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Im selben Team. Aber nicht auf derselben Seite.

Normalerweise wäre die Rollenverteilung glaube ich meist genau andersrum: Richard Gere als guter Cop, Andy Garcia als böser Cop oder sogar Krimineller, Gangster, Mafiosi. Mike Figgis' „Internal Affairs“ ist aber alles andere als gewöhnlich oder normal. Eine interne Investigation innerhalb der Polizei lässt einen Ermittler auf einen korrupten und arroganten Cop treffen, der mit seinem Team eine echte Gefahr und Herausforderung darstellt, für Gesellschaft wie Privatleben… 

Boys in blue, Gefahr im Verzug

Andy Garcia und Richard Gere sind die perfekten Gegenspieler. Beide hier angestachelt von ihren Rollen, ihren Grautönen, den ungewöhnlichen Charakterzügen ihrer Figuren. Und voneinander, da sie sich auch privat bzw. während den Dreharbeiten legendär wenig ausstehen gekonnt haben sollen. Vielleicht trieben beide ihr Method Acting etwas weit. Diesen rauen Polizei-Thriller kommt es jedenfalls absolut zu Gute. „Internal Affairs“ strotzt nicht gerade vor Action und Wumms - aber er ist dennoch düster, fesselnd, hochwertig. In seinen Untertönen sogar nahe an verstörend. Vor allem Richard Gere ist diabolisch gut. Man spürt extrem, wie er hier sich selbst und die Klischees über ihn herausfordern und unterlaufen, umdrehen will. Koste es, was es wolle. Gefährlich und gallig. Die Bildsprache, die Atmosphäre, der Score haben aber auch ihre Momente. Manchmal „Miami Vice“, dann aber immer wieder schnell etwas weitaus Dunkleres. Partnerstück zu sowas wie „To Live & Die In L.A.“. Dieser Krimi hat einen räudig-guten, mit Boshaftigkeit prall gefüllten Unterbauch. Vielleicht hätte gerade in der ersten Hälfte ein wenig Action schon gut getan. Aber insgesamt ist das Teil dermaßen eiskalt und abgefuckt, dass es auch als fast reines Charakterstück schockt und rockt.

Fazit: egal ob Figuren oder giftige Chemie untereinander, egal ob düstere Untertöne oder die Action (wenn sie kommt) an sich. „Internal Affairs“ ist in Sachen Copthriller durch die Bank eine Empfehlung und eine Spur rauer, kritischer, ehrlicher als die Konkurrenz. Und vor allem Richard Gere, gegen seinen typischen Charakter gedreht, ist das Eintrittsgeld allein schon wert. Ein Vorläufer von sowas wie „The Departed“ oder „Street Kings“. 

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