Review

Totentanz in der Rigor Mortis

In der Horroranthologie aus den frühen 90ern namens "Body Bags" führt John Carpenter als Bestatter, Leichenschänder, gefühlter Cousin des Cryptkeepers durch drei schaurig-schöne Kurzgeschichten, die zwar für das Fernsehen produziert wurden, allerdings hochwertig genug aussehen um als Kinounterhaltung durchzugehen. Für mich ist "Body Bags" durchaus unterschätzt und von den Zwischensegmenten im Leichenschauhaus bis zu den drei Hauptepisoden hält das Ding kompetent zusammen und vermeidet den zwischenzeitlichen Druckabfall bzw. eindeutig schwächere Minuten, die andere Compilations oft plagen. Alles wirkt wie aus einem Guss und man merkt den Spaß, den die Macher bei der Sache hatten. Und wenn Carpenter ruft, dann schlüpfen auch die großen Stars und Regisseure in kleinere Rollen. Wundervoll zu sehen, wenn Wes Craven den zwielichtigen Streuner gibt oder Roger Corman oder Greg Nicotero sich kurz blicken lassen. Solche Entdeckungen machen den Horrorfan natürlich wuschig und freudig erregt.

The Gas Station
(8/10)
Die erste Nacht als Kassiererin in einer abgeschiedenen Tankstelle wird für eine junge Studentin zu einem blutigen Alptraum... John Carpenter eröffnet den Horrorreigen richtig stark, fast wie in seinen besten Zeiten. Düster, atmosphärisch, beklemmend. Nicht nur weil Wes Craven mal kurz zum Zigarettenkaufen vorbeikommt. Der Soundtrack rockt in typischer Manier und es gibt in diesem Mini-Slasher einige fiese Schockmomente, die einen auf Touren bringen. Zudem ist die Protagonistin eine Augenweide und jeder der schonmal die Nachtschicht in einer Tanke hatte, wird dieses ungute Gefühl, was hier von Beginn an herrscht, vollkommen nachvollziehen können. Starker Start, die spannendste Episode!

Hair
(8/10)
Der Wunsch nach vollem Haupthaar wird einem alternden Herrn zum köstlichen Verhängnis... Die witzigste und schmissigste Episode. Schon fast ein kleiner Klassiker im Bereich der Horror-Anthologien. Herrlich wie hier der Jugendwahn und die Männlichkeit aufs Korn genommen werden und ins Tödliche und Ausserirdische gesteigert werden. Wenig Grusel, dafür umso mehr Spaß und etwas Ekel. Tobe Hooper kann Satire. Haarig und haarsträubend. Nichts für Zartbehaarte! Bruce Willis lacht trotzdem.

Eye
(6/10)
Inszeniert von einem No Name, auch die schwächste Story, doch keineswegs schlecht. Ein Baseballspieler (herrlich aufgedreht: Mark "Luke Skywalker" Hamill) verliert bei einem Autounfall ein Auge und kommt mit den Nebenwirkungen seines Spenderauges dann eher suboptimal zurecht... Die blutigste der Episoden hat zwar ein bekanntes Konzept, etwa später aus asiatischen Gefilden, sie funktioniert dennoch gut und verbindet die besten Qualitäten aus den ersten beiden Segmenten, ohne großartige Überraschungen. Hamill als amoklaufenden Ehemann muss man sehen!

Fazit: eine der unterhaltsameren Horror-Anthologien, mit Spannung, Witz und reichlich Lebenssäften. Kurzweilig, abwechslungsreich, bunt und vollgestopft mit großen Namen in kleinen Gastauftritten. Carpenter hätte durchaus das Zeug dazu gehabt, weitere Geschichten aus der Gruft bzw. aus der Leichenhalle zu erzählen. "Body Bags" ist reichhaltiges Fast Food für alle Fans von unter die Haut gehenden Kurzgeschichten mit Augenzwinkern.

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