Das Grundgerüst tendiert schon in Richtung „Saw“, wenn jemand von einem Fremden entführt und gefoltert wird, weil dieser angeblich im Zusammenhang mit einem ungesühnten Verbrechen steht. Doch als willkommene Abwechslung liegt der Schwerpunkt hier nicht auf Blut und Gekröse, sondern auf eine interessante Figurenentwicklung und eine zynisch-humorvolle Stimmung, die zuweilen ins Groteske abdriftet.
Lance (Will Keenan) hat inmitten der Einöde eine Autopanne und wird von einem Fremden (Timothy Muskatell) mitgenommen und noch während der Fahrt betäubt. Als Lance zu sich kommt, steht das Leben seines Halbbruders auf dem Spiel, er sei denn, Lance vermag sich unmittelbar an das Gesicht und das damit verbundene Verbrechen an dem Fremden erinnern.
Und je mehr Zeit verstreicht, umso mehr Gliedmaßen werden Nacht für Nacht abgetrennt…
Regisseur Trent Haaga, der bereits einige Erfahrungen als Autor und Darsteller in Troma-Werken aufweisen kann, packt seine Geschichte direkt an der Wurzel und stellt die Kernfrage binnen weniger Minuten: Was hat Lance gegenüber dem Fremden ausgefressen, dass dieser ihn dermaßen drangsaliert und leiden lässt? Die Tatsache, es bei dem Peiniger mit einem stets freundlich dreinblickenden Mann zu tun zu haben, der keineswegs brutal wirkt und sich stets kultiviert und gelassen verhält, verstärkt dieses Geheimnis zusätzlich.
Lance agiert hingegen ständig wie auf Speed, faselt zuweilen etwas zuviel dummes Zeug, etabliert sich jedoch aufgrund der äußerst prekären Situation rasch als Sympathieträger, zumal die Überwachung durch den Fremden beinahe übermenschliche, fast unausweichliche Züge annimmt, denn Lance kann sich zwar frei in seinem Haus bewegen, erwacht im Verlauf dennoch stets mit einem Finger weniger. Als er in letzter Verzweiflung versucht, die bereits ermittelnden Detectives zu involvieren, nimmt die Sache beinahe groteske Züge an, wodurch die Geschichte immer neue Wendungen erhält.
Interessant ist hierbei die Entwicklung der Hauptfiguren, denn Lance scheint tatsächlich in seiner Vergangenheit als Drogendealer einige massive Fehler begangen zu haben, wodurch eine Handvoll Nebenfiguren von dem Peiniger ermittelt werden, die den Zynismus phasenweise ins Bizarre steigern. Dennoch passt es zu dem stets heiteren Grundton, dass irgendwann ein mächtig lädierter Lance auf dem „Behandlungsstuhl“ kauert und dennoch in der Lage ist, in einer bestimmten Situation gemeinsam mit dem Fremden zu lachen oder jenen zum Weinen zu bringen, was ebenfalls eher untypisch für aktuelle Folterfilme ist.
Gorefans sollten demnach nicht zuviel erwarten, denn bis auf eine etwas explizitere Szene mit einer Axt (die in der deutschen Version ebenso fehlt wie ein paar deftige Dialoge) sind die jeweiligen Eingriffe zu keiner Zeit zu sehen, - Lance erwacht grundlegend mit verbundener Wunde, so dass nicht viel mehr bleibt als ein Kopfschuss, eine Axt im Schädel und ein paar Andeutungen, welche die jeweilige Szene beenden.
Eine FSK18 ist demnach zwar angemessen, doch es geht kaum so hart zur Sache, dass überhaupt noch hätte geschnitten werden müssen.
Leider können die hohen Erwartungen an eine angemessene Auflösung des Geheimnisses aus Lance Vergangenheit nicht erfüllt werden. Zwar wird die Ausgangssituation mit den letzten Bildern offenbart, doch im Endeffekt hätte man aufgrund der ganzen Geheimniskrämerei deutlich mehr erwartet, was den positiven Gesamteindruck final ein wenig schmälert.
Dennoch bietet „Chop“ mit seinen gerade einmal 74 Minuten temporeiche und vor allem zurückhaltend humorvolle Unterhaltung mit zwei sehr gut aufgelegten Hauptdarstellern, einiger Situationskomik und ein paar skurrilen Nebenfiguren.
Dabei spielt die Entwicklung der Protagonisten eine ebenso wirksame Rolle wie das Geheimnis um Lance, wobei dessen Gleichgültigkeit im Verlauf ebenso erheitert, wie die Interaktionen einiger vom Leben gezeichneter Mitstreiter.
Dem Streifen fehlt zwar ein wenig das Gespür für Timing und wirklich treffsichere Pointen, doch unterm Strich bietet er Freunden von Horror-Comedy einen kurzweiligen Happen für Zwischendurch, dessen Ausgangspunkt bis zum leicht enttäuschenden Schluss durchgehend bei Laune hält.
6,5 von 10