kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 02.06.2012
Die Tatsache, dass der Zeitabstand zwischen Original und Remake eine Farce ist, sorgt auch nach Ansicht noch für einen bitteren Beigeschmack. Man empfindet es fast als Verschwendung, dass ein talentierter Regisseur wie David Fincher sich an Details und Nuancen wie diesen aufhält, während er so viel Neues schaffen könnte. Davon abgesehen ist das Remake durchaus eine qualitativ hochwertige Angelegenheit. Gepunktet wird vor allem bei der männlichen Hauptrolle: Hier stiehlt Daniel Craig seinem Pendant ohne sichtbare Mühe die Butter vom Brot, weshalb es naheliegend erscheint, dass der Fokus im Vergleich mit dem Original noch weiter auf ihn und seine Ermittlungsarbeiten rückt und damit weg von der Redaktion (weshalb die Abrückung vom Titel "Millennium" auch Sinn macht). Der Erzählfluss gelingt Fincher deutlich besser, umgekehrt gehen durch den Hochglanz aber auch Ecken und Kanten verloren, die zum Langhaltswert der Erstverfilmung beitrugen. Die Wahl zwischen Noomi Rapace und Rooney Mara ist nicht so einfach; Rapace wirkt etwas souveräner in ihrer Darstellung, Mara lässt sich aber nicht leicht abschütteln, sondern schafft es sogar, sich ihre Unerfahrenheit in der Rolle zunutze zu machen.
Eigentlich hat es diese Verfilmung trotzdem nicht gebraucht; es sei denn, als Opener für "Verdammnis" und "Vergebung", bei denen Fincher genug Platz zur Verfügung gestanden hätte, um Dinge tatsächlich korrigieren zu können.
*weitere Informationen: siehe Profil