Bei „Body Bags“ handelt es sich um einen Episoden-Horrorfilm, der 1993 unter der Regie der von John Carpenter („Das Ding aus einer anderen Welt“) und Tobe Hooper („The Texas Chainsaw Massacre“) fürs US-Fernsehen entstand. Geboten werden drei Episoden, durch die John Carpenter als untoter „Crypt Keeper“-Verschnitt („Geschichten aus der Gruft“) im Ambiente einer Leichenhalle führt und dabei nicht nur versucht, dessen schwarzen Humor zu kopieren, sondern auch optisch eine verblüffende Ähnlichkeit aufweist.
Die erste Episode stammt von Carpenter und ist sogleich der Gewinner dieses Films. In einer eigentlich sehr konventionellen Slasher-Story unterstreicht Carpenter, warum er mit seinem „Halloween“-Filmen so erfolgreich war: Er versteht es, eine wahnsinnig klaustrophobisch-düstere Stimmung aufzubauen und Spannung zu erzeugen. Da stört es kaum, dass es einem verdammt bekannt vorkommt, dass ein entlaufener Irrer in einer Kleinstadt namens Haddonfield sein Unwesen treibt... Hier jedenfalls ist die weibliche Nachtschicht-Aushilfskraft einer Tankstelle das auserkorene Opfer und Carpenter macht ihre Unsicherheit und ihr Unbehagen spürbar, konfrontiert sie mit skurrilen bis unheimlichen nächtlichen Kunden und hat im Finale einen sehenswerten, blutigen Effekt untergebracht. Beileibe nichts Neues, aber immer wieder schön!
Die zweite Episode, ebenfalls von Carpenter, ist dagegen etwas haarig – im wahrsten Sinne: Die Geschichte um einen Mann mittleren Alters, der sich in die Furcht vor seiner Glatzenbildung hineinsteigert und schließlich einer TV-Werbung für ein obskures Haarwuchsmittel aufsitzt, das aus ihm über Nacht den Träger einen Hengstmähne macht, im Laufe der Zeit aber zu weiteren Veränderungen führt, wäre vermutlich gern ein Jugend- und Schönheitswahn persiflierendes Stück schwarzen Humors, ist aber schlicht absurd und weniger lustig als haarsträubend-trashig und albern. Kein Totalausfall, aber schon eher zum Haareraufen...
Episode Nummer 3 stammt von Hooper und wärmt die vermutlich schon x-mal dagewesene (und seinerzeit sogar von den Adverts in „Gary Gilmore’s Eyes“ besungene) Schauermär von den ein Eigenleben entwickelnden, von Serienkillern stammenden transplantierten Körperteilen auf. In diesem Falle handelt es sich um die Transplantation eines einzelnen Auges, das empfindlich die Familienidylle eines erfolgreichen Baseballspieler und seiner Frau stören soll. Handwerklich durchaus solide, jedoch 100%ig vorhersehbar, weshalb die Schockeffekte, auf die Hooper zu setzen gedachte, auch nicht so recht zünden wollen.
Unterm Strich ist „Body Bags“ damit ein kurzweiliges Genrevergnügen für den Freund von Episodengruslern oder eben der Regisseure, in Anbetracht des Ensembles hinter und vor der Kamera mit seinem zahlreichen Gaststars und Cameos (Deborah Harry, Roger Corman, John Agar, Wes Craven, Sam Raimi, Twiggy etc.) aber etwas enttäuschend und wie ein eher halbherzig umgesetztes Spaßprojekt wirkend. Man sollte also nicht aufgrund der großen Namen in eine übersteigerte Erwartungshaltung verfallen. Gerade in diesem Bereich gibt es viel Besseres und qualitativ Homogeneres.
Finger weg übrigens von der verstümmelten deutschen „Splendid“-DVD; bei Interesse besser versuchen, die Unrated-Fassung aufzutreiben.