 Punkte.
So, das wär’s im Großen und Ganzen. Story 1 setzt hauptsächlich auf Spannung und Atmosphäre, Story 2 gibt eine sehr nette Horrorkomödie ab und in Story 3 fließt dann noch etwas Blut.
Erzählt werden die Geschichten, wie bereits oben erwähnt, von John Carpenter, der nicht nur den madigen Humor des Crypt Keepers imitiert, nein, er sieht dem Grufti mit seinen verfilzten, grauen Strähnen und den grünen Raucherzähen sogar richtig ähnlich.
Als besonderes Sahnebonbon sind hier noch immens viele Koryphäen des Horrorfilms in kleineren Nebenrollen untergebracht, nach welchen man teilweise förmlich suchen muss:
Tobe Hooper flitzt ganz kurz als Leichenbeschauer durchs Bild, Roger Corman mimt den Augenarzt in „The Eye“ und Wes Craven und Sam Raimi liegen nur mal irgendwo als Leichen rum.
So, Fazit also:
BODY BAGS ist ein kultiger, kleiner Episoden-Horrorfilm im „Tales from the Crypt“-Stil, dessen Highlight meiner Meinung nach ganz klar die Ulknummer mit den trashigen Alienwürmern ist.
Wer auf seichten, hausgemachten 90er-Jahre-Horror á la „People under the Stairs“ oder "Der Killer im System" abfährt, ist hiermit bestens bedient.