Daniel Craig ist ein Schauspieler, der mir erst über die Jahre richtig sympathisch wurde. Nach seinen Bond-Filmen bin ich jedenfalls sehr angetan von seinem Spiel und sehe ihn als Inbegriff des modernen Agenten an. Funktioniert er aber auch, wenn er seine Athletik hinten anstellen und wesentlich mehr über Blicke und messerscharfe Dialoge leisten muss? Ganz klar ja. Er spielt in Finchers neustem Streich so charismatisch und reif wie nie zuvor. Dieser graue Dreitagebart und diese stahlblauen Augen strahlen etwas aus, was man nur schwer in Worte fassen kann.
Als ob sein Spiel nicht schon Grund genug wäre, um ins Kino zu gehen, steht ihm hierbei eine gewisse Rooney Mara gegenüber und spielt mindestens ebenso grandios. Eher noch besser. Diese Mischung aus Wahnsinn, Zerbrechlichkeit und Intelligenz, die man aus ihrem Blick herauszieht, ist eine Wonne für jeden Cineasten. Ihre Mimik sagt meistens mehr als jedes Wort. Wahnsinnig gut gespielt! Überhaupt ist der Streifen bis in die Nebenrollen mit absoluten Topleuten besetzt. Christopher Plummer, Stellan Skarsgard und Robin Wright sind dahingehend Sahnehäubchen auf einem von Craig und Mara glänzend getragenen Krimithriller der allerbesten Sorte.
Neben der Schauspielerei ist es vor allem auch die Optik, die deutlich besser wirkt als im Original. Alles ist schärfer, deutlicher, aussagekräftiger. Hier merkt man, dass einer der besten Regisseure aller Zeiten am Werk war. David Fincher ist ein Meister seines Fachs und erzählt den mittlerweile sehr bekannten Larsson-Roman mit so grandiosen Einstellungen, so perfekt getimten Szenen und einer so hohen Liebe zum Detail, dass es die erneute Sichtung definitiv rechtfertigt. Sein Stil ist einfach nur bewundernswert.
Letztlich würde ich lügen, wenn ich sagen würde, dass das Original besser ist, nur weil es zuerst da war. Nein, dieses Remake weist in meinen Augen eine deutlich höhere Qualität auf und dies in nahezu jeglicher Hinsicht. Und genau deshalb hat es auch seine Daseinsberechtigung.
Wie bei "Sieben" und "Zodiac" erschafft Thrillergenius David Fincher wieder mit Ausnahmeklängen untermalte Szenerien, die ungeachtet ihrer inhaltlichen Schlichtheit absolut spannend sind und eine unheimliche Intensität ausstrahlen. Selten waren Ermittlungen so fesselnd. Selten war ein Remake so gut.