Michael Cimino widmete sich in diesem 80er Zucker-Thriller der chinesischen Kultur in New York - natürlich von unten. Und durch die Augen von Mickey Rourke, der hier leichtes Spiel damit hat, einen zwiespältigen, mal wieder total vom Leben gezeichneten Bullen abzugeben, der sich dem Verbrechen im bekannten New Yorker Stadtteil Chinatown alleine zu widmen - denn um ihn herum sind eh nur Pfeifen im Polizeistab und er (als höchst dekoriertester Polizist der Stadt) das nun mal nur solo durchziehen kann. Wobei das auch nicht ganz richtig ist, denn die Straßen färben sich schneller rot als er seinen Charme spielen lassen kann und auch er selbst ist flugs mitten im Kugelhagel zu finden, sodass er sich „Verstärkung" bei der Presse (genauer einer chinesischen Reporterin gespielt von „Ariane") sucht. Doch die Macht der Triade, geführt vom fulminanten, machtgeilen John Lone („Der letzte Kaiser") scheint für ihn auf lange Sicht doch eine Nummer zu groß zu sein...
Ist ja auch wieder mal nicht so wichtig, worum genau es eigentlich geht. Die Handlung plätschert schön, ohne große Längen aufzuweisen (zumindest meiner Meinung nach; ein bisschen Geduld hat schließlich noch niemandem geschadet). Tief in das Wesen der chinesischen Kultur kommt der Film natürlich auch nicht, doch das sollte auch niemand erwarten - nichts desto trotz kombiniert der anspruchsvolle Reißer Einflüsse aus Ost und West zu einem vor allem durch Vorurteils- und Rassismuskritik geprägten Gesamtbild. Und wie schon gesagt, wird's definitiv nicht langweilig, dafür sorgen die an diverse Mafiaklassiker erinnernden, sehr spontan und schnell eingestreuten Ballereien und sonstige Actionszenen.
Die eigentlichen Stärken liegen jedoch in den Punkten Charakterzeichnung und Atmosphäre (wie aus den 80ern nun mal gewohnt). Rourke spielt deluxe, haut seine sarkastischen Macho-Dinger am laufenden Band raus, zeigt sich jedoch auch von seiner einfühlsamen Seite, gerade in den Szenen mit seiner Frau und der Reporterin. Die hat übrigens ein saugeiles Apartment, und die nächtlichen Szenen mit Blick auf die Stadt New York aus den riesigen Fenstern punkten genauso wie die düsteren Elemente aus der chinesischen Unterwelt! Allein die Szene, in der die Polizisten in einem Keller, in dem Sojasprossen angebaut wird, zwei Leichen finden, beweist definitiv Sinn für mulmige Stimmung. Aber man braucht nicht nur in der Stimmung des Films zu schwelgen, um auf seine Kosten zu kommen, denn der Spannungsbogen ist nicht zu unterschätzen und schafft es auch, über die mehr als zweistündige Lauflänge für reichlich Mitfiebern zu sorgen. Der Soundtrack eines mir bis dato vollkommen unbekannten Künstlers erweist sich mehr als nur als passend.Ein absolut empfehlenswerter Thriller, vielleicht in seiner Gesamtheit mit Ridley Scotts Black Rain vergleichbar, mit einem fantastischen Mickey Rourke, reichlich Spannung und unterschwelligen, sehr kritischen Untertönen.