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Da hat der erfolgreiche und ach so schlaue Rechtsverdreher Dick Ridelander (Tom Drake) aber mehr abgebissen, als er schlucken kann. Erst der "perfekte" Mord, und dann das! Harry (Joe Turkel), der Killer, den er angeheuert hat, um seine lästige Ehefrau um die Ecke zu bringen, entpuppt sich nämlich als komplett irre. Das ahnt Dick wohl schon, als er hört, daß seine Frau nicht nur brutal abgestochen, sondern auch noch vergewaltigt worden ist. Hinterher! Jetzt ist Harry, der bisher nur mit Schaufensterpuppen rummachte, auf den Geschmack gekommen und verlangt Nachschub. Sonst verpetzt er den Anwalt bei der Polizei. Dick holt den Rocker Chelsea (Steve Oliver) ins Boot, der mit seinen beiden Kumpanen Romeo (Sean Kenney) und Irish (Bill Barney) zwei junge, hübsche, knackige Mädels auftreiben soll, an denen sich Harry dann nach Lust und Laune austoben kann. Die Wahl fällt auf Jenny (Tanis Gallik) und deren Freundin Faye (Kitty Vallacher), die sich aber auch schrecklich naiv und selten dämlich anstellen. Harry wetzt währenddessen schon mal voller Vorfreude seine Messer.

Na sowas! Da hat jemand (und mit jemand meine ich John Lawrence) wohl Wes Cravens Kult-Schocker The Last House on the Left (1972) gesehen und sich gedacht: He, das kann ich doch auch. Die Geschichte ändere ich ein wenig ab, aber die Figurenkonstellation (zwei junge Mädels gegen drei Männer und eine Frau) gefällt mir, die behalte ich bei. Und einen Psycho - gespielt von Joe Turkel, der einige Jahre später dem Bartender Lloyd in Stanley Kubricks The Shining grandiose Gestalt verleihen wird - gibt's als Draufgabe gratis dazu. Nur so grausam und unangenehm muß das Ganze echt nicht sein. Dafür vielleicht was mit Rocker? Ja, Rocker sind immer gut. Und deren Anführer gibt Steve Oliver (Werewolves on Wheels), der ist sicher ebenso gut wie David "Krug Stillo" Hess. Wird schon klappen, kann ja nicht so schwierig sein, was soll da schon groß schiefgehen?

Nun ja... wie Herr Lawrence am Ende bestimmt selbst festgestellt hat, da ist verflucht viel schiefgegangen. Cycle Psycho entpuppt sich nämlich als so dermaßen schlecht, daß er schon wieder lustig ist. Dieses spottbillig hingerotzte Exploitation-Movie ist ein Lachschlager deluxe. Zumindest ging es mir bei diesem unfreiwillig komischen Großangriff aufs Zwerchfell so. Sorry, ich konnte den Streifen nicht ernst nehmen, das ging einfach nicht. Weil Lawrence rein gar nichts auf die Reihe bekommt. Ich könnte mich jetzt ewig lange über die vermurkste Dramaturgie, die belanglose Musikuntermalung, die schablonenhafte Figurenzeichnung, die schwache Kameraarbeit, die debilen Dialoge, den amateurhaften Schnitt (besonders auffällig im Grande Finale) oder die erbärmlichen Schauspielerleistungen auslassen, beschränke mich aber mal auf letzteres. Overacting ist das Motto der Stunde, sehr zum Amüsement des Zuschauers.

Steve Oliver zieht als Rockerboss Chelsea eine herrliche Schmierlappen-Show ab, wobei ihm Bill Barney als Irish in Sachen Widerwärtigkeit kaum in Etwas nachsteht. Chelseas Gespielin Lorie (Amy Thomson) ist sowohl drogenabhängig als auch eifersüchtig und hat einen ungesunden Hang zur hysterischen Überreaktion. Der von Sean Kenney (The Corpse Grinders) gespielte Romeo scheint immerhin so etwas wie ein Herz zu besitzen, was ihn zum "Normalsten" der Truppe macht. Joe Turkel wiederum haut mächtig auf die Pauke und chargiert sich munter durch den Film. Tanis Gallik und Kitty Vallacher hingegen schaffen es nicht mal ansatzweise, die Gefahr, in der sie sich befinden, halbwegs glaubhaft zu vermitteln. Und Tom Drake (House of the Black Death) macht einen auf Granitfresse und verzieht keine Miene. Freunde lachhaften Trashs (und dazu darf ich mich zählen) kommen bei Cycle Psycho voll auf ihre Kosten, zumal das Schmierentheater sehr, sehr harmlos ausgefallen ist. Kein Vergleich zum letzten Haus links. Als niederträchtiger Schocker taugt Cycle Psycho somit nicht viel; als schlockige Spaßgranate dafür freilich umso mehr.

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