Im Jahre des Herrn 1972 läßt Unterhaltungsvielfilmer Rolf Olsen mit Blutiger Freitag ein in dieser Form zumindest in Deutschland selten noch einmal gesehenes Feuerwerk schmieriger Ekelhaftigkeiten auf das unschuldige Kinopublikum los. Eine Gruppe von Gelegenheitsverbrechern entführt während eines Banküberfalls die Tochter eines lokalen Politikers (Gila von Weitershausen) und tritt mit ihr und weiteren Geiseln die Flucht vorm langen Arm des Gesetzes an. So befinden sich in der Gewalt der Unholde noch eine lesbische Frau (Daniela Giordano) und ein unterwürfiger Angestellter, gespielt von Ernst Hilbich in seiner wohl einzigen ernsthaften Rolle in etwa hundert Jahren Bildschirmpräsenz.
Mit dieser deutsch/italienischen Gemeinschaftsarbeit betritt ein Schauspieler die Bildfläche, der dem Fernsehzuschauer vorher vielleicht in ein paar Serienrollen, oder dem geneigten Bahnhofskinogänger noch früher im Historien-Softsexer Siegfried und das sagenhafte Liebesleben der Nibelungen aufgefallen war: Raimund Harmstorf, im gleichen Jahr als Seewolf zum kartoffelzerquetschenden nationalen TV-Kulturgut erklärt, brilliert in Blutiger Freitag mit Wildlederdress, Pornosonnenbrille und Zigarillo als Gangleader Heinz Klett. Ihm gehören natürlich die größten Momente des Films. Die Brutalität, die ihm aus jeder Pore rinnt, läßt selbst den Fan derbster Exploitation mit einem Dauergrinsen in gespannter Erwartung vorm Schirm sitzen, welche Viehischkeiten das Ungeheuer jetzt nun wieder auf seine Umwelt loslassen wird.
Zu den Höhepunkten zählen die LSD-getränkten Bildmontagen aus Pornoclips und Schlachthofszenen während einer Vergewaltigung, mit denen Kameramann Franz X. Lederle die Gedankengänge von Opfer und Täter ins Blickfeld rückt, und die Explosion einer Handgranate unter dem Bauch eines Polizisten, der sich auf den Sprengkörper wirft, um den Schaden zu begrenzen. Lernt man das auf bayerischen Schutzmannakademien? Bayern ist ohnehin ein schönes Stichwort, da man auch ein paar schöne pseudodokumentarische Befragungen Münchner Passanten zum Thema Banküberfälle und Terroristen um die Ohren gehauen bekommt. ("Aufg'hängt g'herns! Früher hätt's des net gehm!") Ein von Rolf Olsen gern benutztes Element im Stil der Schulmädchen- etc. Reportfilme.
In die gleich Richtung gehen die ständigen Diskussionen über die Ausbeutung durch den Staat und die Konzerne zwischen den Klett und seinen Komplizen, Christian Hofbauer (Amadeus August, einem der damals ersten freiwillig als schwul geouteten deutschen Schauspieler, mittlerweile an AIDS gestorben) und Luigi, dem Freund von Hofbauers Schwester (Gianni Macchia) . Der Spießbürger bekommt filmisch bestätigt, wie er sich seinerzeit die Weltsicht der "Gammler" vorgestellt hat, oder noch heute vorstellt..
Das Ende kann dann sogar mit Blutfontänen aufwarten, die fast an die japanischen Okami/Lone Wolf and Cub-Filme bzw. später vereinzelte Splatter-Sketche aus Monty Python's Flying Circus erinnern.
Harmstorf hängt sich im Mai 1998 schließlich, nur wenige Tage nachdem die BILD-Zeitung seine Parkinsonerkrankung herausposaunt, ins Gebälk der Scheune seines Bauernhofs.
Ein großer, und vor Allem effektvoller Abgang eines großen Künstlers, der nicht zu Unrecht sowohl auf die Mitwirkung in der Schwarzwaldklinik als auch bei Mike Krügers Geld oder Leber (nicht weniger als die deutsche Antwort auf die Duck Soup der Marx Brothers, jawohl!) zurückblicken konnte.