Review

Verblendung(2011)

Stieg Larsson. Es wäre die absolute Ausnahme nicht von ihm oder seinen drei Romanen gehört zu haben. Posthum(Larsson erlag 2004 einem Herzinfarkt) veröffentlicht, traten Verblendung, Verdammnis und Vergebung ein Welle los, die Seltenheitswert hat. Umfangreiche und faszinierende Bücher, eine sensationelle WDR Hörspielreihe, die von Dietmar Bär spannend gelesenen Hörbücher, die gelungen schwedischen Verfilmungen und jetzt noch ein US Remake von Verblendung. Wie gesagt...in den letzten Jahren kam man kaum an dem Journalisten Mikael Blomkvist und dem eidetischen düster girlie Lisbeth Salander vorbei.

2009 nahezu perfekt auf Celluloid gebannt stellt sich natürlich die Frage, ob es jetzt schon ein Neuinterpretation gebraucht hätte? Die Antwort lautet in dem Fall ganz eindeutig Jein. Es gibt die, denen das ausgezeichnete Original mit Noomi Rapace(Prometheus, Sherlock Holmes 2) reichen wird und dann gibt es noch die, den Namen David Fincher(Sieben, Fight Club) irgendwo bemerkt haben. Ihm ist es letztlich zu verdanken, dass es nicht der übliche Schnellschuss ist, den man sonst so serviert bekommt. US Versionen eines europäischen oder asiatischen Stoffes sind normalerweise gut inszenierte und für den nicht vorbelasteten Zuschauer auch uneingeschrenkt zu empfehlen(The Ring, The Departed). Es gibt auch die, die gut sind, aber der Materie oft nichts neues abgewinnen können und somit für den Zuschauern oft redundant daher dümpeln(Quarantäne, "hüstel" Let me in "hüstel" oder Das Experiment). Meistens schmecken die Originale allesamt besser. Verblendung liegt irgendwo in der Mitte und ist für Liebhaber der literarischen Vorlage mehr eine Herzensangelegenheit, als schnöde US Untertitelphobie Geldscheffelei.

Die 2011er Version der skandinavischen Saga macht so vieles richtig, ändert die ein oder andere Linie der Geschichte, die Gewichtung der Figuren und verteilt einige Handlungspointen ganz geschickt und macht dennoch einen Fehler, den man sonst keiner Buchverfilmung vorhalten würde...nämlich zu viel Vorlagentreue. Ich liebe das Buch und auch die Extended Fassung der 2009er Version, die immerhin drei Stunden läuft, verzichtet im Gesamteindruck auf einige Dinge der Fincher Fassung. Drehbuchautor Steven Zaillian(Hannibal, Schindlers Liste) packt einfach zu viel in diese knappen 140min und auch die Rangelei zwischen den Sony Pictures Studios und Fincher, bezüglich der Laufzeit für die Kinoauswertung, tragen dazu bei, dass der Film gerade zu Beginn unglaublich gehetzt wirkt. Hier hat das Original eindeutig die Nase vorn. Spannungsaufbau und Timing der Handlungsfäden sind einfach etwas eleganter gesetzt. Ein hoch auf die Schweden, die im ersten Anlauf gleich das perfekte Drehbuch schreiben konnten.

Andererseits ist der ganze Rest in der neuerlichen Variante besser. Ja ja...auch Rooney Mara gefällt mir einen Tick besser in dieser schwiereigen, tiefgründigen Rolle und sie wurde völlig zurecht für den Oscar als beste Hauptdarstellerin vorgeschlagen. Mara geht die Rolle viel zerbrechlicher, zarter und verletzlicher an als Rapace. Vor allem in der finalen Einstellung, als sie Mikael überraschen möchte, birgt ihr sensibles Spiel einen faszinierenden Berg darstellerischer Facetten...Chapeau! Dennoch sind die Ausbrüche ihrer Figur absolut beeindruckend und mutig gespielt. Dieser wechsel zwischen ruhigen, ja beinahe liebevollen Momenten und crescendo artigen Racheakten gelingt Mara noch etwas eindringlicher als ihrer Vorgängerin. Daniel Craig(Layer Cake, Casino Royal) als Mikael Blomkvist zieht in etwa pari mit Mikael Nyqvist(Atemlos). Die Rolle des resignierten Zeitschriften CEO's verlangt dem Darsteller jetzt aber auch nicht so viel ab, wie dem weiblichen Pol der Geschichte. Der Rest des Castes wirkt deutlich unterfordert. Christopher Plummer's gediegenes Spiel leidet unter dem hastigen Beginn, Robin Wright wirkt seltsam blass und Stellan Skarsgard Präsenz gegen Ende hallt zu wenig nach. Bis auf Skarsgard's Figur war das aber auch bei den Schweden etwas dünne, was aber angesichts der Laufzeit auch keine Kritik im eigentlichen Sinne ist.

Besonders hervorzuheben ist der fantastische Score von Atticus Ross und Trent Reznor(NiN), der die gesamte musikalische Begleitung aller Filme des letzten Jahres völlig in die dunkle Ecke stellt. Auch Regisseur Fincher und das Team hinter Kamera und Schnitt, zeigen der nordischen Fassung wo der Dreck hängt. So düster und böse sah schon lange kein Hollywood Blockbuster mehr aus. Gerade die berühmt berüchtigten R.a.p.e-n-R.ev.enge Szenen sind beinahe noch härter, als im schon wenig zimperlichen Original. Das könnte in nicht allzu ferner Zukunft ein Problem werden. Die 90Mio Dollar teure Produktion spielte zwar weltweit mehr als 230Mio Dollar ein, allerdings blieb das hinter den Erwartungen des Studios und somit sind die beiden weiteren Remakes, Verdammnis und Verblendung noch nicht so in trockenen Tüchern, wie sich einige das erhoffen. Rooney Mara und Daniel Craig sind zwar schon unter Dach, aber ob Fincher noch mal auf den Regiestuhl zurückkehren wird? Noch ist wenig bekannt.

Fazit: Was bleibt ist ein Reboot/Remake/Neuverfilmung, deren/dessen Relevanz noch nicht genau absehbar ist. Mir persöhnlich gefallen beide Verfilmungen. Jede hat ihre Vor- und Nachteile. Schade ist das man auf DVD und Blu-ray vorerst nur die Kinofassung veröffentlicht. Eine längere Fassung würde Fincher's treiben sicher noch besser zu Gesicht stehen.

Verblendung(2009) 8/10(Kinofassung), 9/10(Extended)
Verdammnis(2009) 7/10(Kino & Extended)
Vegebung(2010) 7/10(Kinofassung), 8/10(Extended)

Gerade bei Teil 2 und 3 könnten Zaillian und Fincher deutlich mehr holen...aber dazu (hoffentlich) ein anderes mal mehr.

Verblendung (2011) 8/10

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